Sweet Home Alabama

...where the skies are so blue... (zum Musikclip auf das Foto klicken)

Eine Göttin steigt aus einem Flugzeug, dann auf eine Bühne und zieht mich und meine Kameralinse derart in den Bann, dass ich bereit bin, für mehr als mehrere Sekunden den Atem anzuhalten, ihn stocken zu lassen, bis er gefriert. Der rechte Zeigefinger zuckt, drückt mehrmals hintereinander ohne zu zögern auf den Auslöser, klick, klick, klick und Hundertstel von Sekundenaugenblicken sammeln sich zu einem Foto. Ein Bild, das ich in diesem Moment lebendig erlebe und das mich nicht mehr los lässt, das ich immer wieder ansehe später noch. So wie heute. Und liebe Worte kommen von ganz weit weg, um sechs Stunden zeitversetzt mit erheblichem Jetlag und doch klar und deutlich lesbar. Die Erdkrümmung kann ihnen nichts anhaben, auf ihrer Reise zu mir. Ich lächele, muss lachen. Eintausend Fotos in einer Reihenfolge, die mein elektronischer Bilderrahmen seit Stunden nach dem Zufallsprinzip immer wieder neu erfindet. Da stehen, zusehen und das Drumherum versinken lassen. Dorthin, wo es nicht mehr stört. Um uns uns sein zu lassen, für den Moment, der einhundertzwanzigstel Sekunde und jeden einzelnen der zahllosen Klicks. Das Lied klingt noch nach in mir, wie der Schlag des Tamburins im Takt und die Zweitstimme in meinem Ohr. „Sweet home, Alabama, where the skies are so blue, Lord she came back home to you…”, so singe ich meinen eigenen Text seit einigen Tagen. Munter drauflos. Keiner hört‘s. Was auch gar nicht nötig ist. Alles ist eine kleine Episode am Rande des großen Allumfassenden. Ein Traum, der erst einmal geträumt sein will, fernab jeglicher realistischer Umsetzung. Aber ungleich schön, unzerstörbar wie der unvergessene Blick aus braunen Augen. Ein flüchtiger Hauch von Zuneigung und Verständnis. Und so ist das Leben wieder bunt und leicht. Genießbar. Ohne irgendwelche Ansprüche zu erheben. Die Sonne scheint und der Himmel ist blau wie in Alabama. Auch heute noch, eine Woche später…

Man Of The World

Man Of the World  - Zum Musiktitel: Doppelklick auf das Foto

Man Of the World - Zum Musiktitel: Doppelklick auf das Foto

Auf dieser Welt bin ich ja schon länger mehr als ein halbes Jahrhundert unterwegs. Und heute erst recht. Ich gehöre sozusagen dazu. Zur Welt und zur aktuellen Zeit. Erzählen könnte ich eine ganze Menge. Interessant ist allerdings immer, was mir so einfällt, wenn ich mal wieder  im Nähkästchen krame und suche. Manchmal greife ich tief, ganz tief, manchmal schöpfe ich die Oberfläche, das, was noch warm und greifbar ist, ab. Interesse, ein offenes Ohr vorausgesetzt, hätte ich ein bis mehrere abendfüllende Programme zu Gehör zu bringen. Im Gegenzug stehen so viele Fragezeichen, da würde ich mich allzu gerne zurücklehnen, nur noch schweigen und zuhören. Und ich bin sicher, es würde mich wunderbar unterhalten. „Shall I tell you about my life, I‘m sure it will keep you amused..“ Peter Green at his best. Den Song habe ich gestern und heute bereits, na sagen wir, 18 Mal gehört. Ja er passt zum Tag, zu mir und zu allen meinen Gedanken, die mich begleiten seit Tagen. Ich liebe dieses Lied seit dem ersten Hören. Love at first sight. Seltsam, wie bekannte Dinge sich wieder zurückmelden. Auf einmal und in neuem Licht, aber immer noch authentisch und somit wahr. Zutiefst. Ich schwebe über die A61 und später über die A44 durch die Wolken verhangene Nacht Richtung Schlafstelle vorbei an Autobahnbaustellen, die meinen Fuß zu dieser Nachtzeit nicht vom Gaspedal holen, das Herz voll mit Träumen, mit Gedanken, mit Musik. Fleetwood Mac. Diese Gitarre(n). Aufs erste Hören ein schlichter Song. Aber er trägt mehr in sich, als ein oberflächliches Leben je bemerken würde. „Shall I tell you about my life?“ Das ist genau das, was ich hier tue, immer mal wieder und immer wieder neu. Geschrieben. Aber wenn du magst: Ich kann es dir auch erzählen, so richtig. Von Mund zu Ohr. Von Herz zu Herz. „How I wish..“

