DIA. – Fische können fliegen

DIA

Vor ein paar Tagen hatte ich das große Vergnügen, ein Konzert von DIA. zu erleben. „Erleben“ ist das richtige Wort. Stimme, Gitarren, Kerzenleuchter, Wohnzimmerambiente. Mehr braucht die Songschreiberin nicht, um ihre Lieder den Menschen näher zu bringen. Kein Mikrofon, keine weitere Tonverstärkung. Nichts als ihre wundervolle Stimme und Gitarrenbegleitung. Keine technischen Barrieren. Die Texte erzählen vom Leben, von den Ups and Downs., die jeder kennt. Ihr aktuelles Programm steht unter dem Titel „Fische können fliegen„.

Wer seinen eigenen Weg geht, dem wachsen Flügel“ Dieser Satz aus dem Zen liegt dem Programmmotto zu Grunde. Und DIA. geht eben diesen eigenen Weg. Und wenn du einem ihrer Konzerte lauschst, nimmt sie dich mit. Führt dich an alt bekannte Punkte und Orte deines eigenen Lebens, eröffnet aber auch neue Blickwinkel, aus denen man selbst noch nicht auf die Dinge geblickt hat. Das kann schmerzen oder auch ein Lächeln hervorzaubern. Die Schattierungen dazwischen sind so vielfältig wie das Leben selbst.

Viele Konzerte habe ich in letzter Zeit besucht und wenn ein Konzert am nächsten Tag noch nachhallt, dann muss es etwas Besonderes gewesen sein. Und dieses Konzert hallt nach. Auch Tage später. Versprochen. Wenn man Ohren und Herz offen hält. Es ist nicht leicht, deutsche Liedtexte zu schreiben. Der Schlagerkitsch lauert überall. Aber dieser Gefahr begegnet DIA. mit wohl gesetzten Worten und poetischen Bildern und das fern ab von etwaiger Betroffenheitslyrik.

Wenn ihr erleben wollt, wie Fische das Fliegen erlernen, besucht eines von DIA.’s Konzerten. Und wenn gerade keins in der Nähe stattfindet, ladet sie zu euch nach Hause ein zu einem Wohnzimmerkonzert oder in eueren Laden, euer Geschäft oder zu eurem Grillabend ans Lagerfeuer. Oder …

Euer Leben wird um einiges bunter sein danach.

Mehr Infos auf DIA:’s Webseite….
Hier gehts zu einem Video über DIA. und ihr Tun.

Weitere Fotos vom Konzert in Venn’s Theater, Roetgen.

Blues & Jazz Rallye am 17.07.2010 in Luxemburg

Meena

Meena

Die Welt ist ein Dorf. Sprachengewirr in allen Gassen. So wird die Hauptstadt eines der kleinsten Länder dieser Erde zu einem Mittelpunkt und gleichermaßen zum Symbol. Luxemburg Stadt hat mal wieder zur Blues & Jazz Rallye gerufen und ich bin wieder mittendrin. Teilweise ist kein Durchkommen mehr. Einer aus Großbritannien, einer aus Frankreich, zwei aus Österreich und einer aus Deutschland versuchen von einer Bühne zur anderen zu gelangen. Dies Unterfangen stellt sich als Geduldsprobe und schweißtreibende Schieberei heraus. „Ca, je n’ai jamais vu!”, sagt der Franzose und der Deutsche antwortet: „Moi non plus.“ Und die Österreicherin fügt hinzu: „It’s very intimate here.“ So ist es, gesehen haben wir alle einen derart dichten Menschenauflauf noch nicht und es ist sehr intim. Alle sind auf Tuchfühlung. Im Prinzip ein El Dorado für Taschendiebe. Am guten Ende wird es mir aber dann an nichts Materiellen fehlen.

