Bretagne 2011

 

Bretagne 2011

Bretagne 2011

Zur Diashow einfach auf das Foto klicken. Viel Spaß dabei.

Die Bilder habe ich während meines Bretagne- Urlaubs im August 2011 aufgenommen.

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3. Bretonisches Tagebuch – Erquy, 17.08.2011

 

Hôtel de MorinDa ich ja Urlaub habe, habe ich mir heute einen fahrtechnisch gesehenen Ruhetag verordnet. Einfach nur abhängen, etwas schreiben, etwas lesen, etwas essen, etwas trinken, also leben wie Gott in Frankreich und ihn dabei gleichzeitig einen guten Mann sein lassen.

Morgen geht’s dann weiter nach La Chèze, wo ich zum dritten Mal in Folge dem Festival „Blues au Château“ beiwohnen werde.

Die Vorfreude ist groß, die auf die Musiker, aber vor allem die auf die lieben Freunde, die ich dort zu treffen gedenke.

Das mit dem Internet funzt, ich habe freundlicherweise eben den Zugangscode bekommen. So werde ich heute diese Texte auch in den Blog stellen können.

Nee, nee! Bloß keinen Stress!  Stressabbau ist ja die aktuelle Devise. Also halte ich mich auch daran.

12Uhr ist ja schon durch. Zeit für einen kleinen Pastis.

Sehr gute Idee.

Zum Frühstück gab es Kaffee, frisches Baguette, ein Weichkäse „Coeur de Lion“, der im Lande seiner Produktion, doch immer noch anders, also besser schmeckt als im Importland Deutschland. Wirklich und ehrlich.

Das ist ähnlich wie mit dem Olivenöl. Und ich traue mich, frech zu behaupten, dass hierzulande einige für den Export vorgesehene Produkte eigens für den Zielmarkt geschmacklich „eingestellt“ werden.

Was soll’s, derzeit sitze ich ja an der Quelle und genieße einfach die Originale. Voilà. Und den „Löwenherz“- Weichkäse begleitet bei jedem Happen ein genüssliches „Hmmmmmm!!!“

Irgendein hungriger Nachbar hat den Holzkohlegrill gezündet. Es riecht nach Brandbeschleuniger, pardon Grillanzünder, und es qualmt – hüstel, hüstel – fürchterlich.

Zum Wetter habe ich ja heute noch gar nichts gesagt: Die Mittagssonne sticht an den paar Wölkchen vorbei direkt auf die Bretagne. So kann und soll es auch ruhig bleiben. Frohlocken ist somit angesagt.

Nenne es Tatendrang, Entdeckergeist oder nur einfach schlechtes Gewissen. Eigentlich wollte ich ja nur hier direkt neben dem Campingplatz, der sich „Bellevue“ nennt, ein paar Strohrollen fotografieren (mehr gibt die „Schöne Aussicht“ nämlich nicht her) und meinen Abfall in den im Eingangsbereich befindlichen Behältern fachgerecht entsorgen (in Frankreich ist es mittlerweile üblich, den Müll zu trennen, hört, hört!!).

Den ganzen Mittwochnachmittag habe ich hier den „Paresseux“, den Faulen gegeben und einfach mal nichts getan. Sogar das Denken ist mir für seltene Momente völlig abhanden gekommen.

So schnappe ich mir die Fototasche und den prall gefüllten Müllbeutel und schluffe gen Ausgang. Da gibt es Tonnen für Papier, Plastikflaschen, Glasflaschen, Aludosen und gleich eine größere Anzahl für den Rest.

Meine Glasflaschen treffen dumpf den Boden der entsprechenden Tonne. Sicherlich war eben erst Leerung. Ich habe nur noch von dem , was man getrost unter Restmüll einsortieren kann. So öffne ich die erste dafür vorgesehene Tonne: Bis oben hin voll. Mit Restmüll, Papier, Plastikflaschen, Glasflaschen, Aludosen. Ebenso die zweite. Grinsend finde ich in der dritten endlich Platz für mein Wegzuwerfendes.

Dann gehe ich ein paar Schritte die Straße hinab, knipse die Strohballen. Ha, toll: Gegenlicht. Etwa 500 Meter weiter ein typischer Bauernhof aus Bruchstein. Ich gehe weiter. Und weiter. Irgendwann ein Schild mit der Aufschrift „Plage de St. Pabu“. Der Pfeil weist nach rechts. Ich folge. Passiere das Hôtel Morin, das aussieht wie ein früheres Kloster, ein traumhaftes altes Bruchsteingbäude.

