Smiling For A Reason

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Etwas zaubert an mir herum. Bringt mich auf andere Gedanken und lässt mich anders denken. Anscheinend unmotiviert und ohne jeden Grund huscht ein Lächeln über meine Lippen. Immer wieder. Bemerkt habe ich dies das erste Mal, als ich in dieses Schaufenster blickte mit all den alten Kameras. Ich hob den Kopf um den Preis eines besonders schönen Exemplars zu entziffern. Das Fensterglas spiegelte mein Gesicht und eben dieses unbewusste Lächeln. Das zweite Mal begegnete es mir auf der Autobahn, als ich überlegte zu überholen und in den Rückspiegel blickte. Irgendetwas zaubert an mir herum. Oder irgendwer? Egal. Es fühlt sich gut an und so lasse ich es geschehen. Das Telefon klingelt, ich lasse es klingeln. Das Display zeigt die Nummer eines nervigen Callcenters. Ein paar Emails trudeln ein. Nichts von Belang. Werbung und  der Bescheid, dass es neue Dokumente in meinem Bankpostfach gibt, die ich mir bitte anschauen soll. Tue ich aber nicht. Draußen ist schon mehr als Frühling. Der goldene März macht es sich wärmend gemütlich. Ich muss keine Rösslein einspannen und gönne mir einen gemächlichen Spaziergang entlang der Talsperre. Etwas zaubert an mir herum. Lässt mich neue Töne hören, andere Worte. Ich genieße den harzigen Duft des Waldes, überhole freundlich grüßend ein älteres Pärchen. „Ist das nicht herrlich heute?“, sagt die Frau gerade zu dem Mann. Der nickt und grummelt etwas Unverständliches in seinen grauen Stoppelbart. Und ich habe wieder einen Grund zu lächeln. Denn etwas zaubert an mir herum.

River of Time

… and the river of time rolls on taking memories away of things that used to be …

Who Knows Where The Time Goes

Who Knows Where The Time Goes

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2012 was a moving year. It moved me from here to there and back again. Through fire and rain, through joy, love and pain. Through lessons I’ll never learn. It led me to crossroads and I chose my way, my own special way. I saw dancers, musicians, all kinds of artists who enriched my life. Music was ringing through the air. I found without searching and I lost without knowing. Spring was promising, summer was hot, autumn was chilling and winter came silently. I saw shining colours and every shade of grey from the brightest white to the darkest black. And still I am on my way and I am thankful for all the people who still accompany me. Among them friends I have never met in person. Being close to somebody is not a question of miles or kilometers. I know. So cheers to all of you. May the road rise up to meet you all next year. Just let’s take the challenge and make it a lucky one!

Summertime

Summertime… zur Musik von Ella Fitzgerald einfach aufs Bild klicken …

Nun, die Zeit verrinnt, doch sie ist gefüllt mit Neuem, Umwerfendem, Nie- Gedachten. So die Einsicht, dass oft die Fantasie nicht ausreicht und die Realität einfach schneller und klarer ist. Nie Geträumtes wird auf einmal wahr und ist immer noch nicht zu begreifen. Die Sonne scheint in jeden Winkel meiner Seele, doch so werden dann eben auch die Schatten sichtbar. Alles hat seinen Preis. Jede Medaille, so hoch sie einen dekorieren mag, hat ihre zwei Seiten. Aber man kann ja einfach die beliebtere Seite nach außen tragen. Und so ist das Leben dann wieder schön und einfach und fühlt sich natürlich an. Für Glück gibt es keine Vorschrift bezüglich von Angaben des Verfallsdatums. Nirgendwo prangt ein Etikett: „Mindestens haltbar bis…“ So könnte man sich einfacher auf den erneuten Verlust einstellen. Aber muss es überhaupt verfallen? Ja, ich weiß, Glück setzt sich aus einzelnen Momenten zusammen, wie eine Linie  aus einer Unzahl von einzelnen Punkten gebildet wird. Und trotzdem ist Glück nichts Lineares. Es unterliegt einer nicht zu berechnenden Kurve. Und das ist auch gut so. Ich möchte wie jetzt einfach in den italienischen Tag hineinleben. Offen sein für das, was sich hier und jetzt bietet. Es ist Stoff genug, um eine Menge wunderbarer Erinnerungen zu schaffen für die Zeit, die noch bleibt. Später dann. Wo auch immer. Mit wem auch immer. So wie jetzt mit dem Blick zurück. 33 Jahre alte Parallelen wachen auf. In dieser Erinnerung lebt immer noch ein unvergleichlicher, heißer Sommer voller Träume und Lebensgier. Und hier und jetzt ist der Sommer wieder so heiß und Träume gibt es reichlich und die Lebensgier ist ungesättigt. Ja, ich nehme mir diesen Tag und die nächsten beiden an diesem Ort. Dann wird es wieder anders und auch das wird seinen Reiz haben. Es lebe die Leichtigkeit dieser Sommertage im Mezzogiorno für das Nun. Und für das Dann wird sie immer einen Platz in meinem Herzen haben.

