Blues & Jazz Rallye am 17.07.2010 in Luxemburg

Meena

Meena

Die Welt ist ein Dorf. Sprachengewirr in allen Gassen. So wird die Hauptstadt eines der kleinsten Länder dieser Erde zu einem Mittelpunkt und gleichermaßen zum Symbol. Luxemburg Stadt hat mal wieder zur Blues & Jazz Rallye gerufen und ich bin wieder mittendrin. Teilweise ist kein Durchkommen mehr. Einer aus Großbritannien, einer aus Frankreich, zwei aus Österreich und einer aus Deutschland versuchen von einer Bühne zur anderen zu gelangen. Dies Unterfangen stellt sich als Geduldsprobe und schweißtreibende Schieberei heraus. „Ca, je n’ai jamais vu!”, sagt der Franzose und der Deutsche antwortet: „Moi non plus.“ Und die Österreicherin fügt hinzu: „It’s very intimate here.“ So ist es, gesehen haben wir alle einen derart dichten Menschenauflauf noch nicht und es ist sehr intim. Alle sind auf Tuchfühlung. Im Prinzip ein El Dorado für Taschendiebe. Am guten Ende wird es mir aber dann an nichts Materiellen fehlen.

Diese Stadt, dieses Zusammentreffen von Hunderttausenden von Menschen verschiedenster Herkunft und Sprachen ist Sinnbild für ein friedliches Miteinander. Kulturen und deren Vertreter treffen aufeinander. Und jeder kann davon profitieren und seinen kleinen eigenen Horizont erweitern. Immer wieder und immer wieder aufs Neue. Das Angebot heute ist wieder äußerst vielfältig. So ist die Garantie gegeben, dass man natürlich wieder nicht alles erleben kann. Entscheidungen müssen her.

Meine fällt auf den Auftritt von Deborah Coleman und später Meena jeweils mit Roger Inniss und Denis Palatin. Ein Treffen mit lieben Menschen. Immer wieder kreuzen sich die Wege und die Freude des Wiedersehens ist mehr als herzlich. Deborah spielt sich nach und nach in Bestform. Sie ist in der Lage, Titel für Titel noch Qualität und Emotion nach zu legen. Ihre Stimme und vor allem ihr Gitarrenspiel, lässige Soli, die es vertrackt in sich haben. Es sieht aus, als schüttele sie all das wie nichts locker aus dem Ärmel. Der Spielspaß ist allen Akteuren anzusehen. Auch auf fremden Instrumenten, die man sich für heute Abend zusammen geliehen hat, weil die Eigenen irgendwo zwischen Balkan und Frankfurt hängen geblieben sind. Shit happens.

 

Und dann Meena. Das Energiebündel mit der Wahnsinnsstimme. Und gesegnet mit einem grandiosen Gitarristen, namens Chris Fillmore. Mit ihm arbeitet sie seit 17 Jahren zusammen. Vor dem Gig gibt es noch einige Absprachen mit Denis und Roger. Und los geht’s.

Schon vom ersten Song an lässt Meena keine Zweifel darüber aufkommen, dass sie eine der besten Bluesstimmen des alten Kontinents hat. Anfangs ist vor der Bühne noch Platz, aber viele Menschen, die eigentlich weiter gehen wollen, bleiben fasziniert stehen. „Incroyable“, sagt eine junge Frau hinter mir und starrt wie gebannt auf die junge Lady aus Österreich.

Von oben nach unten: Roger Inniss, Meena, Chris Fillmore

Als Meena «Let Your Sweet Love Shine On Me» gospelmäßig anstimmt, sehe ich neben mir eine verzückt dreinblickende Deborah Coleman.

Auch dieses ist ein wunderbares Konzert, dass gegen 01:30 nach einigen Zugaben sein Ende findet.

Ich sage noch schnell „Servus bye, bye, au revoir“ und mache mich bestens gelaunt auf die etwa zweistündige Heimfahrt durch Luxemburg, Belgien und durch die laue Julinachtauf die etwa zweistündige Heimfahrt durch Luxemburg, Belgien und durch die laue Julinacht.

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The Water Is Wide

The Water Is Wide

The Water Is Wide (zum Musikclip aufs Foto klicken)