Mit jedem Schritt weiter geht es auch weiter hinab zum Strand, den ich dann nach etwa zwanzig Minuten erreiche.

Kurz vorher gibt es noch den toll gelegenen Campingplatz St. Pabu, den ich mir sofort für etwaige spätere Aufenthalte hier vormerke. Denn, wenn er auch nicht so heißt, bietet der sicher eine „Bellevue“ und die direkt auf den Strand und das in Ebbe befindliche Meer.

Einmal wenigstens die Füße ins Wasser halten, das muss sein. Dann noch ein paar Fotos. And the only way is up. Ja, unten ist man bekanntlich ganz schnell, aber aufwärts ist immer problematischer. Ich weiß jetzt nicht mehr, was mich am meisten aufrecht gehalten hat: Der Gedanke an die anschließend kräftige und heiße Dusche oder der Gedanke an das eiskalte Bier aus dem saucoolen Frigo.

Egal. Beides habe ich inzwischen genossen. Jetzt werde ich mich der Internetzone nähern und das alles hier posten.

Futtern muss ich auch noch was…

3. Bretonisches Tagebuch – Erquy, 16.08.2011

Erquy Plage

Manches ist fest verankert und geht nicht mehr weg. Bleibt, auch wenn sich drumherum alles ändert.

 Ich und on the road.

Durch die letzten Wochen habe ich mich förmlich gekämpft. Jetzt bin ich da, wo ich sein wollte. Unterwegs in bekannten Gefilden. Les plages de ma jeunesse. Vor genau 41 Jahren war ich zum ersten Mal hier, dann wieder 1971.

 Ich suche nach Namen, Gesichtern, Geschichten, Gefühlen von damals. So richtig will mir das nicht gelingen. Einen kurzen Augenblick erliege ich der Versuchung, zu errechnen, wie viele Fluten und Ebben über diesen Strand in der Zwischenzeit hinweggegangen sind. „Lass es, du hast Urlaub!!“ Eine schallend lachende, innere Stimme ruft mich zur Unvernunft auf. Recht hat sie.

So folge ich ihr wie im Sand den Fußspuren einer Schuhgröße von etwa 42. Der Himmel ist leicht bewölkt und die Sonne findet nicht immer einen Weg durch die Verschleierung hindurch.

Die letzte Nacht habe ich auf einem Campingplatz in der Nähe von Cap Frehel zugebracht. Eine schöne Anlage in Terrassen angelegt. Leider fehlte mir zum absoluten  Glück ein Adapter für die Stromzufuhr. Für 7,50 € hat sich dieser Notstand dank eines Pro Brico Markt inzwischen erledigt.

Um 13:30 Uhr bin ich zunächst happy, den vorletzten Stellplatz auf einem extra für Wohnmobile ausgewiesenen Areal direkt am Strand von Erquy zu ergattern.

Als ich jedoch vom Bummel durch die sandige Notalgie auf den gänzlich aus grauem Asphalt bestehenden Platz zurück in mein fahrbares Domizil zurückkehre und diese leichte Depression, hier jetzt die Nacht verbringen zu sollen, selbst nach zwei Vanillejoghurt gar nicht aufhören will, stecke ich kurzerhand den Zündschlüssel ins dafür vorgesehene Schloss, glühe den Dieselmotor vor, starte mein treues Gefährt und rolle von dannen, ein paar Kilometer Fahrt und ich steuere den nächsten Campingplatz an säuberlich parzelliert (der ADAC Campingführer dürfte seine Freude hieran haben) mit Stromanschluss und ganz heißen Duschen.

Internetzugang gibt’s wohl auch, das werde ich in Bälde gleich testen.

Die Hacksteaks warten gut gekühlt im Frigo, genauso wie eine Flasche Muscadet.

Mein Laptop fungiert zusätzlich noch als Jukebox. Kurzum: Jetzt geht’s mir allerbest.

3. Bretonisches Tagebuch – Anreise 12-15. August 2011

Bon appetit :-)

3. Bretonisches Tagebuch – Anreise

„Lasst uns eine Wagenburg bauen!“ … So allmählich beginne ich die Vorteile eines Wohnmobiltouristen in ihrer Gänze zu erkennen.