Sunday Morning

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Es ist das erste Mal dieses Jahr, dass die Sonne mich weckt. Und das am frühen Sonntagmorgen. Durch mein Fenster scheint sie wie sie nur Mitte Mai scheinen kann mir mitten ins Gesicht. Ich wage es nicht, mein Geicht im Kopfkissen zu vergraben. Wenn auch noch reichlich verschlafen, genieße ich den Moment. In unseren Breiten hat sie sich  rar gemacht in letzter Zeit. Die Sonne. Draußen herrschen morgendlich frische Temperaturen um die 4 Grad Celsius. Die Eisheiligen eben. Leichter Bodenfrost war letzte Nacht sicher nicht auszuschließen. Darüber hinaus ist noch Mutter- und Wahltag in unserem Bundesland NRW. Seit ein paar Wochen passiere ich die Wahlplakate der Alles-Anders-und-damit-besser-machen-Wollenden. Die Umsetzung dieser Programmatik wird wohl ebenso zweidimensional und öde verlaufen, wie es die Werbeposter darstellen. Diese Gesichter! Grinsen uns an neben einem mehr oder doch eher weniger aussagekräftigen Slogan.  Vor jeder Wahl frage ich mich, ob man das für derartige Werbekampagnen investierte Geld – Steuergeld wohl gemerkt – nicht besser anlegen könnte. Wer bitte wählt eine Person oder Partei nach der auf Pappkarton aufgezogenen Visage oder Parole? Wie da von Plakatwänden und Laternepfählen auf uns herabgegrinst wird, lässt mich grausen. Natürlich bin ich kein Wahlverweigerer, ich werde wählen gehen, wenn die Kirchgänger das Wahllokal wieder verlassen haben. Soviel Zeit kann sein. Noch vor 18 Uhr werde ich brav meine beiden Kreuze gemacht haben. Das ist irgendwie wie Lottospielen. Da macht man auch seine Kreuze, ein paar mehr zwar, gibt den Zettel ab und hofft, dass man jetzt endlich das Richtige gemacht hat und die rosigen Zeiten quasi direkt vor der Tür stehen. Und wie oft heißt es dann wieder Pustekuchen, war wohl nichts? Die Sonne hat sich gerade auch wieder hinter die grauen Wolken verzogen. Gedanken huschen durch mein Hirn. Worte, die ich in den letzten Tagen und Nächten gelesen, geschrieben, gehört oder gesagt habe, blitzen wieder auf. Meine Augen sind gerichtet auf die kleinen Dinge im Alltag, die genau diesen erträglicher machen, meine Ohren hören einer Stimme zu, die so unbekannt vertraut ist. Und ich wundere mich mal wieder über nichts und alles und freue mich des aktuellen Lebens. Und was Wahl- und Lottoschein mir bescheren…. Ach lassen wir das…

