The Water Is Wide

The Water Is Wide

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Die ewige und heute ausgesprochen sanfte Brandung, quirlige, weiße Schaumkronen, die sich ein letztes Mal brechen, bevor sie im Takt des Wellengangs an Land geworfen werden. In sich aufgelöst. Der Sand ist weich, jeder Fußabdruck wird vom salzigen Wasser gleich wieder glatt gespült. Ich sehe mich, wie ich gemächlich den fast menschenleeren Strand entlang spaziere. Ohne Ziel. Einfach nur so von hier nach dort. Einfach nur, um etwas zu tun. Das Warten allein genügt nicht mehr. Das drängende Bedürfnis ist da, es auszufüllen. Dieses Überbrücken von unerfüllter, sehnsüchtiger Zeit. Dir ein paar Schritte näher zu sein. Wie weit kann man sehen? Bis zum Horizont. Dahinter geht es ja bekanntlich weiter. Doch die Erdkrümmung verhindert den Blick darauf. Flut, Ebbe, Flut, Ebbe. Ich zähle die Gezeiten und bin unterwegs in der Zeit. Auf der Da-Muss-Ich-Durchreise. Mitten drin im schalltoten Dazwischen. Stagnierend und trotzdem in permanenter Bewegung und schon nicht mehr im gestrigen Da und auch noch nicht wieder im morgigen Dort. Der Wind, der von der anderen Seite des Ozeans kommt, ist leicht streichelnd, ja fühlbar beschwingt. Er flüstert mir leise, kaum hörbar zu „Komm, ich erwarte dich.“ Doch das Wasser ist weit und ich werde es nicht schaffen, hinüber zu schwimmen. So bleiben mir das unstete Wandeln und das ungeliebte, ungeduldige Warten in Ruhe und in Unruhe gleichermaßen. Die Sonne steht bereits tief und sie wird bald untergegangen sein, als orange- roter Feuerball. Völlig klischee- und postkartengerecht. Hinter meinem Horizont. Für dich wird sie dort weiter scheinen. Noch etwa sechs Stunden lang.

Lazy Sunday Afternoon

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Blau, Blau, Blau am Himmel und nichts als ein zweistrahliger Silberstreif, der es hier und da bisweilen teilt. Wir haben immer noch höchsten Sommer und was für einen. Der perfekte Ausgleich für den mehr als harten Winter der entsprechend gleichen Periode. Auf der Terrasse und damit draußen schmecken die Ravioli gefüllt mit Ricotta um Erhebliches besser. Ein paar Tomatenscheiben und schwarze Oliven bringen noch mehr den Süden hierher in unsere nördlicheren Gefilde. Dazu funkelt ein sommerleichter Rosé aus dem Glas und trifft vollendend die Geschmacksnerven. Das Leben hier und heute ist genießbarer als sonst. Ich lehne mich genussvoll zurück, zufrieden. Sechstausend Kilometer schwinden dahin wie nichts. Ich denke mich eine Woche zurück und gleichzeitig zwei Wochen nach vorn. Ja, man kann Kraft schöpfen aus dem, was war, für das, was sein kann. Hier helfen Vertrauen und ein Gespür für die Dinge des Lebens. Worte, die nachhallen, wie ewiges Glockengeläut. Berührungen, die einen nie mehr los lassen. Herzen, die im Gleichtakt schlagen. Seelen, die Verwandte gefunden haben. Träume, die die Wirklichkeit abmildern, ein Glaube, der Berge versetzt und Ozeane überbrückt. Zeit, die davon rinnend vermissen lässt und gleichzeitig näher bringt. Ein fauler Sonntagnachmittag, es gibt keinen Grund, sich Sorgen zu machen. Ich schließe meine Augen, lasse mich treiben und tragen und bin direkt bei dir. Höre deine Stimme, sehe dein Lächeln. Meine kleine Welt ist rund. Sie wird tagsüber beschienen von einer eigenen Sonne und nachts leuchten spezielle Sterne und ein besonderer Mond. Und die alte Melodie ist plötzlich wieder frisch und jung. An diesem Sonntagnachmittag im Sommer 2010.