Umbrisches Tagebuch – Teil 12 – 10.02.2010 – Von Ancona nach Hause

Ancona - Aeroporto

Ancona - Aeroporto

Mich erwartet ein üppiges Frühstücksbüffet mit Marmelade(n), Käse, Schinken, Salami, Joghurt, Müsli, Brot, Kuchen und Kaffee aus einem utopisch aussehenden Gefäß oder wahlweise heißem Wasser zur Teeaufbereitung, wobei verschiedene Teesorten in Aufgussbeuteln bereitliegen.

Ich entscheide mich für Kaffee, den ich allerdings erst nach einigen Try and Error Läufen in meine Tasse bekomme.

So sitze ich gemütlich im Wissen, genügend Zeit zu haben, der Flieger geht erst um 12:15Uhr. Ich gönne mir also die Muße und genieße so vor mich hin.

„Du, Tony, ich komme heute etwas später zur Arbeit, ich habe den Zug verpasst. Kannst du bitte Bescheid sagen?“ Die Stimme, die aus dem Handylautsprecher an mein Ohr dringt, gehört meiner lieben Kollegin B. „Gut, dass ich Bescheid weiß, ich sitze gerade in Ancona beim Frühstück, wenn du dich beeilst, schaffst du die Frühmaschine noch hierher. Dann kannst du mich hier abholen und wir fliegen zusammen zurück.“

Heutige Handys können ja schon viel, sogar Fragezeichen in den Augen übertragen, völlig problem- und lautlos. Denn so deute ich die rauschende Pause von einigen Sekunden.

„Öhem, bist du gar nicht in der Firma?“, spricht die Stimme jetzt ziemlich verlegen und gleichermaßen zögerlich. „Nöö, ich fliege heute Mittag erst zurück. Ruf besser in der Zentrale an und sag, dass du später kommst.“

Leicht amüsiert und schmunzelnd stecke ich das Handy wieder in Tasche, gehe auf mein Zimmer, hole mein Gepäck und verabschiede mich vom freundlich grüßenden Signore an der Rezeption.

Zeit habe ich noch genug bis zum Einchecken. So mache ich mit mir selbst die Wette, den Weg zum Flughafen auch ohne Navi zu finden. Kurzfristig habe ich dann das Gefühl, falsch abgebogen zu sein, doch nach fünf Minuten weiterer Fahrt kann mich ein Schild mit der Aufschrift „Aeroporto“ und entsprechendem Richtungspfeil wieder beruhigen.

Panda & Panda

Panda & Panda

Ich finde eine Tankstelle, der Wagen muss vollgetankt zurückgegeben werden. Hier muss ich mal ein Kompliment an den kleinen Panda machen, sein Verbrauch lag bei der ganzen Fahrt knapp unter sechs Liter.

Den Flughafen finde ich ohne Umwege. Der Schalter des Autoverleihers ist nicht besetzt, von der benachbarten Konkurrenz bekomme ich die Auskunft, die Signora käme gleich zurück, sie sei noch beim Autoreinigen.

Nach etwa fünf Minuten erscheint sie dann, bittet um Entschuldigung, fragt, ob ich zufrieden sei. Ich bin’s und bedanke mich für den guten Service. Mit einem leicht wehmütigen letzten Blick auf den Panda, begebe ich mich zur Abflughalle.

Obwohl noch reichlich Zeit ist, kann ich schon einchecken und das Gepäck aufgeben. Der Security- Check verläuft problemlos.

Flieger

Flieger

Pünktlich schwebt der Flieger ein. Der Turnaround verläuft planmäßig und so sitzen wir alle pünktlich in unseren Sitzen.

Einige der Mitpassagiere erkenne ich wieder, sie waren schon beim Hinflug vor einer Woche mit an Bord.

Der Flug an sich verläuft unspektakulär. Keine Sekunde gibt es nach dem Start Bodensicht. Unter uns eine dichte weiße Wolkendecke, über uns nur Blau, Himmelsblau. Ab und zu treffen ein paar Sonnenstrahlen durch die Fenster.