Wheels Within Wheels

Wheels Within Wheels… zur Musik von Rory Gallagher einfach aufs Bild klicken …

 Die Kolonne bewegt sich nur langsam vorwärts an diesem gerade von der Sonne durchfluteten Mittwochmorgen im März. Ich bin auf dem Weg zur Arbeit, doch das rollende Jauchefass vor mir mit dem oben aufgesteckten Deutschlandfähnchen bremst mein Vorwärtskommen erheblich. Auch hier ist nun wieder Gelassenheit gefordert. Die Ruhe bewahren. Wie sonst auch. Alles wird gut. Die letzten drei Worte sage ich halblaut und sehe ein Gesicht über den Rückspiegel huschen. Tag und ´Traum. Traum und Tag. Tagtraum. Niemand außer mir sitzt in diesem Auto. Und dennoch weiß ich, dass noch jemand da ist. In Gedanken. In der Erinnerung. Aber warum heute auf der Rückbank und nicht auf dem Beifahrersitz wie sonst? Über diese Fragestellung muss ich lachen. Im Radio dudelt „Voyage, Voyage“, dieser unselige Falsett- Plastiksong aus den Achtzigern. Auch ich wäre jetzt gerne unterwegs zum Weiter- Weg, zum Strand, zum Meer. Ab ins Urlaubs- Seele-baumeln-lassen- Klischee. Dort einen langen Spaziergang bei Wetter wie diesem plus noch ein paar wohlige Celsiusgrade mehr und bei einer leichten Seebrise die salzige Luft einatmen. Das Gesicht im Rückspiegel nickt zustimmend und vor mir blinken stotternd rote Bremsleuchten auf. Die Kolonne steht. Baustellenampel. Derweil setze ich mein traumhaftes Wandeln durch den fast weißen Sand fort. Möwen kreisen über dem Wasser und stürzen sich auf ihre Beute. In einiger Entfernung schaukeln zwei Fischerboote auf einander zu. Grün. Die Kolonne zieht weiter in dem Duftgemisch aus Abgasen und Gülle. Noch so gerade schaffe ich es, mir die Küchendüfte eines mediterranen Abendessens vorzustellen, was bei der aktuellen Geruchssituation schon eine kleine Meisterleistung ist. Der eben noch scharfkantige, rote Sonnenball ist mittlerweile in diffuses Licht getaucht und ins Orange gewechselt. Auf der Traumseite passiert gerade das Umgekehrte: Als tiefroter Feuerball nähert sich die Sonne allmählich dem Horizont. Es ist, als ob sich zwei Scheiben gegen einander drehen. Oder Räder in Rädern. Naben über Naben. Für einen Moment nur sind sie jeweils deckungsgleich. Der Trecker will nun links abbiegen, der Gegenverkehr verhindert eine schnelle Lösung. Stillstand. Ich blicke zurück auf die Fußspuren im Sand. Es sind vier. Die ewige Brandung nagt bereits an ihnen. Das Gesicht im Spiegel lächelt. Vorne geht es weiter. Und ich? Ich bin immer noch auf meinem Weg.

Peaceful Easy Feeling

Peaceful Easy Feeling

Es gibt es schon die Worte, alles das zu sagen, was mich im Moment bewegt. Und ich weiß, dass ich auch verstanden werde. Auf den Zeilen und dazwischen. Aber warum immer wieder das Rad der Weisheit neu erfinden wollen? Vor einiger Zeit stieß ich auf die unten stehenden Worte des großen Mahatma Gandhi. Also bleibe ich heute faul, gebe mir frei und das Suchen nach passenden eigenen Worten auf und überlasse ihm das Feld. Anders könnte ich es sagen, aber eben nicht besser. So einfach. So konzentriert. So treffend.

Gandhi’s Prayer for Peace

I offer you peace.
I offer you love.
I offer you friendship.
I see your beauty.
I hear your need.
I feel your feelings.
My wisdom flows from the highest source.
I salute that source in you.
Let us work together.
For unity and peace.

