Smiling For A Reason

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Etwas zaubert an mir herum. Bringt mich auf andere Gedanken und lässt mich anders denken. Anscheinend unmotiviert und ohne jeden Grund huscht ein Lächeln über meine Lippen. Immer wieder. Bemerkt habe ich dies das erste Mal, als ich in dieses Schaufenster blickte mit all den alten Kameras. Ich hob den Kopf um den Preis eines besonders schönen Exemplars zu entziffern. Das Fensterglas spiegelte mein Gesicht und eben dieses unbewusste Lächeln. Das zweite Mal begegnete es mir auf der Autobahn, als ich überlegte zu überholen und in den Rückspiegel blickte. Irgendetwas zaubert an mir herum. Oder irgendwer? Egal. Es fühlt sich gut an und so lasse ich es geschehen. Das Telefon klingelt, ich lasse es klingeln. Das Display zeigt die Nummer eines nervigen Callcenters. Ein paar Emails trudeln ein. Nichts von Belang. Werbung und  der Bescheid, dass es neue Dokumente in meinem Bankpostfach gibt, die ich mir bitte anschauen soll. Tue ich aber nicht. Draußen ist schon mehr als Frühling. Der goldene März macht es sich wärmend gemütlich. Ich muss keine Rösslein einspannen und gönne mir einen gemächlichen Spaziergang entlang der Talsperre. Etwas zaubert an mir herum. Lässt mich neue Töne hören, andere Worte. Ich genieße den harzigen Duft des Waldes, überhole freundlich grüßend ein älteres Pärchen. „Ist das nicht herrlich heute?“, sagt die Frau gerade zu dem Mann. Der nickt und grummelt etwas Unverständliches in seinen grauen Stoppelbart. Und ich habe wieder einen Grund zu lächeln. Denn etwas zaubert an mir herum.

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Sunday Morning

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Es ist das erste Mal dieses Jahr, dass die Sonne mich weckt. Und das am frühen Sonntagmorgen. Durch mein Fenster scheint sie wie sie nur Mitte Mai scheinen kann mir mitten ins Gesicht. Ich wage es nicht, mein Geicht im Kopfkissen zu vergraben. Wenn auch noch reichlich verschlafen, genieße ich den Moment. In unseren Breiten hat sie sich  rar gemacht in letzter Zeit. Die Sonne. Draußen herrschen morgendlich frische Temperaturen um die 4 Grad Celsius. Die Eisheiligen eben. Leichter Bodenfrost war letzte Nacht sicher nicht auszuschließen. Darüber hinaus ist noch Mutter- und Wahltag in unserem Bundesland NRW. Seit ein paar Wochen passiere ich die Wahlplakate der Alles-Anders-und-damit-besser-machen-Wollenden. Die Umsetzung dieser Programmatik wird wohl ebenso zweidimensional und öde verlaufen, wie es die Werbeposter darstellen. Diese Gesichter! Grinsen uns an neben einem mehr oder doch eher weniger aussagekräftigen Slogan.  Vor jeder Wahl frage ich mich, ob man das für derartige Werbekampagnen investierte Geld – Steuergeld wohl gemerkt – nicht besser anlegen könnte. Wer bitte wählt eine Person oder Partei nach der auf Pappkarton aufgezogenen Visage oder Parole? Wie da von Plakatwänden und Laternepfählen auf uns herabgegrinst wird, lässt mich grausen. Natürlich bin ich kein Wahlverweigerer, ich werde wählen gehen, wenn die Kirchgänger das Wahllokal wieder verlassen haben. Soviel Zeit kann sein. Noch vor 18 Uhr werde ich brav meine beiden Kreuze gemacht haben. Das ist irgendwie wie Lottospielen. Da macht man auch seine Kreuze, ein paar mehr zwar, gibt den Zettel ab und hofft, dass man jetzt endlich das Richtige gemacht hat und die rosigen Zeiten quasi direkt vor der Tür stehen. Und wie oft heißt es dann wieder Pustekuchen, war wohl nichts? Die Sonne hat sich gerade auch wieder hinter die grauen Wolken verzogen. Gedanken huschen durch mein Hirn. Worte, die ich in den letzten Tagen und Nächten gelesen, geschrieben, gehört oder gesagt habe, blitzen wieder auf. Meine Augen sind gerichtet auf die kleinen Dinge im Alltag, die genau diesen erträglicher machen, meine Ohren hören einer Stimme zu, die so unbekannt vertraut ist. Und ich wundere mich mal wieder über nichts und alles und freue mich des aktuellen Lebens. Und was Wahl- und Lottoschein mir bescheren…. Ach lassen wir das…

