Thorbjørn Risager am 04.10.2010 im Spirit of 66, Verviers (B)

Power Trios mag ich sehr. Schon wegen der Transparenz im Sound. Doch schon beim Blick auf die noch musikerlose Bühne des Spirit of 66 fällt durch intensives Zählen und Umrechnen auf, dass wir es am heutigen Montagabend mit 2 1/3 Power Trio zu tun haben werden.

Ein veritables Septett also. So bin ich gespannt auf den Sound, denn sieben Instrumentalisten plus Gesang, die muss man klangtechnisch erst einmal bändigen.

Aber am Mischpult steht wie immer Francis Geron, der Inhaber des Spirit of 66, ein Garant für den besten Klang im Saal. Ums gleich vorweg zu nehmen: Auch eine sieben Mann starke Combo bereitet ihm keinerlei Probleme. Nichts klingt vermatscht. Alle Instrumente sind klar erkennbar.

Die Besetzung der heutigen Band: Thorbjørn Risager – voc, gtr, Emil Balsgaard – keyb, Svein Erik Martinsen – gtr, Kasper Wagner – Sax, Peter Kehl – Trompete, Søren Bøjgaard – Bass und Martin Seidelin – drums.

Gleich der erste Titel «Movin‘ On» ist richtungweisend. Das geht ab, wie die berühmte Katze von Herrn oder Frau Schmitz. Ich stehe vor einer in sich gefestigten Schallmauer, aus der bei gut dosierter Lautstärke feinster Blues an und in meine Ohren klingt.

Für mich ist es die erste persönliche Begegnung mit Thorbjørn Risager und seinen Mannen. Auch hier frage ich mich immer wieder, warum es so lange gedauert hat, diese Band einmal live zu erleben. Doch lieber spät als gar nicht. Heute haben wir zusammengefunden. Und ich spüre schon nach den ersten Akkorden des Openers, dass es wieder einmal gut war, den inneren Schweinehund mit dem Namen „Eigentlich bräuchte ich jetzt Ruhe!“, zu überwinden, mich ins Auto zu setzen und die 40km nach Verviers zu fahren.

Schlagzeuger sitzen meist im Hintergrund einer Bühne und fallen nicht besonders auf, aber eine filigrane Dampfmaschine wie Martin Seidelin ist die treibende Kraft in dieser Formation. Aber neben der Kraft, die Martin auszeichnet, hat er auch ein Feingefühl fürs Timing. Seine Fill- Ins sind bisweilen etwas überraschend, aber immer auf den Punkt.

Weniger auffällig, aber nicht minder präzise und variantenreich zupft Søren Bøjgaard seinen Harmony Bass. Mit den Beiden ist das Fundament geschaffen, auf dem die anderen fünf Musiker ihr Tun aufbauen können.

Ein Bläsersatz gibt einem Bandgefüge immer eine besondere Würze. So auch hier: Ob im rhythmischen Stakkatoeinsatz, in flächiger Untermalung oder im Solospiel, Kasper Wagner und Peter Kehl geben mit Saxofon und Trompete dem Gesamtsoundbild eigene „Kupfer-“ Färbung.

Der Keyboarder Emil Balsgaard, „From the dark side of Copenhagen…“, wie Thorbjørn Risager ihn ankündigt, spielt viel Begleitung und hat ab und zu eine Soloeinlage, die von allerbesten Spiel zeugt.

Lange habe ich keine Band mehr gesehen, die mit gleich zwei Gitarristen aufwartet. Dass dann auch noch beide „Saitenquäler“ sich in nichts nachstehen, ist mehr als lobenswert. Klar, Thorbjørn Risager ist der Chef und hat mit seiner Stimme und mit seinem Gibson ES335 Nachbau jederzeit das Heft in der Hand.

Doch es ist schön zu sehen, wie gitarristische Freiräume entstehen, die neben Thorbjørn auch von dem aus Norwegen stammenden Svein Erik Martinsen, mit seinem sehr gut klingenden Telecasternachbau für das Standardspiel und einer Gibson SG für das Slide- Spiel, genutzt werden.

Die beiden Sechssaitenspieler kommen sich weder soundmäßig noch spielerisch in die Quere – im Gegenteil, sie harmonieren perfekt. und es macht Laune, den Beiden bei ihrem Tun zuzuschauen.

Unerwähnt lassen sollte ich auch nicht das Stimmpotenzial von Thorbjørn Risager, seine kräftige, dunkle, durchsetzungsfähige Stimme passt hervorragend zu seinen Songs. Hier stehen unter anderem auf der Liste: «Burning Up», «Go Down», «Stand Beside Me» oder «Same Old Blues»

Gleich welchen Titel die Band präsentiert: Es groovt bis in die kleinen Zehen.