Mahatma Gandhi

When The Lady Smiles

Strand

Strand

Wenn die Chancen, etwas zu erreichen, größer sind als die Angst, gleich oder selbst erst irgendwann später, wieder alles zu verlieren, warum dann noch zögern, diese sich abzeichnenden Möglichkeiten beim Schopf zu packen und sich auf sie einzulassen? Ich lausche in die eiskalte Nacht hinein, um die Ohren an die fremde Geräuschkulisse zu gewöhnen. Ein Auto fährt vorbei. Kurze Zeit später ein Motorrad. Es war ein schöner Abend, der zweite in Folge. Die Musik. Die Menschen. Gespräche. Das Lachen. Das eine unschlagbare Lächeln. Diese drei Worte in einer anderen Sprache, die mein Ohr aufgesogen hat, um sie direkt ins Herz weiter zu leiten. Noch einmal nippe ich an dem Rotwein und hole eine zweite Decke aus dem Alkoven des Wohnmobils. Praktisch, wenn man keine 200 Meter hinter der Konzerthalle steht. Tür auf und man verklappt sich aus der turbulenten Welt hinaus ohne Umschweife in die frostige Einsamkeit der Nacht hinein. Ich hätte es anders haben können, diese Nacht. Doch in meinem Dickkopf ist alles längst so geplant, wie es jetzt auch ist. Ein paar Fußgänger kommen vorbei. Ihren Stimmen nach sind sie noch jung. Mein Blick fällt auf den Wecker. 1:58 Uhr. Die Müdigkeit besiegt allmählich meine Gedanken, die um das Gewesene, das Gesagte und Gehörte kreisen, um dieses einnehmende, offene Lächeln. All das nehme ich mit in meine Träume, die mich so an bisher nicht verwendetem Zusatzmaterial meines Lebens teilhaben lassen. Zu dem real Erlebten mischt sich so mancher geheime, unausgesprochene Wunsch mit der Fantasie des eventuell Möglichen. Ich sehe mich wieder vor Bühnen, aber auch über abgeerntete Stoppelfelder und durch lichte Pinienwälder spazieren, spüre den warmen Dünensand unter den Füßen, sehe in Augen, die in meine blicken. Diese Augen! Wende mich davon ab und werde wieder unhörbar eingefangen von diesem Lächeln. Dann sehe ich mich plötzlich wieder auf der Suche nach meinem ganz persönlichen Heiligen Gral. Ich spüre, dass ich auf dem richtigen Weg dorthin bin. War ich je auf dem falschen? Eine Hand streckt sich mir entgegen und eilig, beinahe hastig, ergreife ich sie. Sie ist warm und weich und ich weiß zu wem sie gehört. Ein leichter und  sanfter, und doch spürbarer Druck ihrerseits haucht mir ein selten erlebtes Glücksgefühl ein. Denn wenn die Lady lächelt, ist das wie ein Ruf, dem man nicht widerstehen kann und auch gar nicht widerstehen will. So wandele ich wie auf Wolken durch diesen Traum und lasse sie mich führen. Und aufwachen möchte ich nun erst wieder, wenn er Wirklichkeit geworden ist.

Magic Carpet Ride

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Für dieses Jahr habe ich mir vorgenommen, mir nichts vorzunehmen. Bis auf die gerade erwähnte Aussage versteht sich. Das will partout nicht heißen, dass nicht etwas besser werden kann oder dass ich keine Wünsche habe. Nein, ich nehme mir einfach nur nichts vor. Käme jetzt ein fliegender Teppich an meinem Fenster vorbei gesegelt, ich würde ganz spontan den Daumen hinaus strecken und nur allzu gerne diese Mitreisegelegenheit in Anspruch nehmen. Lassen sich diese Teppiche eigentlich lenken? Bei den Windstärken der letzten Tage wäre ich sonst sicher rasend schnell jenseits des Urals. Dort gelandet allerdings würde ich mich dann fragen, was ich denn dort überhaupt will. Nun ja, es könnte natürlich auch spannend sein, auch wenn diese Region im Augenblick nicht unbedingt einem meiner gewünschten Aufenthaltsziele entspricht. Doch so sitze ich an meinem öden Schreibtisch in meinem kargen Büro und mich fliegt so etwas wie Fernweh an oder zumindest der brennende Wunsch, egal wo, nur eben nicht hier zu sein. Damit passt das Uraljenseits dann schon wieder besser ins wackelige Bild. Bei einem Lenkteppich würde ich allerdings unbedingt Einfluss auf die Zielrichtung und die Flughöhe nehmen wollen. Passenderweise „schwebt“ mir eine etwas wärmere, ruhigere Ecke auf diesem komisch kauzigen, alten Globus vor. Aber wo soll das sein? Augenblicklich fallen mir die Nachrichten über katastrophale Unwetter, Überschwemmungen, Erdbeben und dergleichen ein. Grübeln beginnt allmählich ätzend in meine euphorischen Gedanken zu sickern. Hmmm. Vielleicht doch einfach die Zähne zusammen beißen und durchhalten? Im Hier und im Jetzt? Es dabei belassen, wie es ist? Und sich freuen, dass es so ist, wie es ist? Ich stütze das Kinn in die linke Hand und schaue rechts durch mein Fenster. Ein leichter Wind bewegt die Äste der Sträucher und Bäume. Am Himmel sind recht große blaue Flächen durchsetzt mit weißen bis leicht gräulichen Wölkchen. Nein, ich muss jetzt nicht den Ural überfliegen. Die Südsee lockt auch nicht so wirklich. Ehrlich gesagt: Mein Sofa zu Hause wäre jetzt das eigentliche und wirklich wahre Paradies. Dazu einen guten Wein, ein paar leckere Kostbarkeiten zum Futtern und dann die Beine hoch und bei wohl temperierter Musik ins erste Wochenende von 2012 schweben. Und einfach auf dem Teppich bleiben. Ja, das wär’s!