Diese Stadt, dieses Zusammentreffen von Hunderttausenden von Menschen verschiedenster Herkunft und Sprachen ist Sinnbild für ein friedliches Miteinander. Kulturen und deren Vertreter treffen aufeinander. Und jeder kann davon profitieren und seinen kleinen eigenen Horizont erweitern. Immer wieder und immer wieder aufs Neue. Das Angebot heute ist wieder äußerst vielfältig. So ist die Garantie gegeben, dass man natürlich wieder nicht alles erleben kann. Entscheidungen müssen her.

Meine fällt auf den Auftritt von Deborah Coleman und später Meena jeweils mit Roger Inniss und Denis Palatin. Ein Treffen mit lieben Menschen. Immer wieder kreuzen sich die Wege und die Freude des Wiedersehens ist mehr als herzlich. Deborah spielt sich nach und nach in Bestform. Sie ist in der Lage, Titel für Titel noch Qualität und Emotion nach zu legen. Ihre Stimme und vor allem ihr Gitarrenspiel, lässige Soli, die es vertrackt in sich haben. Es sieht aus, als schüttele sie all das wie nichts locker aus dem Ärmel. Der Spielspaß ist allen Akteuren anzusehen. Auch auf fremden Instrumenten, die man sich für heute Abend zusammen geliehen hat, weil die Eigenen irgendwo zwischen Balkan und Frankfurt hängen geblieben sind. Shit happens.

 

Und dann Meena. Das Energiebündel mit der Wahnsinnsstimme. Und gesegnet mit einem grandiosen Gitarristen, namens Chris Fillmore. Mit ihm arbeitet sie seit 17 Jahren zusammen. Vor dem Gig gibt es noch einige Absprachen mit Denis und Roger. Und los geht’s.

Schon vom ersten Song an lässt Meena keine Zweifel darüber aufkommen, dass sie eine der besten Bluesstimmen des alten Kontinents hat. Anfangs ist vor der Bühne noch Platz, aber viele Menschen, die eigentlich weiter gehen wollen, bleiben fasziniert stehen. „Incroyable“, sagt eine junge Frau hinter mir und starrt wie gebannt auf die junge Lady aus Österreich.

Von oben nach unten: Roger Inniss, Meena, Chris Fillmore

Als Meena «Let Your Sweet Love Shine On Me» gospelmäßig anstimmt, sehe ich neben mir eine verzückt dreinblickende Deborah Coleman.

Auch dieses ist ein wunderbares Konzert, dass gegen 01:30 nach einigen Zugaben sein Ende findet.

Ich sage noch schnell „Servus bye, bye, au revoir“ und mache mich bestens gelaunt auf die etwa zweistündige Heimfahrt durch Luxemburg, Belgien und durch die laue Julinachtauf die etwa zweistündige Heimfahrt durch Luxemburg, Belgien und durch die laue Julinacht.

Pat McManus am 16.11.2009 im Spirit of 66, Verviers (B)

Pat McManus

Pat McManus

Auf dem Weg durchs Hohe Venn Richtung Verviers höre ich quasi als Einstimmung Pat’s CD «Live…and In Time». Mit jedem Kilometer und jedem weiteren Titel steigt meine Vorfreude auf dieses Konzert. 

Patrick Frances McManus ist nicht gerade das, was man einen Frischling auf den Bühnen dieser Welt bezeichnen kann. Er stammt aus einer sehr musikalischen Familie aus Derrylin, County Fermangh, Nordirland. Mit seinen Brüdern John und Tommy spielte er in den frühen Achtzigern in der Band «Mama’s Boys» (nicht zu verwechseln mit der Band gleichen Namens von Johnny Mastro aus den USA). Phil Lynott nahm sie mit auf die Abschiedstournee von Thin Lizzy. 

Heute ist er mit Gordon Sheridan am Bass und Paul Faloon an den Drums unterwegs. Wieder einmal ein klassisches Powertrio also. 

Und dass in diesem Trio Power steckt, spiegelt schon die oben erwähnte CD wieder, sieht man die Drei auf der Bühne, bekommt das Ganze weitere Dimensionen.
Ums vorweg zu sagen: Ein Konzert von Pat McManus ist nichts für Bluespuristen. Wer aber Bluesrock mag, wobei Pat hier auch mal gerne straffere Saiten spielt, die vereinzelt schon leicht hardrockig bis metallisch klingen, ist bei diesem irischen Wirbelwind bestens aufgehoben. 

