Love Is Just A Four Letter Word

Love Is Just A Four Letter Word

Love Is Just A Four Letter Word (zum Musikclip auf das Foto klicken)

Liebe. Wer redet heute noch von Liebe? Wer traut sich noch, dieses Wort auszusprechen? In einer Welt, in der Menschen sich tagtäglich die Köpfe einschlagen. Sich Ideologien und deren Verfechter bekämpfen bis auf des Messers Spitze. Lässt sich Liebe auf diese fünf Buchstaben reduzieren, wobei das „e“ auch noch gleich zweimal vorkommt? Love, Peace and Happiness, Liebe, Frieden und Glück, das waren die drei Ausrufezeichen, die drei Ikonen der Hippiebewegung. Die Macht den Blumen und ihren Kindern. So pittoresk, verklärt und oft ins Lächerliche gezogen die Repräsentanten dieser Epoche von vor etwa 40 Jahren auch heute erscheinen mögen, einiges haben sie doch bewegt in unserem gesellschaftlichen Denken, zumindest in der so genannten westlichen Welt. Sieht man hingegen, dass es heute noch Länder gibt, in denen Frauen wegen angeblichen Ehebruchs dem Volkszorn und der Steinigung preisgegeben werden, überkommt mich ein beängstigendes Schaudern. Ein Schaudern vor der Willkür der Macht, gleich, ob sie politisch oder religiös begründet ist. Liebe mag ein großes Wort sein. Wie Freiheit. Wie Frieden. Wie Glück. Wie Vertrauen. Aber sind diese mit der Hand nicht greifbaren Begriffe nicht die Erstrebenswertesten, die einem Menschen geboten werden können? Wer sie dann noch alle gleichzeitig für sich verbuchen kann, kann getrost vom Gewinn des Jackpots in der Lotterie des Lebens sprechen. Wir sitzen auf dieser Bank an diesem See. Die letzten Sonnenstrahlen des Oktobers wärmen unsere Gesichter und lassen Diamanten auf der Wasseroberfläche aufblitzen. Wir genießen und schweigen. Hier und da ein paar Worte. Still und leise. Dennoch jedes von ihnen wiegt. Der Mann auf der Bank nebenan pult die letzten Körner vom Maiskolben und schnippt sie dem Entenpärchen in den See. Ich schaue in dein Gesicht, versuche es zu lesen. Du lächelst stumm. Unsere Blicke treffen sich. Nein, du brauchst nichts zu sagen.

Golden Brown

Golden Brown

Golden Brown (zur Musik aufs Foto klicken)

Verfangen in der dunkler und stiller gewordenen Nacht und in den herbstlich dichten und grauen Nebelschwaden. Warteschleifen verknoten sich bis hin zum Ungewissen und sind schwer zu ertragen und erst recht schwer wieder zu entwirren. Zu viele Gedanken auf einmal durchpochen das immer wache Hirn. Fragen, Zweifel, Wünsche. Nicht schon wieder! Hör auf, dich zu quälen, lass los. Endlich. Vertraue. Ja, das tue ich dann. Dennoch kriecht widerwillig der Tag heran in aller Stille. Ohne Worte. Ohne Antworten. Vielleicht fehlen ja auch die Fragen. Soll ich sie formulieren, sie stellen? Oder sie lieber lassen? Enttäuschungen passieren nur, wenn man Erwartungen hat. Ich stehe auf, es ist kurz nach Fünf, stolpere barfuß über eine leere Weinflasche. Der Schmerz im Zeh erreicht mein Bewusstsein erst Sekunden später. Ein stummer Schrei. Es schmerzt, ja. Eingestehen muss ich mir das erst gar nicht, aber ausreden brauche ich es mir ebenso wenig. Es ist passiert und sollte so sein. Schicksal. Aber ist das jetzt etwas wirklich Dramatisches? Sicher, es wäre nicht geschehen, wäre ich nicht aufgestanden, hätte ich Licht eingeschaltet, hätte ich vorher die Weinflasche auf den Tisch gestellt oder noch besser: Wäre ich jetzt überhaupt gar nicht erst hier. Wäre! Hätte! Ein Leben im Konjunktiv unter Betrachtung von Kausalketten? Nein Danke! Dann doch lieber ein Leben im Indikativ mit einem für wenige Momente schmerzenden Zeh. Und gemessen am Großen und am Ganzen verliert solcher Schmerz schnell an Bedeutung. Und Stunden später liegt die leere Weinflasche in der Kiste für Altglas, der Zeh steckt in einem wärmenden Socken und hat die Kollision gut verdaut, die Nacht ist Sonnen beschienener Tag geworden, das Warten hat ein Ende, die Stille ist gebrochen und ich blicke hinaus in den goldbraunen Oktober. Kein Stirnrunzeln. Alles ist gut. Und die Gedanken? Die tanzen wieder im Dreivierteltakt. Endlich.