Summer Wine

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Es ist Sommer! Endlich und wirklich wieder einmal so richtig! Die Wetterberichte melden 36 Grad Celsius und mehr in den Städten. Das Leben ist leicht und die Fische springen in den Seen und Tümpeln der Umgebung. Die Sonne brennt mir gute Laune ein. Wider das Vergessen. Ich will davon noch zehren, wenn der Herbst kommt und gar der Winter. „Mehr Licht“, sollen Goethes letzte Worte gewesen sein. Er würde seine pure und helle Freude haben. Jetzt, hier und da. Die Sonne strahlt von Osten am Morgen, über den Süden am Mittag und aus Westen am Abend. Seit vier Wochen leuchtet sie sogar aus dem Norden. Für mich ganz allein. Immer wieder am Tag und selbst in der Nacht. Und ich lehne mich zurück, ganz genüsslich und lasse sie auf mich wirken, all diese warmen Strahlen, die mein Herz erhellen. So lässt es sich leben. Ja! Selbst wenn die stählernen Vögel lauthals dröhnend über uns einfliegen und das eigene Wort zerfetzen. Ein paar Sekunden später ist wieder aufgewühlte Ruhe, Worte fließen, Hände wandern, Lachen schallt, Blicke tauschen sich aus. Es gibt eine Menge Antworten und erstaunlich wenige Fragen, Fisch auf dem Grill und Wein, eiskalt und klar. Gemacht für den Sommer. Unseren Sommer. Er lässt sich an  wie ein Märchen. Aber er ist real, fühlbar, neu, nah und vertraut. Er pulsiert in meinen Adern, bringt mein Herz auf Trab. Gibt mir Mut, Gelassenheit, Unbeschwertheit und Kraft. Ich ziehe freudig über „Los“, die ersten Schritte sind gemacht und sie tun gut, so was von gut. Wie von selbst greifen meine Finger in die Saiten und bringen sie zum Schwingen und ein alt bekanntes Lied perlt frisch und neu von meinen Lippen: „Strawberrys, cherries and an angel´s kiss in spring…“

For You

For You

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 Damals am Zaun auf dem Parkplatz im Auto, was wird sie sagen, wenn ich es ihr sage, Bruce Springsteen singt von der ausgeleierten Kassette inbrünstig «I Came For You». Und darum bin ich hier und habe nicht die Traute, ihr genau das zu sagen. 1979 im Sommer, nach einem heißen Tag am Strand, Atlantikküste in Frankreich. Auf dieser Halbinsel. 31 Jahre ist dies her. Und ich sitze wieder im Auto. Die Sonne hat auf meinen Rücken gebrannt, während ich tief versunken war, in einem Traum, der sich als erfüllende Realität erwies. Die Autobahn will ich noch nicht nehmen, stattdessen fahre ich über Land, alte Wege mit der einen und anderen Erinnerung. Doch ich bin im wahren Jetzt, ein wenig taumele ich noch wie ein stehen gelassener Dominant- Septim-Akkord, der auf die Auf- und Erlösung wartet. Und wieder ist es Sommer und wieder ist es Bruce Springsteen, der mich mit seiner Musik begleitet. Die Luft ist noch warm, an diesem Spätjuniabend. Irgendwie scheint die Zeit stehen geblieben. Ein bisher unveröffentlichter Live- Mitschnitt eines Konzerts aus dem Jahr 1975. Und wieder ist sie da, diese Inbrunst, diese Magie, dieser Titel und all die anderen. Alles dies passt in die Zeit von damals und in die Zeit von heute. Alles ist so neu und hat wieder dieses Unverbrauchte, ja Unschuldige, der jugendlichen Aufbruchszeit. Damals, als ich es ihr dann doch sagte, hat sie gelächelt und den Kopf geschüttelt, und heute genügten Blicke, eine leichte Berührung, wenige Worte. Ihr Lächeln strahlt gegen die Sonne an. Doch das Kopfschütteln bleibt aus. Es ist Sommer, das Essen ist leicht, der eiskalte Rosé schmeckt besser als zu jeder anderen Jahreszeit. Die Teller sind leer. Das Herz ist voll. Und heute werde ich es wieder sagen. Leise, aber deutlich: «I Came For You…»