Das musikalische Menü des heutigen Abends reicht somit von hart-, bluesrockigen, bluesigen bis hin zu besten irisch- folkigen Happen. Alles bestens garniert von entsprechenden Bass- und Schlagzeugfundamenten. Ein weites Spektrum wartet auf den geneigten Zuhörer. 

Pat McManus

Pat McManus

Spielfreude und technische Klasse kann man allen drei Akteuren bescheinigen. Die erste halbe Stunde greift ein Titel in den anderen, man hat eigentlich keine Chance, zu applaudieren. Dann erst meldet sich Pat das erste Mal zu Wort, um die etwa 60-70 Leute im Publikum zu begrüßen. 

Und da ist er, dieser irische Akzent, den ich so gerne höre. Und Irisches schimmert auch immer wieder durch die Titel. «Juggernaut» zum Beispiel steht in bester keltischer Tradition. Pat pflegt hier die Technik des Tappings, und das führt er so perfekt vor, dass einem beim puren Zusehen schon leicht schwindelig wird. Vom Sound her imitiert er hier die Uilleann Pipes, die irische Ausgabe des Dudelsacks. Ähnliches bei «Big Hair». Hören kann man im Prinzip eine zweite Gitarre, die eine Harmonielinie spielt. Das kennt man von Thin Lizzy, Allman Brothers oder auch Lynyrd Skynyrd. Um nur einige zu nennen. Möglich wird das durch ein kleines Effektpedal aus dem Hause Boss, dem Super Shifter. Wirklich beeindruckend. Das spart den zweiten Gitarristen und all die Folgekosten hierfür. 🙂 

Bei «Runaway Dreams», einem alten Titel der Mama’s Boys greift Pat mitten im Titel zur E- Geige und spielt hier die Fortsetzung seines Solo. Und wie! Pat grinst hinter seinem Geigenbogen hervor, ich stehe staunend einen Meter entfernt, rechtzeitig fällt mir noch ein, ein, zwei Fotos zu schießen. 

Pat McManus

Pat McManus

Als Ire hat er selbstverständlich eine besondere Affinität zum unerreichten Gitarrengott der grünen Insel: Rory Gallagher. «I Take What I Want» ist das erste Zeichen in die Richtung. Innerhalb von zwei Wochen höre ich diesen Titel zum dritten Mal live: Julian Sas und Larry Miller hatten ihn ebenfalls auf der Setlist. So groß die Lücke auch sein mag, Rory hinterlässt, umso deutlicher sicht- bzw. hörbar sind seine Spuren. Klar, die meisten Sechssaitenhelden aktueller Prägung verneigen sich immer noch vor Jimi Hendrix, aber immer mehr machen ihre Verehrung für Rory Gallagher deutlich. Gut so, weiter so, mehr davon. 

So richtig deutlich wird das in Pat’s Song «Return Of The G-Man». Textlich sind hier einige Anspielungen auf Gallagher Titel verarbeitet. Dazu beste irische, akustische Gitarrenarbeit im berühmten DADGAD- Tuning. Direkt im Anschluss «Out On The Western Plain», Huddie Leadbetter, aka Leadbelly, hat ihn geschrieben, Rory hat ihn 1975 auf seinem Album «Against The Grain» eingespielt. Pat hatte sich immer gewundert, wie Rory das auf der Gitarre spielt, bis dieser ihm das Geheimnis diseer speziellen Gitarrenstimmung verriet. „So habe ich es dann auch gelernt und kann es euch heute vorspielen.“ Was er dann auch tut. Wäre die Stimme nicht ein wenig anders, man könnte meinen… 

Natürlich weiß der gute Pat auch, wie man einen Blues spielt. «Low Down Dirty Blues» vom neuen Album «2pm» beispielsweise. Oder «Garbage Man» auch wieder à la Rory. Egal, in welches Stilgefilde Mr. McManus sich begibt, er hat das richtige und sichere Händchen dafür. 