Wheels Within Wheels

Wheels Within Wheels… zur Musik von Rory Gallagher einfach aufs Bild klicken …

 Die Kolonne bewegt sich nur langsam vorwärts an diesem gerade von der Sonne durchfluteten Mittwochmorgen im März. Ich bin auf dem Weg zur Arbeit, doch das rollende Jauchefass vor mir mit dem oben aufgesteckten Deutschlandfähnchen bremst mein Vorwärtskommen erheblich. Auch hier ist nun wieder Gelassenheit gefordert. Die Ruhe bewahren. Wie sonst auch. Alles wird gut. Die letzten drei Worte sage ich halblaut und sehe ein Gesicht über den Rückspiegel huschen. Tag und ´Traum. Traum und Tag. Tagtraum. Niemand außer mir sitzt in diesem Auto. Und dennoch weiß ich, dass noch jemand da ist. In Gedanken. In der Erinnerung. Aber warum heute auf der Rückbank und nicht auf dem Beifahrersitz wie sonst? Über diese Fragestellung muss ich lachen. Im Radio dudelt „Voyage, Voyage“, dieser unselige Falsett- Plastiksong aus den Achtzigern. Auch ich wäre jetzt gerne unterwegs zum Weiter- Weg, zum Strand, zum Meer. Ab ins Urlaubs- Seele-baumeln-lassen- Klischee. Dort einen langen Spaziergang bei Wetter wie diesem plus noch ein paar wohlige Celsiusgrade mehr und bei einer leichten Seebrise die salzige Luft einatmen. Das Gesicht im Rückspiegel nickt zustimmend und vor mir blinken stotternd rote Bremsleuchten auf. Die Kolonne steht. Baustellenampel. Derweil setze ich mein traumhaftes Wandeln durch den fast weißen Sand fort. Möwen kreisen über dem Wasser und stürzen sich auf ihre Beute. In einiger Entfernung schaukeln zwei Fischerboote auf einander zu. Grün. Die Kolonne zieht weiter in dem Duftgemisch aus Abgasen und Gülle. Noch so gerade schaffe ich es, mir die Küchendüfte eines mediterranen Abendessens vorzustellen, was bei der aktuellen Geruchssituation schon eine kleine Meisterleistung ist. Der eben noch scharfkantige, rote Sonnenball ist mittlerweile in diffuses Licht getaucht und ins Orange gewechselt. Auf der Traumseite passiert gerade das Umgekehrte: Als tiefroter Feuerball nähert sich die Sonne allmählich dem Horizont. Es ist, als ob sich zwei Scheiben gegen einander drehen. Oder Räder in Rädern. Naben über Naben. Für einen Moment nur sind sie jeweils deckungsgleich. Der Trecker will nun links abbiegen, der Gegenverkehr verhindert eine schnelle Lösung. Stillstand. Ich blicke zurück auf die Fußspuren im Sand. Es sind vier. Die ewige Brandung nagt bereits an ihnen. Das Gesicht im Spiegel lächelt. Vorne geht es weiter. Und ich? Ich bin immer noch auf meinem Weg.