Avec Le Temps

Bordeaux, 1979

Bordeaux, 1979

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Irgendwie passt es in diese Niemandszeit zwischen Weihnachten und Neujahr: Dass man zur Besinnung kommt. Vielleicht liegt es auch an der seltenen Tatsache, dass ich endlich einmal Zeit für eben diese Zeit habe. Soviel hatte ich mir vorgenommen, doch mein Körper machte mir mit einer heftigen Grippe einen mit Husten und Niesen beseelten Strich durch die brüchige Planung. Zuerst machte mich das ein wenig wütend, doch allmählich setzt sich der Gedanke bei mir durch, dass dies eine Notbremse war, die mich endlich und wirklich inne halten ließ im sturen Lauf der Zeit. Aber der Mensch kann es ja nicht lassen: So begann ich, zumindest etwas zu tun, was mir Freude bereitet, wenngleich hier und da auch ein wenig Wehmut mitschwingt. Aus dem großen Ordner mit den damals selbst entwickelten Negativen in Schwarz/Weiß zog ich ein paar Bögen und hielt sie gegen das Licht. In einer Schrift, an die ich mich jetzt auch wieder erinnere, steht am Seitenrand geschrieben: Urlaub 1979, Frankreich. Das Hirn tickert und rotiert widerwillig, da es mit mathematischen Aufgaben nie gerne belästigt wird. Irgendwann rollt die Zahl 32 halblaut und zögerlich lang gezogen über meine Lippen. 32 Jahre ist das jetzt her! Dank der modernen Technik ist es nicht schwer, diese privathistorischen Negative selbst für heutige Betrachtungsgewohnheiten in passable Fotografien umzuwandeln. Ich stoße auf Bilder, die sich damals schon in mein Hirn eingebrannt haben und nie verblichen sind, aber auch einige Überraschungen sind dabei. Mit dem Betrachten der Fotos verbinden sich wie von Geisterhand gelenkt bestimmte Szenen, Gesprächsfetzen, Stimmungen, Gefühle und Gedanken, die ich damals hatte. Aber auch der Soundtrack zu dieser Zeit ist plötzlich wieder akut. Springsteen, Béranger, Waits, Ferré, Le Forestier, Rolling Stones und weitere Musikschöpfende, mit denen ich X weitere Zeilen füllen könnte und die meine zahllosen Audiokassetten damals mit Musik versorgt hatten. Ich sehe uns im Auto, meinem geliebten und unvergessenen R 16. Jung und mit wenig Geld, aber mit einer nie zuvor gekannten Abenteuerlust, aber auch mit einer gewaltigen – na, nennen wir es – glücklichen Unbedarftheit. Nichts war geplant oder gar perfekt. Entscheidungen fielen aus dem einen Moment für den nächsten. Es gab de grobe Richtung, mehr nicht. In Amboise hatten wir auf einem Parkplatz übernachtet, der sich sehr früh am folgenden Morgen lauthals als Marktplatz herausstellte. Weiter gings danach von der Loire fort Richtung Atlantikküste. Diese Gegend hat mich seitdem nie wieder losgelassen. Auf Cap Ferret, einer Halbinsel am Bassin d’Arcachon fanden wir eine Jugendherberge, die gleichzeitig auch Campingplatz war. Aufgrund des großen Andrangs mussten wir eine weitere Nacht vor den Toren im Auto verbringen, ehe man uns am anderen Morgen einließ. Man brauchte nur eine Düne zu meistern und man war am Meer. Wahnsinn!! Einen regnerischen Tag nutzten wir für einen Trip nach Bordeaux. Hier stoße ich jetzt auf einige längst vergessene Fotos und ertappe später mich dabei, wie ich anhand von diesen Bildern und Streetview unseren damaligen Stadtbummel rekonstruiere. Was mir im Groben sogar gelingt. 32 years after. Denn mit der Zeit verwischt sich doch so einiges im Gedächtnis und auch im Herzen, was manchmal heilsam ist. Doch die aktuelle Rückblende schmerzt nicht, sondern zaubert mir einiges an Lächeln ins verschnupfte Gesicht. Der eine oder andere Seufzer wird auch vernehmlich. Und so betont und markiert dies alles nochmals auf ganz eigene Weise, was ich nie vergessen will.