Der MP3- Player versorgt mich mit Musik von Little Feat. Ab und zu werden Turbulenzen angezeigt und Anschnallen ist angesagt. Doch es rappelt nicht mehr als in einem Überlandbus.

So landen wir dann pünktlich in Weeze, das Gepäck läuft vom Band und draußen wartet schon der Shuttlebus, der mich nach Köln bringen wird.

 Bis der allerdings startet, vergehen noch 45 Minuten. Dann geht es durch den einsetzenden Schneeregen auf die Autobahn Richtung Düsseldorf. Hier leert sich der Bus um mehr als die Hälfte der Passagiere.

In Köln bekomme ich relativ schnell einen Zug nach Düren, wo mich mein Auto dann hoffentlich unversehrt vor dem Bahnhof erwartet.

Je mehr wir uns Düren nähern, umso dichter wird das Schneegestöber. Hier ist noch so richtig Winter. Mein Auto ist bedeckt von einer etwa 15 Zentimeter dicken Schneeschicht. Die Scheiben sind vereist. Mit einiger Mühe bekomme ich sie frei.

Nur noch nach Hause. Ich bin müde. Ohne Probleme springt der Wagen an. Beim Losfahren bemerke ich, dass der Straßenbelag ziemlich rutschig ist. Und da gerade Rush- Hour ist, benötige ich bis zur Stadtgrenze geschlagene 90 Minuten, eine Entfernung, die sonst je nach Tageszeit und Verkehrsaufkommen in drei bis zehn Minuten zu schaffen ist.

Der Flug über 1500 Kilometer hat keine 90 Minuten gedauert. Setzt man das  in Relation zu den drei bis vier Kilometern in der gleichen Zeit hier vor Ort, weiß man nicht, ob man weinen oder lachen soll.

Nach einer weiteren verschneiten halben Stunde bin ich dann wieder Zuhause.

Epilog.

Was nehme ich mit aus diesen acht Tagen Spontanreise?

Es sind so viele Eindrücke, die sich nur langsam verarbeiten lassen.

Die Flüge haben mir, dem bisher dezidierten Nichtflieger, Spaß gemacht. So bin ich hier aufden Geschmack gekommen und bisher unerreichbar scheinende Ziele rücken näher.

Italien ist immer wieder eine Reise wert, wenn sie mich auch so schnell nicht wieder an die Adria führen wird. Aber es gibt noch so viel zu entdecken.

Die Tage in Gubbio mit Maurizio und seinen Leuten waren ein Erlebnis, das Worte gar nicht in den Griff bekommen und das so schnell nicht aus meiner Erinnerung verloren gehen wird. Die Musik, die Musiker, die Freunde, das Drumherum, einmalig. An der Stelle ist ein kräftiges Danke fällig. An alle die, die ich begleiten durfte, die längst zu Freunden geworden sind. Ich freue mich auf ein Wiedersehen. Aber so was von.

Die italienische Küche. Jetzt könnte ich wieder anfangen zu schwelgen. Ja, sie ist einfach fantastisch und mehr als man aus Kochbüchern erlesen kann. Zum richtigen Genuss gehört auch das richtige Ambiente, auch wenn die TV- Geräte hier dieses etwas eintrüben. Aber Spagetti schmecken nur mal so richtig richtig nur in Italien. Um die gesammelten Kalorien wieder los zu werden, hätte ich eigentlich dem Heimweg zu Fuß antreten müssen.

Die Ruhe, die ich unerwartet aufsaugen konnte und die mir wieder Kraft gibt, von der ich immer noch zehre, auch heute noch drei Monate später.

Kurzum: Es war ein Erlebnis, wie es kein zweites Mal sein wird. Deshalb eben einzigartig. Und es hat mir wieder einmal gezeigt, dass es gut sein kann, ohne große Planung sich spontan in ein kleines Abenteuer zu stürzen.

So war es, so ist es, so soll es sein! 

Grazie per tutto….ciao e a presto!