Perfect Day

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Es gibt Plätze, die gut tun und der Weg dorthin ist immer lohnenswert. Sogar wiederholt lohnenswert. Es ist ein Tag gemacht für mehr als bloßen Alltag. Und es ist ein perfekter Tag und ich bin froh, ihn mit dir zu verbringen. Zumindest zu einem Viertel. Dazu ist es noch der Sommeranfang. Ein Gläschen Weißwein an dem See, den ich „Lake Charles“ taufe . Einen Happen von der Quiche vom Vortag. Die Sonne lässt sich und uns Zeit. Vögel zwitschern, Frösche quaken, im Bauch gluckert dieses Glücksgefühl. Die Seeoberfläche glättet sich zusehends. Ab und zu springt ein Fisch in kleinem Bogen für Sekundenbruchteile kurz aus dem Wasser. Ich lasse einen Kieselstein über das Wasser hüpfen. Vier-, fünfmal setzt er auf, bevor ihn die Schwerkraft nach unten zieht. Wenn wir sprechen, sprechen wir leise, passend zur Feierlichkeit dieses unvergleichlichen Moments. Viele unausgesprochene Fragen, sie beantworten sich wie von alleine. Blicke treffen sich. Ich tauche ab ins Gedankenlose, bin nur noch Gefühl und spüre deinen Kopf auf meiner rechten Schulter. Ja, es ist ein perfekter Tag, weil er so leicht ist und stimmig, friedlich und leise. Weil du da bist und ich da bin. Nach und nach rötet sich der Himmel über den Uferbäumen auf der gegenüberliegenden Seite. Die Sonne wandelt sich in einen gelblich- roten Ball, der sich auf dem See spiegelt. Das Leben pulst an diesem Montagabend im Juni 2010 durch meine Adern wie schon lange nicht. Es ist Mittsommernacht. Und kein Traum. Perfekt.

Out Of Nowhere

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Und dann steige ich erstmalig zur Musik von Stan Getz ins Auto und fahre die alt bekannte Straße hinunter, die sich bei diesen jazzigen Klängen immer mehr in die Corniche an der Côte d’Azur wandelt, wähne mich in einem sechziger Jahre Film vielleicht von Godard in einem Aston Martin Cabriolet, winkele lässig den linken Arm aus dem Fenster. Ja, cool wäre jetzt noch eine Zigarettenkippe im Mundwinkel à la Belmondo, gut, solange sie nicht brennt, sei auch dies Klischee bedient. Es ist so herrlich, an diesem Freitagnachmittag durch die Gegend zu fahren unter diesem mit Wolkewattebäuschen durchsetzten Himmel, es ist Spätfrühling oder Frühsommer, gleich werde ich es erneut spüren, dieses Lächeln, das ganz woanders herkommt, wenn ich wieder an diesem Mohn besetzten Hang passiere, es sind ein paar Quadratmeter nur. Für jedermann sichtbar, aber wohl nur für mich erkennbar. Ein privates Public Viewing, sozusagen. Und jedes Mal, wenn es mich trifft, dieses Lächeln aus dem Mohnfeld, denke ich daran, wie gut es mir geht, mache mir bewusst, wie ich mich fühle seit diesen wenigen Tagen, in denen Wortketten sich an einander reihen, Blicke sich treffen, Umarmungen mich einfach nicht mehr los lassen. Die Gedanken haben ein Ziel, dem sie ständig folgen. Das Herz ist in purer Aufregung und der Kopf kann all dies einfach nicht fassen, Out Of Nowhere, so einfach aus dem Nichts, mitten in der Nacht, warst du da. Seitdem fühle ich eine vertraute Hand, die mich führt, durch einen Park über Stock und Stein, bergauf, bergab, und wir blicken von dieser Aussichtsplattform hinunter ins Tal, schweigen für einige heilige Momente, bis uns die Sprache wieder hat. Es folgen Geschichten, die uns das Leben auf den Leib geschrieben hat. Und ich möchte nicht aufhören, dir zuzuhören, deine Stimme in mir aufzusaugen, dein Lachen in mir nachhallen zu lassen. Es ist schön und sie tun gut, diese neue Nähe und das stetig wachsende Vertrauen. So sitzt du neben mir hier und jetzt in diesem Auto und aus einem alten verrauschten Schwarzweißschmalfilm wird allmählich sattes, farbenfrohes, atemberaubendes Cinema Scope. Und gleich sind wir in Cannes, werden unter Palmen in diesem Café an der Uferpromenade sitzen, einen starken Espresso trinken, du mit Zucker und ich wie immer ohne  und aufs blaue Meer blicken…