Kein lästiges allabendliches Suchen nach einer geeigneten Unterkunft, sei es Pension, Hotel oder Campingplatz. Wo ich bin, kann ich bleiben. So simpel ist das. Die Betonung liegt auf „kann“. Ich habe die freie Auswahl.

Die erste regengepeitschte Nacht habe ich auf dem Marktplatz eines netten Örtchens zwischen Tôtes und Yvetot in der Haute Normandie zugebracht, die zweite bis soeben auf einem Wohnmobilparkplatz mit etwa 40-50 Gleichgesinnten an der Baie du Mont . Michel ein paar Kilometer vor Cancale, meinem eigentlichen Ziel.

Ein sonntäglicher Stau und eine gewisse Fahrmüdigkeit haben mich gestern schnell überzeugt, hier Station zu machen.

Und wenn ich mich hier so umschaue, stehen hier mobile Werte in Höhe von einigen hunderttausend Euro herum. Mein doch eher bescheidenes Gefährt fällt somit etwas aus der Reihe, was mich schmunzeln lässt.

Eine typische Ver- und Entsorgungsstation für Wohnmobilistas, eigentlich wie ein Campingplatz, nur ohne Toilettenhäuschen und Zelte.

Feststellen konnte ich gestern, dass die meisten Supermärkte sogar sonntags geöffnet haben. So konnte ich mich mit dem „Nötigsten“, sprich Mineralwasser, Käse, und einer Flasche „Graves“ versorgen.

Ein Vollkornbaguette gebacken auf nach eigenen Angaben auf traditionelle Weise und zudem der schmackhaftesten Art allerdings habe ich in einer äußerstes Vertrauen erweckenden Boulangerie erstanden.

Genaue Pläne, wie es nun weiter geht, habe ich gerade nicht. Nach all der Kilometerfresserei bin ich froh, dass jetzt erst mal, wenn überhaupt, nur kleinere Strecken warten.

Außerdem tut mir der linke Arm weh. Das kommt vom ewigen Grüßen der auf der Fahrt entgegenkommenden Wohnmobilkollegen. Denn es ist wohl (schöne) Sitte, sich kurz zuzuwinken.

Das habe ich gestern gelernt. Mautträchtige Autobahnen habe ich gemieden. Schneller als 110 Stundenkilometer macht mein Schlachtschiff so wie so nicht und die kann ich auch auf den meisten Landstraßen fahren, bis mich dann ein „Rond Point“, ein Kreisverkehr wieder aus dem Geschwindigkeitsrausch nimmt.

Nach 11 Stunden Schlaf, fühle ich mich heute Morgen frisch nach der Vollmondnacht, die auch als solche erkennbar war, denn je weiter ich auf die Bretagne zukam, haben sich die Wolken verzogen.

Heute Morgen scheint die Sonne, einige bauschige Wolken tupfen den blauen Himmel. Bilderbuchwetter.

Jetzt besorge ich mir erst einmal ein Baguette, koche Kaffee und frühstücke. Draußen!

2. . Bretonisches Tagebuch – Teil 7 – St. Quay de Portrieux, Étables sur Mer und nach Hause 26.08.2010

St. Quay de Portrieux

St. Quay de Portrieux

Darf man Wettervorhersagen trauen? Ist es klug, sich darauf zu verlassen? Nach der unfreiwilligen Morgendusche am gestrigen Mittwoch habe ich es mir nicht nehmen lassen, im Internet meteorologischen Beistand anzufordern.

Der sagt für die Bretagne wie für die Normandie und für heute erhebliche, himmlische Wasserfälle voraus.

Gegen 7.30 Uhr scheint sich das schon zu bewahrheiten. Die Regentropfen pochen erneut auf die Außenhaut des Zeltes.

Ok, dann war es das eben. Und bevor ich mir hier den berühmten Tag zuviel antue, werde ich in den Tag hinein bummeln, mir noch etwas die Gegend anschauen, letzte Einkäufe tätigen und gemütlich nach Nordosten Richtung Heimat schaukeln. Denkbar ist auch einfach in die Nacht hineinzugondeln und dann auf deren anderen Seite am heimischen Zielhafen einzulaufen.

Der morgendliche Regengruß ist zum Glück nur von kurzer Dauer, und dennoch werde ich das Oberzelt wieder nicht trocken verstauen können.

Gegen 10 Uhr ist alles gepackt, der Müll brav, so wie es sich gehört, entsorgt. Auf dem Platz selbst herrscht schon so etwas wie Nachsaisonsstimmung.