Das Saal ist gut, aber nicht gerade übermäßig gefüllt, doch alle hier sind gepackt von der Musik und von einer Band, die ihr Handwerk versteht.

Fazit: Wieder einmal ein Act, den man unbedingt nicht verpassen sollte. Gelegenheit dazu wird es reichlich geben, den Thorbjørn Risager und seine Truppe haben sich vorgenommen, demnächst auch vermehrt in der Bundesdeutschenrepublik zu spielen. Nix wie hin in die Konzerte!

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Danny Bryant’s Redeye Band am 15.09.2010 im Spirit Of 66, Verviers (B)

Danny  Bryant

Danny Bryant

 Da ist er wieder. Vom ersten Akkord ohne Schnörkel, ohne Kompromisse, direkt auf die berühmte Zwölf.

Ich versuche erst gar nicht zu zählen, wie viele Male ich Danny Bryant und sein Familienunternehmen schon live erleben durfte.

In keinem dieser Konzerte gab es auch nur den geringsten Anlass, über irgendetwas zu meckern. Und so ist es dann auch heute.

Danny ist Danny und Danny bleibt Danny und damit sich treu. Alle Songs, auch die schon etwas Betagteren, klingen frisch und kommen voller Emotion von der Bühne. Für mich der absolute Hammer an diesem Abend ist Danny’s Version von Peter Green’s «Love That Burns». Das schmeichelt sich direkt unter die Gänsehaut und explodiert mitten im mitfühlenden Herz. Volltreffer.

Danny lässt seine «Fret-King Guitar» brüllen, kreischen, heulen und im nächsten Moment wieder fast verstummen, der Song bekommt so seine ganz eigene aufwühlende Farbe und eine immer wieder überraschende Dynamik. Selbst Danny’s Mutter Heather, die das Management innehat, ist vollkommen überrascht: „Ich wusste gar nicht, dass er den Titel spielt.“ Doch Danny tut das mit einer natürlichen, unangestrengten Selbstverständlichkeit und Inbrunst, authentischer kann man einen Song wie diesen nicht interpretieren. Hut ab.

Ähnlich stark kommt der Titelsong der aktuellen CD «Just As I Am» an meine Ohren. Sehr schöne Soloeinlagen teils à la Robin Trower, einem von Mr. Bryant‘s dedizierten ganz großen Vorbildern. Wiederum ganz großes Blueskino.

Weiter hören wir u.a. «Good Time Woman», «Girl From The North Country», «Always With Me» und «Master Of Desaster».

Es ist der Beginn einer kleinen Tour über das europäische Festland. Dass Danny gleich am ersten Konzertabend alle Torpedos zu einem breit gefächerten Klangfeuerwerk aller erster Güte zündet und keinerlei Zweifel über seine Musikalität und sein Können aufkommen lässt, ist bemerkenswert.

Danny BryantDanny Bryant - Trevor BarrTrevor Barr - Ken Bryant

Eine nicht gerade unwichtige Arbeit leisten natürlich seine beiden Mitstreiter: Papa Ken am Bass und Trevor Barr an den Drums. Nach all den Jahren ist das Bandgefüge eine in sich gefestigte und geschlossene Einheit, wie man sie heutzutage leider nicht mehr allzu oft findet.

Auf diese Musiker lässt sich bauen. Und genau das tut Danny dann auch wieder. Gute zwei Stunden versorgt er die etwa (leider nur) 60 Anwesenden mit seiner Musik. Meistens wird ja seine Gitarrenarbeit immer im Vordergrund gesehen. Darum möchte ich auch seine Stimmgewalt nicht unerwähnt lassen. Tonsicher und variabel ist sie und kräftig, so kräftig, dass einmal bequem vom Bühnenrand auch ohne Mikrofon ins Publikum singt. Die Stimme ist auch so vier bis fünf Meter von der Bühne entfernt bestens zu verstehen.

Und am Schluss hat er uns alle in der Tasche, wir, das Publikum fordern mehr und bekommen mehr. Es ist Zugabenzeit. Hier spielt Danny zwei Coverversionen: Bob Dylan’s: «Knocking On Heaven’s Door» und Jimi Hendrix’ «Voodoo Chile», in das er überraschenderweise ein Zitat aus «Somewhere Over The Rainbow» einbaut. Nochmals Gänsehaut pur.