Pat McManus

Paul Faloon & Pat McManus

Zugaben gibt es natürlich auch. Und die haben es nochmals in sich: „Manchmal spielen wir den Song, manchmal nicht. Und heute spielen wir ihn. «Black Rose» von Thin Lizzy.“ Wer den Song kennt: Hier perlen diverse irische Melodien durch die Saiten der roten Paul Reed Smith. Auch hier wieder authentische Harmonieläufe. Verblüffend dieser Sound. Thin Lizzy‘ s back in town…. Pat’s Stimme kommt der von Phil Lynott sehr nah. 

Leute, ich gebe es zu: Ich bin fertig mit der Welt. Das hatte ich hier und heute nicht erwartet. 

Aber wenn du denkst, eine Steigerung ist nicht mehr möglich, dann solltest du nicht zu einem Pat McManus Konzert gehen. 

Der wirklich krönende Abschluss resultiert aus einer eher traurigen und tragischen Tatsache: Am 16. November 1994 verstarb Pat’s Bruder Tommy. Also auf den Tag genau vor 15 Jahren. Anlass genug «Free Bird» anzustimmen. 

Es gibt die volle Breitseite. Irgendwie schafft es Pat, alleine das zu spielen, wozu Lynyrd Skynyrd drei Gitarristen brauchen. Jedenfalls kommt es mir so vor. Egal, ob beim Slide- oder Standardspiel. Ich bin hin und auch weg. 

Nach dem Gig stehen wir noch länger zusammen, Pat erzählt von Irland, den Rory Memorials, auf denen er spielt, Drummer Paul und Bassmann Gordon gesellen sich dazu. Alle drei strahlen über jeweils beide Backen. Sie sind hoch zufrieden und begeistert von der Atmosphäre heute Abend im Spirit of 66. 

Und die war außerordentlich gut. Und das an einem Montag! 

„Thanks a million…“, so verabschiedet sioch Pat von mir. Und ich denke, dass ich diese Worte schon einmal gehört habe… 

Fazit: Wer ein Konzert der ganz besonderen Art erleben will, ist bei Pat McManus, der übrigens ein sehr guter Freund von Barry McCabe ist, bestens aufgehoben. Uneingeschränkt empfehlenswert, wenn man nicht gerade zur Blues- Polizei gehört. 

Text und Fotos: © Tony Mentzel 

PS
In meinem Briefkasten lag heute Post aus Nordirland, über die ich mich sehr gefreut habe: 

Pat McManus

Pat McManus - Live...and In Time

Vargas Blues Band am 01.11.2009 im Topos, Leverkusen

 

Javier Vargas
Javier Vargas

Ich habe einige Konzerte besucht in den vergangenen Monaten. So stelle ich mir oft die Frage, was ist denn nun und gerade bei diesem Konzert anders und besonders im Vergleich zu den Vorherigen?

Ist es dieses Mal Javier Vargas’ Gitarrenspiel, Tim Mitchell’s Gesang? Luis Mayo’s Bassspiel, Alvaro Tarquino Chevere’s Percussion. oder dessen Gesang oder ist es Peter Kunst mit seiner Art das Schlagwerk zu bedienen?

Ich denke, dass es wie jedes Mal nicht die Einzelcharaktere ist, sondern die Chemie zwischen den Agierenden. Das Gemisch der Fähigkeiten und Persönlichkeiten.

Ich vermute, über die Virtuosität eines Javier Vargas an der Gitarre brauche ich nicht viele Worte zu verlieren. Sie steht und fällt in keiner Sekunde hinter den Erwartungen zurück. Besonders möchte ich seine Technik erwähnen, zwischen Standard- und Slidespiel zu wechseln. Mir war gar nicht so bewusst, was für ein grandioser Slider Señor Vargas ist. Er beherrscht alle von ihm angeschlagenen Stilarten. Das reicht vom schwärzesten Blues über Bluesrock und Latino bis hin zum Hardrock. Kurz: Ein Meister des Fachs Gitarre. Basta.