Umbrisches Tagebuch – Teil 11 – 09.02.2010 – Von Porto Recanati nach Ancona

Sirolo - Ein Blick zurück - gewiss ohne Zorn

Sirolo - Ein Blick zurück - gewiss ohne Zorn

An diesem vorletzten Tag meiner Italien Stippvisite macht sich irgendwie in mir das Gefühl breit, dass dies wieder einmal der berühmt- berüchtigte Tag zu viel ist. Buchungstechnisch war dies nun einmal anders nicht üblich. So krieche ich förmlich die letzten 25 Kilometer bis Ancona zurück.

Ich nähere mich dem Örtchen Sirolo und dem Monte Conero, der über 500 Meter über das Meer ragt.

Nachdem ich das Einbahnstraßengewirr durchblickt habe, finde ich endlich den befahrbaren Zugang nach Sirolo. Vor der Kirche finde ich einen Parkplatz. Der Blick auf die unten liegenden kleinen Sandbuchten ist wunderschön. Fotos können dies nur schwerlich und ungenügend darstellen. Trotzdem klickt meine Kamera mehrmals, ich will nichts unversucht lassen, dieses Panorama auf die Speicherkarte zu bannen, um es mir so für später zu bewahren.

Sirolo - Gelateria

Sirolo - Gelateria

 Ein paar kleinere Geschäfte, eine Gelateria, ein paar Restaurants, Hotels, ein Campimgplatz. Atmosphärisch enge Gässchen. Ein netter, ruhiger Ort zum durchatmen und verschnaufen. Dazu so ganz anders als die modernen Betonwüsten, von denen ich im wahrsten Sinne mittlerweile genug (gesehen) habe. Alles liegt im Dornröschenschlaf und scheint auf den Weckruf der kommenden Urlaubssaison zu warten

 Bei meinem weiteren Weg biege nach rechts ab, um mich nach Portonovo zu begeben. Hier ist natürlich auch alles verlassen, an sich ein schönes, idyllisches Strandfleckchen, dem der fragwürdige Stempel der Zivilisation in Form von herunter gekommenen Strandbuden und weit verteiltem Müll aufgedrückt wurde. Zum weiteren Verweilen lädt mich dieser Ort dann auch nicht gerade ein.

Portonovo

Portonovo

 So bin ich etwa 20 Minuten später im dicksten Staßengewimmel von Ancona. Was man kennt, das kennt man, denke ich und parke wieder auf der Piazza Carlo e Nello Roselli gegenüber dem Bahnhof.

 Die Signora an der Rezeption des Hotels Gino erkennt mich wieder, gibt mir aber mit einem Lächeln zu verstehen, dass alles belegt sei. Dieses wiederum vermag ich nicht zu glauben, da das gesamte Haus ziemlich ausgestorben wirkt.Nun denn. So marschiere ich stracks ins nächste Hotel am Platze, wo ich ohne Umschweife sofort ein Zimmer bekomme. Das Hotel Fortuna liegt dem Bahnhof direkt vis-à-vis. Das Zimmer im dritten Stock ist ok. Die riesige Bahnhofsuhr, teilt mir mit, dass es 13.35 Uhr ist.

Ancona - Bahnhof

Ancona - Bahnhof

Zeit genug, ein wenig das Viertel zu erkunden. Entlang der Piazza gibt es ein Internetcafé, ein paar Imbissbuden, einen kleinen Lebensmittelladen, einige kleinere Restaurants. Weiter stadteinwärts stoße ich auf einen Supermarkt.

 Ein Besuch im Internetcafé, um mal so nach dem Rechten zu sehen. Nachdem, was mich ab morgen wieder – und das weiter nördlich – erwartet.

Ich beschließe in Rücksichtnahme auf die sich immer weiter leerende Reisekasse, mir mein Abendmahl individuell zusammenzustellen und auf einen Restaurantbesuch zu verzichten. So erstehe ich einige Scheiben Käse, Salami, zwei Tomaten, Weißbrot, ein Schälchen Antipasti mit Oliven und Peperoni, eine Flasche Wasser und eine Flasche Rotwein.

Mit meiner Beute in der Plastiktasche gehe ich zurück ins Hotel. Das Ganze hat gerade mal sechs Euro gekostet.

Auch ein solches Abendbrot macht satt und schmecken tut es obendrein.

Gegen elf sinke ich ermüdet in die Kissen, denke noch irgendwas und schlafe darüber ein.

Ancona - Hotel

Ancona - Hotel

Gegen sechs bin ich wieder putzmunter, nehme eine heiße Dusche und bereite mein Gepäck für den Rückflug vor.