Die ewige und heute ausgesprochen sanfte Brandung, quirlige, weiße Schaumkronen, die sich ein letztes Mal brechen, bevor sie im Takt des Wellengangs an Land geworfen werden. In sich aufgelöst. Der Sand ist weich, jeder Fußabdruck wird vom salzigen Wasser gleich wieder glatt gespült. Ich sehe mich, wie ich gemächlich den fast menschenleeren Strand entlang spaziere. Ohne Ziel. Einfach nur so von hier nach dort. Einfach nur, um etwas zu tun. Das Warten allein genügt nicht mehr. Das drängende Bedürfnis ist da, es auszufüllen. Dieses Überbrücken von unerfüllter, sehnsüchtiger Zeit. Dir ein paar Schritte näher zu sein. Wie weit kann man sehen? Bis zum Horizont. Dahinter geht es ja bekanntlich weiter. Doch die Erdkrümmung verhindert den Blick darauf. Flut, Ebbe, Flut, Ebbe. Ich zähle die Gezeiten und bin unterwegs in der Zeit. Auf der Da-Muss-Ich-Durchreise. Mitten drin im schalltoten Dazwischen. Stagnierend und trotzdem in permanenter Bewegung und schon nicht mehr im gestrigen Da und auch noch nicht wieder im morgigen Dort. Der Wind, der von der anderen Seite des Ozeans kommt, ist leicht streichelnd, ja fühlbar beschwingt. Er flüstert mir leise, kaum hörbar zu „Komm, ich erwarte dich.“ Doch das Wasser ist weit und ich werde es nicht schaffen, hinüber zu schwimmen. So bleiben mir das unstete Wandeln und das ungeliebte, ungeduldige Warten in Ruhe und in Unruhe gleichermaßen. Die Sonne steht bereits tief und sie wird bald untergegangen sein, als orange- roter Feuerball. Völlig klischee- und postkartengerecht. Hinter meinem Horizont. Für dich wird sie dort weiter scheinen. Noch etwa sechs Stunden lang.

Lazy Sunday Afternoon

Lazy Sunday Afternoon (zum Musikclip aifs Bild klicken)

Lazy Sunday Afternoon (zum Musikclip aifs Bild klicken)

Blau, Blau, Blau am Himmel und nichts als ein zweistrahliger Silberstreif, der es hier und da bisweilen teilt. Wir haben immer noch höchsten Sommer und was für einen. Der perfekte Ausgleich für den mehr als harten Winter der entsprechend gleichen Periode. Auf der Terrasse und damit draußen schmecken die Ravioli gefüllt mit Ricotta um Erhebliches besser. Ein paar Tomatenscheiben und schwarze Oliven bringen noch mehr den Süden hierher in unsere nördlicheren Gefilde. Dazu funkelt ein sommerleichter Rosé aus dem Glas und trifft vollendend die Geschmacksnerven. Das Leben hier und heute ist genießbarer als sonst. Ich lehne mich genussvoll zurück, zufrieden. Sechstausend Kilometer schwinden dahin wie nichts. Ich denke mich eine Woche zurück und gleichzeitig zwei Wochen nach vorn. Ja, man kann Kraft schöpfen aus dem, was war, für das, was sein kann. Hier helfen Vertrauen und ein Gespür für die Dinge des Lebens. Worte, die nachhallen, wie ewiges Glockengeläut. Berührungen, die einen nie mehr los lassen. Herzen, die im Gleichtakt schlagen. Seelen, die Verwandte gefunden haben. Träume, die die Wirklichkeit abmildern, ein Glaube, der Berge versetzt und Ozeane überbrückt. Zeit, die davon rinnend vermissen lässt und gleichzeitig näher bringt. Ein fauler Sonntagnachmittag, es gibt keinen Grund, sich Sorgen zu machen. Ich schließe meine Augen, lasse mich treiben und tragen und bin direkt bei dir. Höre deine Stimme, sehe dein Lächeln. Meine kleine Welt ist rund. Sie wird tagsüber beschienen von einer eigenen Sonne und nachts leuchten spezielle Sterne und ein besonderer Mond. Und die alte Melodie ist plötzlich wieder frisch und jung. An diesem Sonntagnachmittag im Sommer 2010.

Airport

Airport

Airport (zum Musikclip aufs Foto klicken)

Es ist Juli, der Vierzehnte. In Frankreich ein symbolträchtiger Nationalfeiertag, der an den Sturm auf die Bastille im Jahre 1789 erinnert. In Nordrhein- Westfalen fangen heute die Sommerferien  an und genau dieses Bundesland bekommt heute in Düsseldorf eine neue Regierung, die mit einer Stimme unter der absoluten Mehrheit antritt. Ein Kraft- Akt der besonderen Art. Das Parkhaus am Landeshauptstadt eigenen Flugplatz ist reichlich mit PKW gefüllt. Und das, wo die Stellplätze nicht gerade als wohlfeil zu bezeichnen sind. Typischer Fall von Monopolismus. In der Abflugsabfertigungshalle herrscht reges Treiben. Lautsprecherdurchsagen in verschiedenen Sprachen. Noch mehr verschiedene Idiome unter den hunderten Menschen, die hier umherlaufen. Ein Mineralwasser und ein Bitter Lemon mit Blick auf die Geschäftigkeit eines internationalen Airports. Versorgungsfahrzeuge: Tankwagen, Gepäckzüge, Stapler, Männer in Sicherheitswesten, ein Jet, der startet, ein anderer, der landet. Etwas Zeit bleibt noch. Gedanken an gestern, an das Konzert, die Stille auf der Fahrt zurück, als mir allmählich bewusst wurde, dass dieser jetzt im Moment aktuelle Zeitpunkt unweigerlich näher rückt. Meine Scherze klingen dumpf und aus der Verlegenheit geboren. Wir haben es ja gewusst, sind darauf eingestellt und wissen es immer noch. Hände berühren sich. Fingerspiele. Die Worte kullern immer schwerer über meine Lippen. Noch einmal die Promenade der Geschäfte und Speiselokale auf und ab. Hand in Hand. Arm in Arm. Die Uhr tickt. Time is marching. 12:40 Uhr. Das Handgepäck ist leicht. Worte machen es auch nicht schwerer. Denke ich. Eine kleine Schlange vor dem Security Check. Du drehst dich mehrmals um. Winken. Es wird einiges an Zeit vergehen, bis ich wieder hier oder ein paar hundert Meter versetzt stehe. Bis dahin fliegen meine Gedanken mit. Auf den anderen Kontinent.