Don’t Get Me Wrong

Don’t Get Me Wrong

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Die Narbe juckt. Draußen fällt in dicken, weißen Wasserflocken Schnee auf die harsche, eingegraute winterliche Grundierung, die sich seit der letzten Woche beharrlich hält. Also kein Wetterumschwung. Immerhin ist es wärmer geworden. Etwas. Die Temperaturen liegen nur noch mäßig unter dem Gefrierpunkt. Doch so richtig Hoffnung auf Besserung besteht so nicht. Zumindest nicht beim Wetter. Vorgestern war Valentinstag. Die Industrie hat sich alle Mühe gegeben, einen weiteren Tag der Geschenke und damit des Konsums zu etablieren. An einem solchen Tag werden Tausende unschuldiger Blumen von ihrer Existenz abgeschnitten, um für ein paar Tage in überheizten Räumen und schnöden Vasen langsam ihrem Ende entgegen zu welken. Die umsatztriebige Schokoladenbranche schiebt eine kalorienträchtige Sonderschicht zwischen Weihnachten und Ostern. Die Werbung mahnt uns zum Bloßdrandenken oder Bloßnichtvergessen. Geschäft ist und bleibt nun mal Geschäft. Money makes the world go round. Da stirbt eine Whitney Houston – gerade mal 48 Jahre alt. Ein wenn auch in letzter Zeit erblasster Stern am Pophimmel. Und ihre Plattenfirma hat nichts Eiligeres zu tun als bereits 30 Minuten nach Bekanntwerden ihres Ablebens die Preise für den Download ihrer Songs zu erhöhen. Die Todessensation ausnutzen und kräftig daran verdienen. Das ist was zählt. Und nicht ein Gedenken an einen Menschen, den man ehrt. Valentinstag. Der Tag der Liebenden. Sollte nicht jeder Tag ein Tag der Liebenden sein? Dazu braucht man gewiss nicht den Kommerz. Worte, Gesten genügen vollkommen. Love, peace and happiness. Die alten Hippies erhoben dies zum Motto einer ganzen Generation. Wir sollten weiter davon zehren. Dankbar und offen sein für Liebe und Frieden und damit für das Glück. Ja, auch ich weiß: Die Realität sieht anders aus. Und ich bin sicher nicht der erste und auch nicht der letzte Prediger in der dörrenden Wüste des Alltäglichen. Schaut ihn an den Menschen, der euch nah ist. Wobei Nähe nicht eine Frage von Kilometern ist. Begreift und fühlt, was er euch bedeutet. Das ist mit Gold nicht aufzuwiegen und auch nicht mit einem Blumenstrauß oder einem Pralinenherz. Und dieser Mensch wird dich nicht missverstehen, er wird wissen dass du ihm wichtig bist. Also versteh mich nicht falsch.

«Don’t get me wrong,
If I’m acting so distracted;
I’m thinking about the fireworks,
That go off when you smile

When The Lady Smiles

Strand

Strand

Wenn die Chancen, etwas zu erreichen, größer sind als die Angst, gleich oder selbst erst irgendwann später, wieder alles zu verlieren, warum dann noch zögern, diese sich abzeichnenden Möglichkeiten beim Schopf zu packen und sich auf sie einzulassen? Ich lausche in die eiskalte Nacht hinein, um die Ohren an die fremde Geräuschkulisse zu gewöhnen. Ein Auto fährt vorbei. Kurze Zeit später ein Motorrad. Es war ein schöner Abend, der zweite in Folge. Die Musik. Die Menschen. Gespräche. Das Lachen. Das eine unschlagbare Lächeln. Diese drei Worte in einer anderen Sprache, die mein Ohr aufgesogen hat, um sie direkt ins Herz weiter zu leiten. Noch einmal nippe ich an dem Rotwein und hole eine zweite Decke aus dem Alkoven des Wohnmobils. Praktisch, wenn man keine 200 Meter hinter der Konzerthalle steht. Tür auf und man verklappt sich aus der turbulenten Welt hinaus ohne Umschweife in die frostige Einsamkeit der Nacht hinein. Ich hätte es anders haben können, diese Nacht. Doch in meinem Dickkopf ist alles längst so geplant, wie es jetzt auch ist. Ein paar Fußgänger kommen vorbei. Ihren Stimmen nach sind sie noch jung. Mein Blick fällt auf den Wecker. 1:58 Uhr. Die Müdigkeit besiegt allmählich meine Gedanken, die um das Gewesene, das Gesagte und Gehörte kreisen, um dieses einnehmende, offene Lächeln. All das nehme ich mit in meine Träume, die mich so an bisher nicht verwendetem Zusatzmaterial meines Lebens teilhaben lassen. Zu dem real Erlebten mischt sich so mancher geheime, unausgesprochene Wunsch mit der Fantasie des eventuell Möglichen. Ich sehe mich wieder vor Bühnen, aber auch über abgeerntete Stoppelfelder und durch lichte Pinienwälder spazieren, spüre den warmen Dünensand unter den Füßen, sehe in Augen, die in meine blicken. Diese Augen! Wende mich davon ab und werde wieder unhörbar eingefangen von diesem Lächeln. Dann sehe ich mich plötzlich wieder auf der Suche nach meinem ganz persönlichen Heiligen Gral. Ich spüre, dass ich auf dem richtigen Weg dorthin bin. War ich je auf dem falschen? Eine Hand streckt sich mir entgegen und eilig, beinahe hastig, ergreife ich sie. Sie ist warm und weich und ich weiß zu wem sie gehört. Ein leichter und  sanfter, und doch spürbarer Druck ihrerseits haucht mir ein selten erlebtes Glücksgefühl ein. Denn wenn die Lady lächelt, ist das wie ein Ruf, dem man nicht widerstehen kann und auch gar nicht widerstehen will. So wandele ich wie auf Wolken durch diesen Traum und lasse sie mich führen. Und aufwachen möchte ich nun erst wieder, wenn er Wirklichkeit geworden ist.