Vermutlich wird es nach dem Wochenende, an dem in ganz Frankreich, Belgien und in Nordrheinwestfalen die Ferien zu Ende gehen noch um einiges ruhiger.

Ich rolle gemächlich vom Platz, die Rechnung habe ich schon bei der Anmeldung beglichen. Bis zum ersten Stopp ist es gar nicht weit: Gleich rechts vom Strand in St. Quay de Portrieux ist eine Bäckerei mit hervorragenden Teigwaren.

So erstehe ich ein „pain aux raisin“, bei uns landläufig bekannt als Rollkuchen oder Rosinenschnecke und ein „pain au chocolat“, hier Sckocroissant genannt. Beides gereicht zu einem morgendlichen Frühstückshochgenuss,

Zum Verzehr setze ich mich auf eine Bank oberhalb des Strandes, der aufgrund der aktuellen Flut weitaus kleiner ist, als er es vor einer Woche war, als ich an gleicher Stelle saß und aß.

Der Strand ist wenig belebt, es ist ja auch noch relativ früh, immerhin regnet es nicht und die Temperaturen liegen ein angenehmes und gutes Stück über 20 Grad Celsius.

Plage des Godelins

Plage des Godelins

Dann geht’s weiter. In Étables sur Mer biege ich ab und erreiche die Plage du Moulin. Auch dieser Strand ist beinahe menschenleer. Wo vorige Woche sicher noch fast wegen Überfüllung geschlossen werden musste, herrscht jetzt wieder beinah idyllische Ruhe.

Ein paar Fotos und dann weiter zur Plage des Godelins. Hier das selbe Bild wie vorher. Einige Jogger, ein breiter Mann mit einem breiten Hund. La saison morte, die tote Saison, hat bereits begonnen.

 In mir spüre ich etwas wie Wehmut aufkeimen, ja, es ist klar: Der Urlaub, die ganze Saison, der Sommer und die Vorfreude auf all das, sie sind passé. Vorbei und aus.

 Doch der Blick richtet sich wieder nach vorn auf all die Vorhaben, die Dinge und Begegnungen, die jetzt kommen werden, geplant oder auch eben nicht.

 Ich sitze auf der Bank, atme die frische Seeluft ein, schließe die Augen für einen kurzen Moment nur und einen langen, tiefen Gedanken, bei dem mein Herz vor Freude hüpft und ein Lächeln huscht über meine Lippen.

 Also: Auf ! Auf!

 Der Supermarkt in St. Brieuc bietet mir wieder feinste Crevettes, Käse, Brot und noch ein paar Dinge, von denen ich mir gerne noch etwas mitnehmen möchte.

Systemgastronomie

Systemgastronomie

Gegenüber beim großen M checke ich noch mal meine Mails und schreibe noch eine, in der ich mein heutiges Vorhaben erkläre.

 Die Aufnahme mit Superkraftstoff muss ich leider auf eine andere Tankstelle verlegen, weil sich die hiesige nur mittels einer bestimmten Kreditkarte bedienen lässt. Der Kassierer frönt indes seiner sicherlich verdienten Mittagsruhe.

Je weiter ich nach Osten gelange, umso dunkler wird es. Mit dem Überschreiten der Grenze zum Departement „Basse Normandie“ beginnt ein Dauerregen, der mir die nächsten 600 Kilometer das Gefühl geben wird, in einer schier unendlich erscheinenden Autowaschstrasse unterwegs zu sein.

Pluie, Regen, Rain

Pluie, Regen, Rain

Und wohl gemerkt, was da so aus den Wolken fällt ist kein Nieselregen, es ist die volle Breitseite. Manchmal kann man keine 20 Meter weit sehen. Hinzu kommt das aufspritzende Wasser der vorausfahrenden Autos oder noch schlimmer das der LKW.

 In Villers Boccage, kurz vor Caen, muss ich an die Box zum Tanken. Ich entschließe mich, die Autobahn zu verlassen und nach einem Supermarkt nebst angeschlossener Tanke Ausschau zu halten.

 Ich werde sogar relativ schnell fündig. Etwas verwundert bin ich schon, das allerdings weniger über den Literpreis für den Sprit von 1,279 €, sondern eher darüber, dass es hier regenmäßig nur noch tröpfelt.