Anyway The Wind Blows

Hafen

Anyway The Wind Blows (zum Musikclip aufs Bild klicken)

Langsam gehe ich hinunter zum Hafen. Es ist heiß heute. Die Wellen schlagen sanft an die kleine Mole. Von Land her weht eine leichte Brise. Du wartest wie verabredet in dem kleinen Hafencafé. Ich setze mich neben dich. Du sagst nichts, du lächelst nur. Ich bestelle zwei Kaffee. Ich spüre deinen Blick auch durch die dunklen Gläser deiner Sonnenbrille. „Das kleine Boot dahinten…“, sage ich, „das Dritte von rechts.“ Lässig weise ich mit dem rechten Daumen ohne hinzusehen hinter mich über die Schulter auf die Jolle, die für uns bereit liegt. Der Kellner bringt die Getränke. „Schön, dass wir endlich mal Zeit für einen kleinen Törn haben, ich glaube, heute ist das ideale Wetter.“ Deine Stimme ist ruhig und weich. „Yep, das ist es! Du hast es doch so bestellt.“, lache ich und nippe an der Tasse. „Ich weiß gar nicht, wie lange ich nicht mehr gesegelt bin, das ist Jahre, nein Ewigkeiten her.“ „Dann müssen wir eben Poseidon und dem Wind vertrauen.“ Deine Antwort lässt mich schmunzeln. „Ja, Vertrauen ist alles. Wohin uns auch der Wind treiben wird, er wird uns tragen. Wir werden Fahrt aufnehmen, ein noch unbekanntes Ziel finden. Bis dahin lass uns einfach die Fahrt genießen. Warten wir die Flut ab. Dann kann’s los gehen.“ Du greifst meine Hand, so wie nur du sie greifst: „Ich freue mich so.“ Ich lehne mich tief in den Stuhl zurück, schließe die Augen und lasse die Sonne in mein Gesicht scheinen.

Summer Wine

Summer Wine (zur Musik Klick auf das Foto)

Summer Wine (zur Musik Klick auf das Foto)

Es ist Sommer! Endlich und wirklich wieder einmal so richtig! Die Wetterberichte melden 36 Grad Celsius und mehr in den Städten. Das Leben ist leicht und die Fische springen in den Seen und Tümpeln der Umgebung. Die Sonne brennt mir gute Laune ein. Wider das Vergessen. Ich will davon noch zehren, wenn der Herbst kommt und gar der Winter. „Mehr Licht“, sollen Goethes letzte Worte gewesen sein. Er würde seine pure und helle Freude haben. Jetzt, hier und da. Die Sonne strahlt von Osten am Morgen, über den Süden am Mittag und aus Westen am Abend. Seit vier Wochen leuchtet sie sogar aus dem Norden. Für mich ganz allein. Immer wieder am Tag und selbst in der Nacht. Und ich lehne mich zurück, ganz genüsslich und lasse sie auf mich wirken, all diese warmen Strahlen, die mein Herz erhellen. So lässt es sich leben. Ja! Selbst wenn die stählernen Vögel lauthals dröhnend über uns einfliegen und das eigene Wort zerfetzen. Ein paar Sekunden später ist wieder aufgewühlte Ruhe, Worte fließen, Hände wandern, Lachen schallt, Blicke tauschen sich aus. Es gibt eine Menge Antworten und erstaunlich wenige Fragen, Fisch auf dem Grill und Wein, eiskalt und klar. Gemacht für den Sommer. Unseren Sommer. Er lässt sich an  wie ein Märchen. Aber er ist real, fühlbar, neu, nah und vertraut. Er pulsiert in meinen Adern, bringt mein Herz auf Trab. Gibt mir Mut, Gelassenheit, Unbeschwertheit und Kraft. Ich ziehe freudig über „Los“, die ersten Schritte sind gemacht und sie tun gut, so was von gut. Wie von selbst greifen meine Finger in die Saiten und bringen sie zum Schwingen und ein alt bekanntes Lied perlt frisch und neu von meinen Lippen: „Strawberrys, cherries and an angel´s kiss in spring…“