J’ai demandé à la lune

Full December Moon

Full December Moon

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Ein schwebendes Verfahren ist auf dem Boden der Tatsachen gelandet. Endlich. Und sanft. Und ein Tag ohne, wenn auch nur ein winziges Stück Parmesankäse oder gar ohne Musik ist für mich heute unvorstellbar. Das helle Lachen nach all den Versprechern ist mir noch im Ohr, genauso wie die Arbeit der letzten Wochen mir noch in den Knochen steckt. Dann gibt es noch diese positiv besetzte Unruhe in mir, die mir die Nähe zu etwas Wunderbaren deutlich macht, das ich im Moment weder fassen noch beschreiben kann (und das hat sicherlich nichts mit dem immer näher rückenden Weihnachtskonsumfest zu tun!!). Also lehne ich mich innerlich zurück und harre der Dinge, die da kommen, während ich äußerlich eine Flasche von dem Wein öffne, den ich vor ein paar Tagen in einem Supermarkt entdeckt habe, der mir die Zunge entzückt und gleichermaßen die Seele wärmt. Durch das Gartenfenster reflektiert der letzte Vollmond dieses Jahres das nächtliche Sonnenlicht. Ihn zu fragen, was nun ist oder wie es weitergeht, hat auch nicht viel Sinn. Wahrscheinlich muss wieder einmal alles so sein, wie es jetzt ist und so ist es auch gut, wie es jetzt ist. Längst ist es an der Zeit, die Winterreifen aufzuziehen, aus irgendwelchen Gründen habe ich das immer wieder aufgeschoben. Immerhin habe ich die Birnchen in den Scheinwerfern ausgetauscht, nachdem ich eine morgendliche Schleichfahrt im Halbdunkel absolvieren musste, weil beide Frontlampen Verschleiß konform zur gleichen Zeit ihren Schein- Geist aufgegeben hatten. Am Montag habe ich dann tatsächlich noch den Wagen trocken gefahren. Weil ich ahnte, dass die Spritpreise am düsteren Nachmittag günstiger stehen würden als am grauen Vormittag, hatte ich zuvor sämtliche Tankstellen auf der Hinfahrt zur Arbeit rechts und links liegen lassen.  Recht habe ich behalten mit meiner Ahnung, immerhin habe ich so etwa 2,53 € gespart, die ich allerdings vorher in einen Benzinkanister investieren musste, der 4,99 € kostete. Zusätzlich brauchte ich eine knappe Stunde länger für den Heimweg, da ich ja zu Fuß zuerst zum Autoteilehändler und dann zur Tankstelle marschiert bin. Nein, geärgert habe ich mich nicht, ehrlich gesagt: Ich habe sogar gelacht. Die nette, junge Frau an der Tankstellenkasse hat mir noch grinsend einen Kaffee „ToGo“, was nichts mit einem afrikanischen Staat zu tun hat, mit auf den zirka , 1,8 km langen Rückweg gegeben. Einfach so und für lau. Fand ich nett und den geleerten Pappbecher habe ich brav und vorschriftsmäßig in einem städtischen Abfalleimer entsorgt. Mein Auto hat sich über die fünf Liter Benzin gefreut und ist völlig dankbar über die neue Nahrungsaufnahme auch sofort wieder angesprungen. Und ich bin jetzt stolzer Besitzer eines bisher nur einmal gebrauchten und damit noch so gut wie neuen  Benzinkanisters und so für das nächste Mal gewappnet, wenn mangels adäquatem Treibstoff meine Weiterfahrt ausgebremst wird.  Um die Winterreifen, so habe ich mir geschworen, kümmere ich mich dieses Wochenende. Und um neuen Parmesankäse.