 Vielleicht war es ja das jetzt mit diesem Dauerwasserfall.

 Schon auf der Beschleunigungsspur beim Einfädeln in den fließenden Verkehr wieder auf die E401 werde ich eines Besseren belehrt: Der nasse Wahnsinn hat kein Ende, sondern einen herzlich brutalen Wiederanfang.

Von den 12 Kilometern um Caen herum, erlebe ich die letzten vier im Stau und somit  im Schritttempo, was auch gut so ist, denn aufgrund des nochmals gesteigerten Wasseraufkommens oder besser – niederkommens pro Quadratmeter, wäre eine schnellere Fahrweise wohl weniger angebracht.

Pont de Normandie

Pont de Normandie

Selbst auf dem Pont de Normandie. der Brücke über ddie Seine Mündung bei Le Havre macht die Wasserschlacht keine weitere Pause.

Es hält sich so dran bis ich dann nach Stunden endlich nördlich von Paris auf die A1 komme, hier hört der Regen gänzlich auf.

In ein paar Stunden, so ziemlich genau um 22.55 Uhr werde ich dann zu Hause sein, durchatmen nach diesem Horrortrip, den Telefonhörer schnappen und genau davon erzählen und davon, dass ich wohl behalten wieder angekommen bin.

Spuren

Spuren

2. Bretonisches Tagebuch – Teil 6 – Roscoff und St. Quay de Portrieux 25.08.2010

Wednesday Morning

Wednesday Morning

Blues ist für mich, wenn es trotzdem irgendwie immer weiter geht. Es ist weiter gegangen. Trotz Regen und heftigem Wind, die mich gestern an den Rand der Verzweiflung trieben.

Eine Vorahnung lässt mich gegen 5:15 Uhr wach werden. Ich schreibe eine SMS und legte sie auf „Halde“ in den Speicher. Um 6:30 Uhr fängt der Regen an, auf das Zeltdach zu trommeln und der Wind beginnt sein Zerren an meinem dünnhäutigen Schneckenhaus. Der erste Tropfen fällt mir in den Rücken, noch kaum wahr genommen und beachtet. Den Zweiten und den Dritten und erst recht die Folgenden nehme ich schon ernster und sehr persönlich und quittiere sie mit einer Zeltflucht ins dichte Auto.

Da sitze ich nun, ich nasser Tropf und grübele über den Fortgang nach. Das Zelt bei dem Wetter abzubauen, ohne eine dicke Erkältung zu riskieren, scheint mir glatt unmöglich.

Kurz nach Elf stockt der ergiebige Regenguss und ich sehe meine Stunde gekommen: Innerhalb von 15 Minuten habe ich das Zelt abgebaut und leider viel zu nass ins Auto verladen müssen.

Noch schnell zum Empfang und bezahlen, den Müll artgerecht entsorgen. Das war’s dann für mich und den Camping „Les Pins“ in Crozon.

In dem Ort selbst ist ein groß angelegter Markt, deshalb sind gleich sämtliche Durchfahrtsstraßen gesperrt. Die Umleitung (Deviation) ist großzügig ausgeschildert.

Mein Ziel ist Roscoff, die alte Korsarenstadt. Wieder in den Norden der Bretagne. Nicht viel Zeit bleibt, aber es wird reichen für eine Stippvisite. Das Wetter bleibt trüb die ganze Fahrt über. Über Roscoff lässt sich dann ab und an wenigstens ein blauer Hoffnungsflecken am Himmel erkennen.

Meine etwas im Keller ruhende Laune, klettert sogleich wieder einige Stufen in Richtung Parterre. Vorbei fahre ich an dem für Touristen ausgewiesenen Parkplatz. Ich habe das Gefühl, dass das Glück mir heute noch etwas schuldig ist und bekomme Recht, das sich zunächst in einem Parkplatz direkt am alten Hafen manifestiert.

Gegenüber befindet sich eine Friterie, an der ich gleich eine mittlere Portion Kartoffelstäbchen ordere, Senf, Mayonnaise und weitere Zutaten sind als Dreingabe im Preis von 2,50€ inbegriffen.

Friterie

Friterie

Die Nahrungsaufnahme steigert meine Laune um einige weitere Stufen, Parterre ist zumindest wieder erreicht, ich greife mir die Kameratasche und begebe mich auf Erkundungstour.