Seine Mimik verrät, dass er in seinem Spiel aufgeht. Die Augen hat er meist geschlossen. Javier Vargas wirkt in sich gekehrt, introvertiert und immer auf der Höhe des Geschehens.

Tim Mitchell

Ganz anders Tim Mitchell. Ein wahres Showtalent. Die sprichwörtliche „Rampensau“. Er gestikuliert, mimt, tanzt, schreitet, dreht sich um die eigene Achse, gibt den Clown. Aber alles wirkt so natürlich und leichtfüßig, man bekommt keine Sekunde den Eindruck, hier sei etwas aufgesetzt.

Dazu ist dieser Mann noch mit einer Stimme gesegnet, die es in ihrer Variationsmöglichkeit locker mit der eines Al Jarreau aufnehmen kann. Da ist alles drin, die ganze Bandbreite vom Falsettgesang bis hinunter in die Tiefen eines Barry White. Ob er nun leise oder laut, sanft oder rau singt, er weiß mit seiner Stimme zu spielen. Es macht Spaß, ihm zuzuhören und zuzusehen.

Auf der Setliste stehen Songs wie: «Big Boss Man», «Texas Tango», «Black Cat Boogie», «People Get Ready» oder «Sad Eyes».

Bassisten stehen zu Unrecht oft im Schatten der anderen Akteure auf einer Bühne. Es mag sein, dass dieses ihnen oft angenehm ist, nicht so im Rampenlicht zu stehen. Sie tun brav ihren Job und dienen somit dem Großen und dem Ganzen.

Javier Vargas

Anders heute Abend: Luis Mayo, der Mann aus Argentinien und bisheriger Backgroundsänger, tritt für einige Songs ans Mikrofon. Tim Mitchell hat die Bühne verlassen und ihm damit den Hauptgesangspart überlassen.

«Blues Local» Luis Mayo singt auf Spanisch. Jetzt kommen bei den Songs die Latinoadern durch. Luis singt mit solchem Charme und solcher Inbrunst, dass man schon automatisch nach Tränen stillenden Hilfsmitteln sucht.

Fazit: Ein tolles Konzert mit ebenso toller Bühnenshow, fünf gut aufgelegte Musiker und ein mitgehendes Publikum. Was will man mehr an so einem Konzertabend als gute Unterhaltung. Und die hatten alle, die da waren.

Unbedingt nicht verpassem, wenn in der Nähe….

Vargas Blues Band

Text und Fotos © Tony Mentzel

Julian Sas am 30.10.2009 im Saal Birgit, Viersen

Julian Sas13_resizeFällt der Name Julian Sas, fangen viele an zu schwärmen.  Man muss ihn im Konzert erleben. Eine prima Gelegenheit dazu war letzten Freitag im Saal Birgit in Viersen. Live ist live und da kann die CD- oder DVD- Aufnahme eines Konzerts qualitativ noch so hoch sein, an das eigentliche Live- Erlebnis einer solchen Show reicht dies nicht heran. Der Mann hat eine Bühnenpräsenz wie kaum ein anderer. Er wirkt niemals angestrengt, ist immer Teil seiner Musik, ja geht richtig in dieser auf. Seine Emotionen drückt er hauptsächlich durch sein Gitarrenspiel aus, das einerseits technisch versiert ist, aber auch durch und durch emotional. Dazu noch der Gesang, in den er die ganze Kraft seiner Stimme legt. Da darf’s dann auch mal ein kräftig gebrülltes „Yeah“ abseits vom Mikro sein.