Fazit: Für 12 Euro Eintritt gibt es die volle Breitseite an modernem, britischen Blues. Danny Bryant ist mit seiner Band ziemlich lange auf Tour. Check it out. Es ist sicher kein Fehler, eines dieser Konzerte zu besuchen.
Darum meine uneingeschränkte Empfehlung: Unbedingt nicht verpassen.

Charlie Fabert & Paul Cox am 09.09.2010 im Spirit of 66 in Verviers (B)

Charlie Fabert

Charlie Fabert

Auf meiner Liste der Bluesgitarristen, die ich mir unbedingt einmal live anschauen will, steht er schon lange. Charlie Fabert, 1988 in Vitry-le-François, einem kleinen Ort in Ostfrankreich geboren, ist einer der besten jungen, aufstrebenden Vertreter des Genres, die unser Nachbarland zu bieten hat.

Fred Chapellier, mittlerweile auch als Gitarrist über die Grenzen Frankreichs bekannt, hat vor Jahren schon Charlie unter seine Fittiche genommen.

Da steht er nun auf der Bühne des Spirit of 66 mit seiner Band und spielt den Blues. Und das tut er schlicht gesagt einfach großartig.

Schon nach den ersten Takten geht mir das musikalische Herz auf und ich bin froh, dass sich mich an diesem Abend noch aufgerafft habe, hierher nach Verviers zu kommen.

Albert King’s «I’ll Play The Blues For You» ist auch heute Abend das große Motto. Und Charlie Fabert hat mit seinen noch 21 Jahren genau diesen Blues in den Adern und in den Fingerspitzen, um eben diesem Titel gerecht zu werden wie auch beispielsweise Jimmy Reed’s «Baby What You Want Me to Do».

Was da aus den sechs Saiten seiner Stratocaster schwingt, ist schon gehobene Klasse. Sicherlich ist da noch genügend Spielraum nach oben, doch wenn er so weiter macht und ein Konzert nach dem anderen spielt, hat er das Zeug zu einem der ganz Großen nicht nur Frankreichs zu werden.

Dazu ist der schlaksige Monsieur Fabert mit einer Stimme gesegnet, deren Reife man einem Mann Anfang Zwanzig nicht sofort zuordnen würde. Sie ist fest, variantenreich, eindringlich und immer auf der (Ton)Höhe des Geschehens.

Am meisten beeindruckt er mich stimmlich wie gitarristisch mit seinem eigenen Song «Something Special». Der Song fängt als Ballade an, mausert sich zu einem Blues allererster Güte und endet in einem Gitarrensolo, in dem Charlie die Freiräume ausnutzt, die die von ihm selbst gesetzten Harmonien zulassen. Ganz großes Blueskino!

Apropos Kino (oder eher Heimkino): Eine Konzert DVD ist in Arbeit und steht kurz vor der Veröffentlichung. Hierauf darf man gespannt sein. Genauso wie auf Charlie’s erste CD, die produktionsmäßig gerade im letzten Stadium ist. Dazu muss noch ein Vertrieb gefunden werden.

Aber Charlie ist optimistisch, dass das Oeuvre noch dieses Jahr auf den Markt kommt.
Charlie erzählt mir später nach dem Gig, dass er etwa mit 14 Jahren mit dem Gitarrenspiel angefangen hat. Früh übt sich…

Seine Band besteht aus: Philippe Dandrimont – Bass, Pierre-Alain Delaunoy – Drums und Vartan Fau– Organ & Piano.

Das Zusammenspiel dieser Formation ist tadellos, jeder in der Band hat und kennt seine Aufgaben. Der Spielspaß ist vom ersten Titel deutlich spürbar. Tolle Band, tolle Einzelleistungen und ein tolles Repertoire, das aus einer Mischung von selbst geschriebenen und Standardmaterial besteht.

Nach der Pause räumt Charlie das Mikrofon des Leadsängers und überlässt es dem stimmgewaltigen Briten Paul Cox.

Zugegebenermaßen ist Mr. Cox für mich kein beschriebenes Blatt. Er kann allerdings schon auf eine Reihe eigener Musikveröffentlichungen zurückblicken. Er sammelte erste Erfahrungen im Musikgeschäft Anfang der achtziger Jahre, nahm eine Platte auf der John Slaughter Band, Es folgten einige Soloprojekte.

Paul Cox verfügt über eine großartige Stimme, die der Charlie’s um einiges voraus ist; vor allem ist es ihre Reife, mit der sie hier punkten kann.