Möwe

Möwe

Es ist Ebbe und so liegen viele Boote im Hafenschlick auf dem Trockenen. Bei meinem Spaziergang mache ich die Bekanntschaft mit einer Möwe, die weder menschen- noch kamerascheu ist. Vielleicht war sie im früheren Leben mal Fotomodel, denn der Vogel wirft sich sichtlich zuvorkommend in Pose. Das Ganze passiert nur eine halbe Armlänge von mir entfernt.

Roscoff Hafen

Roscoff Hafen

Der Abstecher nach Roscoff erweist sich als wahrer Glücksgriff, in einem Laden finde ich den lang gesuchten Lederhut mit breiter Krempe, der auch noch auf meine „grosse tête“, meinen großen Kopf passt.

So schließt dieser anfänglich eingetrübte Tag mit einer Menge farbenfroher Ereignisse, ich beschließe die Nacht wieder in St. Quay de Portrieux zu verbringen. Mein treues Gefährt bringt mich sicher die etwa 100 Kilometer entfernte Strecke weiter und erneut zum Campingplatz „Bellevue“, den ich exakt vor einer Woche verlassen habe, um nach La Chèze aufzubrechen.

Der Platz wirkt im Vergleich zur letzten Woche bereits sehr ausgestorben, und das, obwohl in Frankreich die Sommerferien erst am kommenden Wochenende zu Ende gehen.

Mond

Mond

Außerdem wird es schon spürbar  früher dunkel und der Vollmond schiebt sich durch die treibenden Wolken. Noch ein kleines Telefonat und die Welt ist wieder rund und alles im ruhigen Fluss.

2. Bretonisches Tagebuch – Teil 5 – Crozon 25.08.2010

Café (grande tasse)

Café (grande tasse)

Camping. Für mich immer noch die beste Option auf Reisen Unterschlupf zu finden. Das eigene Schneckenhaus da aufzuschlagen, wo es passt. Und wenn es nicht (mehr) passt, wieder abzubauen. Und weiter geht’s.

Auf manchen Campingplätzen habe ich bisweilen kuriose Dinge erlebt. Es gibt Menschen, die sich vom eigentlichen Zuhause fortbewegen, um genau wieder die Dinge zu tun, die sie dort ebenfalls verrichten würden. Rasenmähen beispielsweise. Oder Trimmen dieses Grüngewächses. Mit dem Zweitrasenmäher bzw. –trimmer. Immer hübsch im Slalom zwischen die aufgestellten Gartenzwerge hindurch.

Letztens wurde mein beschauliches Nomadendasein einen ganzen Nachmittag von intensivem Hämmern begleitet. Da bastelte wohl ein Zeitgenosse im Blaumann an der Perfektionierung des Regenablaufs seines Wohnwagens mit Ziel in die bereitstehende Tonne.

Morgens am Tag darauf, als ich gerade vom Duschen zurückkam, sah ich ihn im Morgenmantel auf einer Trittleiter wieder den Hammer schwingen.

„Du Harry, in welcher Welt leben wir eigentlich?“, höre ich die Stimme von Stefan Derrick sagen. Und fasse mir innerlich an den sich schüttelnden Kopf.

Zehn Tage bin ich jetzt schon wieder unterwegs. Langsam wird es Zeit, den Rückzug zu planen. Immer häufiger greife ich nach der Karte und überlege, wie ich es am besten einrichte, noch etwas Neues zu entdecken in diesem wundervollen Landstrich und mich gleichzeitig wieder einem Punkt zu nähern, von dem ich dann bequem in einer Tour den Heimweg antreten kann.

Crêperie in Crozon

Crêperie in Crozon

Immer noch auf der Halbinsel von Crozon im äußersten Westen der Bretagne. Die „Hauptstadt“ Crozon ist ein hübscher Ort mit zahlreichen kleinen Geschäften und Cafés im Zentrum. Etwas außerhalb findet sich ein riesiger Supermarkt mit allem, was das Konsumentenherz höher schlagen lässt.

Bis zum Badestrand von Morgat sind es schlappe 4 Kilometer. Der Abstecher lohnt auf jeden Fall. Ein breiter Sandstrand erwartet den Sonnenanbeter. Wenn die Sonne dann scheint, am Montag tat sie dies. Heute ist es zunächst einmal regnerisch und grau.

Morgat (Strandcafé)

Morgat (Strandcafé)

Aber das Wetter in der Bretagne ändert sich bekanntlich schnell. Es noch früh, warten wir’s ab.