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Julian Sas

Nachdem die Band zuvor einen Keyboarder hatte, spielt sie heute als Power- Trio. Neben Julian Sas sind das: Tenny Tahamata (Bass) und Rob Heyne (Drums). Das Zusammenspiel der Drei ist erstklassig, jeder von ihnen hat genügend Freiräume, die auch genutzt werden. Dies ist der große Vorteil derartiger Formationen. Bass und Schlagzeug haben durchaus ihr Eigenleben, bilden jedoch auch ein auf einander eingespieltes und abgestimmtes Team, das die Basis für Julians gitarristische Höhenflüge bildet. Blues-, Boogie- und Rockriffs wechseln sich ab, genauso wie der Meister die Gitarren wechselt. Les Paul in Sunburst Finish, gefolgt von Stratocaster mit ebenfalls, aber erheblich angekratztem Sunburst Finish und umgedrehtem Hals,  gefolgt von einer Gibson Firebird, gefolgt von einer dunkelroten Gretsch, Solid Body mit Bigsby Tremolo. Das Wechselspiel geht munter hin und her. Egal, welche „Axt“ der Meister da in Händen hält, bei ihm sind sie alle gut aufgehoben. Verstärkt wird das Ganze über einen Marshall- Stack JCM 900 und verfeinert durch eine Anzahl diverser Bodeneffekte, wie den Ibanez Tube- Screamer und ein Vox WahWah- Pedal. Julian spielt einige neue Titel.

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Julian Sas

Dass Julian Sas eine Affinität zu Rory Gallagher hat ist sicher kein Geheimnis. Für viele ist er der legitime Nachfolger des 1995 verstorbenen Iren. Dem kann man durchaus zustimmen, besonders, wenn man Julian’s Version von «I Take What I Want» hört. Doch es ist mehr als eine punktgenaue Replik dieses Titels. Diese Version ist auch eine Verneigung des Künstlers Sas an den Künstler Gallagher.

Und damit ist das musikalische Claim von Julian Sas bestens abgesteckt. Seine eigenen Titel bewegen sich stilistisch irgendwo zwischen Hendrix und Gallagher, immer auf den Punkt gebracht und ohne überflüssige Schnörkel.

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Tenny Tahamata & Julian Sas

Genau das ist es, was Leute wie Julian Sas oder eben Rory Gallagher ausmacht. Sie sind sich selbst treu, authentisch. Das gibt den Fans Planungssicherheit bezüglich ihrer Erwartungen und die Gefahr enttäuscht zu werden ist äußerst gering.

Mein Dank gilt auch der Crew vom Saal Birgit in Viersen, die wieder einmal einen klasse Job gemacht hat. Man darf sich auf weitere Konzerte in dieser Location freuen.

Deborah Coleman am 24.10.2009 in Schmallenberg

Deborah Coleman

Deborah Coleman

 

„Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass ich, zumindest was mich angeht, ein wirkliches Bedürfnis habe, es lebendig und spontan zu halten. Das ist, was mir wichtig ist und ich denke das ist es auch bei den meisten in meinem Publikum.

Diesem in einer Pressemitteilung geäußerten Lippenbekenntnis lässt Deborah Coleman Taten folgen, an diesem Samstagabend im Oktober im sauerländischen Schmallenberg.

Und diese Taten haben es in sich, soviel sei schon verraten, wobei die Mittäter das Ihrige und das zum Besten tun: Roger Inniss am sechssaitigen Bass, Denis Palatin (oft und gerne gesehen als Trommler des Blues Caravan) an den Drums und ein weiterer Gitarrist, dessen Name zwar mehrfach genannt wurde, ich aber im beigeisterten Publikumstumult leider nicht verstehen kann.

Was vom ersten Titel an von der Bühne auf uns Zuhörer niedergeht, ist eine geballte Bandleistung. Klar, Deborah Coleman ist die Frontfrau. Aber die von ihr gewünschte Forderung nach Lebendigkeit und Spontaneität erfüllen ihre drei Mitmusiker bis in die Haarspitzen.

Es findet sich nicht ein Song, der einfach nur herunter gespielt, im 08-15 Gewand daher käme. Dass Musik Gefühle zum Ausdruck bringt, ist hinlänglich bekannt, hier ist es mehr, weitaus mehr, hier ist wahre Leidenschaft im Spiel.