Bei den beiden ersten Titeln grübele ich noch, an wen mich sein Timbre erinnert. Doch dann bin ich mir schnell mit mir selbst einig: Paul’s Stimme erinnert mich an die von Frankie Miller.

Und genau der Eindruck wird später bestätigt, als Paul Frankie’s Song «Be Good To Yourself» präsentiert.

Weitere Titel sind «Weekend Bluesman», «Everybody Needs Somebody To Love» oder «Paper Thin».

Alles in allem ist auch der zweite Part des Konzerts eine gelungene Sache.

Als letzte Zugabe spielen Charlie Fabert und seine Band allerdings dann wieder ohne Mr. Cox den Song «Caledonia» und entzünden damit erneut ein musikalisches Feuerwerk, das in mir noch während der Heimfahrt nachhallt.

Fazit: Charlie Fabert ist auf dem besten Weg ein ganz Großer in Sachen Bluesgitarre zu werden. Ich werde seinen Weg weiter beobachten und freue mich schon jetzt auf die nächste Begegnung.
Also wenn in der Nähe unbedingt nicht verpassen.

Pat McManus am 16.11.2009 im Spirit of 66, Verviers (B)

Pat McManus

Pat McManus

Auf dem Weg durchs Hohe Venn Richtung Verviers höre ich quasi als Einstimmung Pat’s CD «Live…and In Time». Mit jedem Kilometer und jedem weiteren Titel steigt meine Vorfreude auf dieses Konzert. 

Patrick Frances McManus ist nicht gerade das, was man einen Frischling auf den Bühnen dieser Welt bezeichnen kann. Er stammt aus einer sehr musikalischen Familie aus Derrylin, County Fermangh, Nordirland. Mit seinen Brüdern John und Tommy spielte er in den frühen Achtzigern in der Band «Mama’s Boys» (nicht zu verwechseln mit der Band gleichen Namens von Johnny Mastro aus den USA). Phil Lynott nahm sie mit auf die Abschiedstournee von Thin Lizzy. 

Heute ist er mit Gordon Sheridan am Bass und Paul Faloon an den Drums unterwegs. Wieder einmal ein klassisches Powertrio also. 

Und dass in diesem Trio Power steckt, spiegelt schon die oben erwähnte CD wieder, sieht man die Drei auf der Bühne, bekommt das Ganze weitere Dimensionen.
Ums vorweg zu sagen: Ein Konzert von Pat McManus ist nichts für Bluespuristen. Wer aber Bluesrock mag, wobei Pat hier auch mal gerne straffere Saiten spielt, die vereinzelt schon leicht hardrockig bis metallisch klingen, ist bei diesem irischen Wirbelwind bestens aufgehoben. 

Das musikalische Menü des heutigen Abends reicht somit von hart-, bluesrockigen, bluesigen bis hin zu besten irisch- folkigen Happen. Alles bestens garniert von entsprechenden Bass- und Schlagzeugfundamenten. Ein weites Spektrum wartet auf den geneigten Zuhörer. 

Pat McManus

Pat McManus

Spielfreude und technische Klasse kann man allen drei Akteuren bescheinigen. Die erste halbe Stunde greift ein Titel in den anderen, man hat eigentlich keine Chance, zu applaudieren. Dann erst meldet sich Pat das erste Mal zu Wort, um die etwa 60-70 Leute im Publikum zu begrüßen. 

Und da ist er, dieser irische Akzent, den ich so gerne höre. Und Irisches schimmert auch immer wieder durch die Titel. «Juggernaut» zum Beispiel steht in bester keltischer Tradition. Pat pflegt hier die Technik des Tappings, und das führt er so perfekt vor, dass einem beim puren Zusehen schon leicht schwindelig wird. Vom Sound her imitiert er hier die Uilleann Pipes, die irische Ausgabe des Dudelsacks. Ähnliches bei «Big Hair». Hören kann man im Prinzip eine zweite Gitarre, die eine Harmonielinie spielt. Das kennt man von Thin Lizzy, Allman Brothers oder auch Lynyrd Skynyrd. Um nur einige zu nennen. Möglich wird das durch ein kleines Effektpedal aus dem Hause Boss, dem Super Shifter. Wirklich beeindruckend. Das spart den zweiten Gitarristen und all die Folgekosten hierfür. 🙂 

Bei «Runaway Dreams», einem alten Titel der Mama’s Boys greift Pat mitten im Titel zur E- Geige und spielt hier die Fortsetzung seines Solo. Und wie! Pat grinst hinter seinem Geigenbogen hervor, ich stehe staunend einen Meter entfernt, rechtzeitig fällt mir noch ein, ein, zwei Fotos zu schießen. 