Little Wing

Little Wing

Little Wing /zur Musik aufs Foto klicken)

Wenn Zeit eine andere Dimension bekommt und nicht nur einfach so verrinnt, sondern etwas Bleibendes hinterlässt, der Tag bewusst gelebt und gefühlt wird und auch die Nacht, spürt man eine innere Ruhe, einen tiefen Frieden, eine gelassene Zufriedenheit, die einem sagt, dass ein Mehr im Augenblick gar nicht möglich ist und auch nicht nötig. Das Wandeln durch Zeit und Raum wird belebt durch Musik, die uns trägt, durch Blicke, die wir uns senden, die eine eigene Sprache sind und so für sich und dann auch nur für uns sprechen. Ein Wiedersehen mit Menschen aus einer anderen Welt und einer noch nahen Vergangenheit und immer wieder das Spüren, angekommen und angenommen zu sein. Es ist Respekt und Verbundenheit, ja beinahe verschworene Komplizenschaft, die uns lächeln lässt. Das Ohr habe ich direkt am Puls des Lebens und am schlagenden Herzen, dort, wo einem alles liegt, was wichtig ist, in meiner Nase die Düfte, die betören, weit weg von den Rauchschwaden verbrannten Tabaks in urigen Kneipen, meine Augen sind gerichtet auf die Schönheit des Augenblicks, auf den sanften und geschmeidigen Flügelschlag der Möwe, die sich frei in die Lüfte schwingt, in meinem Mund formen sich klare Worte aber auch Verschwiegenheit und der Geschmack eines wunderbar köstlichen Mahls erfreut noch lange Zunge und Gaumen, meine Hände ertasten im Dunkeln den Weg, und lassen sich nicht beirren, sie finden ihre Ziele und führen uns genau dahin. Eine Wärme, die uns um- und durchflutet, mit ausnehmend tiefer Wirkung, die nur noch gut tut und einen schweben lässt. Es ist ein Tag, der die 24- Stundengrenze durchbricht und übertrumpft, die Nacht erleuchtet und den Vormittag ergrauen lässt, ein Tag in unseren Leben, der so ist, wie er ist, leicht und gut und einzigartig, und den wir uns genommen haben. Für uns. Für das Jetzt und auch für unsere restliche Ewigkeit. Fly on little wing…

Lookin‘ Forward

Lookin' Forward

Lookin' Forward (zur Musik auf das Foto klicken)

Es ist Samstagmorgen, ich wusele in der Küche herum und habe endlich Lust, alles auf den Kopf zu stellen. Aus dem CD- Player klingt die neue CD der Doobie Brothers und hört sich an wie eine von ganz weit Damals. Nein, ich fühle mich nicht krank an diesem Morgen im Oktober, doch diese Musik ist wirklich wieder wie ein Doktor. Die Medizin ohne indizierte Nebenwirkungen gegen aufkeimende Herbstmelancholie. Sie hat den ewigen Sommer in sich, diesen Sommer, der das Herz erwärmt und die Seele. Ein perfekter Einstieg in einen Tag, an dem ich aufräumen werde mit einem gehörigen Stück der Vergangenheit, ausmisten. Fort mit dem seit Jahren nicht beachteten Dingen, die nur noch als Staubfänger dienen oder tief in dunklen Schubladen sinnlos dahin dämmern. Dinge, von denen ich mich lange nicht trennen mochte, die aber jegliche Bedeutung verloren haben und noch nicht einmal zur süßen Erinnerung mehr taugen. Es wird Zeit, Schnitte nachzuvollziehen, die das wahre Leben längst vorgenommen hat. Eine Wand habe ich letzte Woche bereits eingerissen und ich kann seitdem wieder freier atmen. Das so geschaffene Mehr an Raum animiert zu frischen Ideen. Erneuerung. Umstellen. Nicht nur der Mai macht alles neu. Der Start in den Oktober gestaltet sich sehr schwunghaft, energiegeladen. Dabei hat das Aufräumen schon lange vorher angefangen. Im Kopf. Die Klarheit ist immer mehr gereift. Und der Herbst ist bekanntlich die Zeit zu ernten. Und heute ist die Sicht klar. Ein wunderbarer Altweibersommertag lässt mich das Leben spüren und nach vorne schauen. Die tiefe Sonne streift meine Seele und meine geschlossenen Augenlider, hinter denen sich das Bild eines Gesichts aufbaut, das langsam sich dem meinen nähert. Unverkennbar und deutlich.

«Looking forward, all that I can see
Is good things happening to you and to me»