Kaum einer der Titel kommt unter zehn Minuten Spieldauer. Sie sind gespickt mit Spannungsbögen, die immer wieder von neuen Ideen aller Beteiligten gestaltet werden. Die Bass und Rhythmusmaschinerie, genial besetzt durch Roger Inniss und Denis Palatin, beide nach meinem Dafürhalten Weltklassemusiker, die zudem so was von gut aufeinander eingespielt sind, treibt unerbittlich nach vorne. Deborah spielt ihre Soli auf ihrer Telecaster in sich versunken mit geschlossenen Augen. Und das alles sauber auf den Punkt, hier gibt es keinerlei Ausfälle.



Songs wie «I’m A Woman» oder «Them Changes» gehen einem in Mark und Bein, letzteres will dann auch gar nicht mehr still stehen. Der Sound ist optimal, vor der Bühne wird getanzt, das Publikum ist bestens drauf. Was will man mehr?

Doch es gibt diesen Wunsch nach Mehr, der wird öffentlich durch nicht anhaltende Zugaberufe. Lange lassen sich die Vier auch nicht bitten. Sie kommen diesem Wunsch in reichlich bemessener Form nach.

Die musikalische Darbietung ist natürlich modern, doch die Art der Interpretation erinnert mich an Konzerte aus den frühen Siebzigern. Auch hier wurde den Bandmitgliedern genügend Raum und Zeit geboten, ihre Qualitäten solistisch unter Beweis zu stellen. Damals wurde auch improvisiert, was das Zeug hält. So auch heute und bei dieser Band.

Man feuert sich gegenseitig an zu interessanten Läufen und Wendungen, nimmt sich gegenseitig mit auf Tonreisen und -eskapaden, die jedoch niemals im Nirvana verlaufen, sondern auch immer zielsicher wieder zum eigentlichen Song zurückführen.

Diese Darbietung beschert uns, den Zuhörenden und Zuschauenden, eine atmosphärische Dichte von nicht erahntem Ausmaß. Selbst mir, der diese Band erst zuletzt vor einem halben Jahr gesehen hat, bleibt nur enthusiastisches Staunen ob dieser Steigerung zum Konzert vom April.

Fazit: Zumindest muss ich nicht meckern, was die Publikumsgröße angeht. Es tut gut zu sehen, dass Blues auch immer wieder so viele Menschen in seinen Bann ziehen kann. Dafür danke ich den Veranstaltern und auch den Musikern an diesem Abend. Und was Deborah Coleman und ihre Band anbelangt, spreche ich ein „Unbedingtnichtverpassen“ mit Auszeichnung aus.

Text & Fotos © 2009 Tony Mentzel

Joanne Shaw Taylor und Band am 03.10.2009 im Café de Weegbrug, Roermond (NL)

Die Frau hat es einfach drauf und mir gefällt ihre Präsentation von Mal zu Mal besser. Ihre Stimme ist heute noch etwas rauer und rauchiger, was an ihrer leichten Erkältung liegen mag. Über ihre klasse Gitarrenarbeit brauche ich nichts mehr zu sagen, das steht schon an anderer Stelle beschrieben. Heute spielt sie lediglich ihre Fender Telecaster. Der optimale Sound für ihre ohne Schnörkel gespieltem Titel, beispielsweise: «Bones», «Time Has Come». Sogar einen Hendrix Titel hat sie im aktuellen Gepäck: «Manic Depression». Klar, der Knaller ist wieder einmal «Blackest Day» und klar auch, hier mit einem richtigen Ende und nicht diesem Fade- Out wie auf der CD. Live klingt Joanne sowieso besser als das der Silberling einfangen konnte.

Joanne, mach weiter so, du hast das Zeug zu einer ganz Großen. Begleitet wird sie heute von Andy Taylor am Bass und Nick Gibbs am Schlagzeug. Ein Powertrio in bester britischer Bluestradion mit reichlich frischem (Auf)Wind.