Pat McManus

Pat McManus

Als Ire hat er selbstverständlich eine besondere Affinität zum unerreichten Gitarrengott der grünen Insel: Rory Gallagher. «I Take What I Want» ist das erste Zeichen in die Richtung. Innerhalb von zwei Wochen höre ich diesen Titel zum dritten Mal live: Julian Sas und Larry Miller hatten ihn ebenfalls auf der Setlist. So groß die Lücke auch sein mag, Rory hinterlässt, umso deutlicher sicht- bzw. hörbar sind seine Spuren. Klar, die meisten Sechssaitenhelden aktueller Prägung verneigen sich immer noch vor Jimi Hendrix, aber immer mehr machen ihre Verehrung für Rory Gallagher deutlich. Gut so, weiter so, mehr davon. 

So richtig deutlich wird das in Pat’s Song «Return Of The G-Man». Textlich sind hier einige Anspielungen auf Gallagher Titel verarbeitet. Dazu beste irische, akustische Gitarrenarbeit im berühmten DADGAD- Tuning. Direkt im Anschluss «Out On The Western Plain», Huddie Leadbetter, aka Leadbelly, hat ihn geschrieben, Rory hat ihn 1975 auf seinem Album «Against The Grain» eingespielt. Pat hatte sich immer gewundert, wie Rory das auf der Gitarre spielt, bis dieser ihm das Geheimnis diseer speziellen Gitarrenstimmung verriet. „So habe ich es dann auch gelernt und kann es euch heute vorspielen.“ Was er dann auch tut. Wäre die Stimme nicht ein wenig anders, man könnte meinen… 

Natürlich weiß der gute Pat auch, wie man einen Blues spielt. «Low Down Dirty Blues» vom neuen Album «2pm» beispielsweise. Oder «Garbage Man» auch wieder à la Rory. Egal, in welches Stilgefilde Mr. McManus sich begibt, er hat das richtige und sichere Händchen dafür. 

Pat McManus

Paul Faloon & Pat McManus

Zugaben gibt es natürlich auch. Und die haben es nochmals in sich: „Manchmal spielen wir den Song, manchmal nicht. Und heute spielen wir ihn. «Black Rose» von Thin Lizzy.“ Wer den Song kennt: Hier perlen diverse irische Melodien durch die Saiten der roten Paul Reed Smith. Auch hier wieder authentische Harmonieläufe. Verblüffend dieser Sound. Thin Lizzy‘ s back in town…. Pat’s Stimme kommt der von Phil Lynott sehr nah. 

Leute, ich gebe es zu: Ich bin fertig mit der Welt. Das hatte ich hier und heute nicht erwartet. 

Aber wenn du denkst, eine Steigerung ist nicht mehr möglich, dann solltest du nicht zu einem Pat McManus Konzert gehen. 

Der wirklich krönende Abschluss resultiert aus einer eher traurigen und tragischen Tatsache: Am 16. November 1994 verstarb Pat’s Bruder Tommy. Also auf den Tag genau vor 15 Jahren. Anlass genug «Free Bird» anzustimmen. 

Es gibt die volle Breitseite. Irgendwie schafft es Pat, alleine das zu spielen, wozu Lynyrd Skynyrd drei Gitarristen brauchen. Jedenfalls kommt es mir so vor. Egal, ob beim Slide- oder Standardspiel. Ich bin hin und auch weg. 

Nach dem Gig stehen wir noch länger zusammen, Pat erzählt von Irland, den Rory Memorials, auf denen er spielt, Drummer Paul und Bassmann Gordon gesellen sich dazu. Alle drei strahlen über jeweils beide Backen. Sie sind hoch zufrieden und begeistert von der Atmosphäre heute Abend im Spirit of 66. 

Und die war außerordentlich gut. Und das an einem Montag! 

„Thanks a million…“, so verabschiedet sioch Pat von mir. Und ich denke, dass ich diese Worte schon einmal gehört habe… 

Fazit: Wer ein Konzert der ganz besonderen Art erleben will, ist bei Pat McManus, der übrigens ein sehr guter Freund von Barry McCabe ist, bestens aufgehoben. Uneingeschränkt empfehlenswert, wenn man nicht gerade zur Blues- Polizei gehört. 

Text und Fotos: © Tony Mentzel 

PS
In meinem Briefkasten lag heute Post aus Nordirland, über die ich mich sehr gefreut habe: 

Pat McManus

Pat McManus - Live...and In Time