Room To Move

 
Room To Move
Room To Move

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Es war die Zeit, als in den Radios noch Musik gespielt wurde, Musik von den Rolling Stones, den Beatles, den Kinks, den Who, von Jimi Hendrix. Hach, die Liste könnte ich nostalgisch sinnierend unendlich erweitern. Von den einzelnen Musikrichtungen, seien es Beat, Rock, Soul, R’n’B hatte ich damals nicht den leisesten Schimmer. Mir gefiel, was mir gefiel und der Rest war so wie so egal. Es war die Zeit der Unschuld, des Entdeckens, der Geschmacksbildung, der Orientierung. Meine musikalische Vorprägung war nicht allzu rühmlich, bei uns zu Hause lief so gut wie nie Musik, außer vielleicht mal etwas Klassisches, niemand spielte ein Instrument, meine Mutter hatte nach meiner Geburt die aktive Mitgliedschaft im Kirchenchor aufgegeben, mir zu Liebe, wie ich später noch oft zu hören bekam. Mit 13 Jahren hörte ich zum ersten Mal „Sergeant Pepper“ von den Beatles in alten Röhrenradio. In Mono versteht sich. Die Moderatoren überschlugen sich vor Begeisterung und sprachen von einem Meilenstein in der Musikgeschichte. Dem konnte ich erst Jahre später gänzlich beipflichten, als ich diese LP endlich auch in Stereo genießen konnte. Die Stones konterten etwas müde mit „Their Satanic Majesties Request“. Und ich saß weiter vor dem Magischen Auge des Graetz- Radios, dokumentierte akribisch die „Großen Acht“ bei Radio Luxemburg, um sie dann mit den Hitparaden von Hilversum 3 oder BFBS abzugleichen. Für mich war dies die beste Methode, Englisch zu lernen. Ich sog eine riesige Dosis an Musik in mich auf, erkannte die meisten Titel schon an den ersten Takten des Intros. Irgendwann, heute weiß ich, dass es 1969 gewesen sein muss, gelangte etwas an mein Ohr, dass ich in dieser Form noch nie gehört hatte. Die Sprecher im Radio nannten den Interpreten einen „weißen Vater“ des Blues. Es war John Mayall, den ich peripher schon mitbekommen hatte, genau so wie Alexis Korner oder Muddy Waters oder John Lee Hooker. John Mayall hatte gerade das Album „The Turning Point“ herausgebracht. Ohne seine Bluesbreakers. Ohne Schlagzeug. Unplugged, würde man es heute nennen. Ein Titel aus dieser LP lief auch im Radio. „Room To Move“. Ich war fasziniert von dieser Musik. Vor allem der Part mit der „Mouth Percussion“ hatte es mir angetan. „Wenn das Blues ist, so will ich unbedingt mehr davon wissen!“, sagte ich mir. Bei meinen weitläufigen Forschungsreisen in Sachen Blues stieß ich natürlich auf alte Bekannte: Die Stones spielten ihn schon längst, ebenso die Yardbirds, Savoy Brown, Cream, Fleetwood Mac. Später würde man von der britischen Blues Invasion sprechen. Canned Heat trafen sich mit John Lee Hooker im Studio und nahmen die legendäre LP „Hooker ’n Heat“ auf. Und, und, und…Jimi Hendrix, Janis Joplin, Johnny Winter, Rory Gallagher, Ten Years After, Eric Clapton, Paul Butterfield und Unzählige mehr nahmen den Faden auf, der um die Jahrhundertwende im Mississippi- Delta seinen Ursprung hatte. Es waren die weißen Musiker, die mich zur Musik der Schwarzen geführt haben. „The Turning Point“ habe ich übrigens nie als LP besessen. Wohl aber als offizielles Tonband, mit offizieller Hülle. Mittlerweile nenne ich die CD mein eigen. Mein musikalischer Bewegungsraum ist durch dieses Werk erheblich erweitert worden. In der Zwischenzeit sind viele musikalische Stilrichtungen an meine Ohren gekommen. Meine Seele haben sie jedoch nie erreicht. Anders als der Blues. Und daran wird sich auch nichts mehr ändern.