Bretonisches Tagebuch Teil 2: Dinard, Côte d’Émeraude

 In loser Reihenfolge werde ich den Bericht zu meiner Reise in die Bretagne im August 2009 fortführen. Heute also Teil 2: Dinard, Côte d’Émeraude
Strand von Dinard

Strand von Dinard

Mittwoch, 19.08.2009

Heute geht es weiter nach La Chèze  zum dortigen Bluesfestival, dem Hauptgrund meiner Reise in die Bretagne. Ich habe wenig bis keine Ahnung, was mich dort erwartet, aber die Vorfreude sendet positive Signale.

Da ich mich erst für den späten Nachmittag angekündigt habe, kann ich mir Zeit lassen und werde deshalb noch etwas an der nördlichen Küste verweilen. Den Campingplatz in Cancale verlasse ich so gegen 9 Uhr, das Minizelt war schnell abgebaut und verstaut.

Jetzt geht es entlang der Küste Richtung St. Malo. Immer wieder geht mein Blick aufs Meer, hier und da halte ich an, um einige Fotos zu machen.

Côte d'Émeraude

Côte d'Émeraude

Ich beschließe, nicht nach St. Malo hineinzufahren und entscheide mich für einen Kurztrip nach Dinard. Erinnerungen werden wach als ich am Gezeitenkraftwerk an der Mündung der Rance ankomme: 1970 war ich das erste Mal in der Bretagne, in St. Brieuc, der Partnerstadt meiner Heimatstadt Alsdorf. Ein Tagesausflug bescherte uns eine Bootsfahrt auf eben diesem Fluss von Dinan bis hierher. Ich beginne zu rechnen. Ist das wirklich schon 39 Jahre her? Manche Gesichter tauchen im Geiste auf, Namen fallen mir ein. Ich weiß noch ganz genau, dass wir als Proviant hart gekochte Eier dabei hatten, die gar nicht appetitlich rochen. Daran sie zu essen, war nicht zu denken. So haben wir sie als Wurfgeschosse umfunktioniert, auf vorbei treibende Holzstücke gezielt und dies zu treffen versucht. Ehrlich, so etwas fanden wir damals lustig…

Rance- Das Gezeitenkraftwerk

Rance- Das Gezeitenkraftwerk

Bevor ich Einzug halte in den alten Badeort, der übrigens sehr von Briten bevorzuget wird und den man Nizza des Nordens nennt, mache ich noch einen Stopp in einer Niederlassung einer amerikanischen Systemgastronomiekette. Es ist eins der Häuser mit dem großen, gelben M, das schon von weitem nicht zu übersehen ist.

Der Grund meines Stoppens ist nicht der eher fragliche kulinarische Aspekt, sondern der, dass es in diesen Etablissements in ganz Frankreich wohl freie Hotspots gibt, WiFi oder Wlan, ermöglichen ein Anzapfen des Internets. Hier ist das Ganze zudem kostenlos. Also nehme ich mein elektronisches Notizbuch, setze mich an einen Tisch und bin gespannt, ob und wie das Ganze funktioniert.

Es ist ganz einfach, das Notebook findet ohne Umschweife das Netz, man wählt sich auf die hauseigene Seite des großen M’s ein, bestätigt die Nutzungsbedingungen und schon geht es los.

Ich bin neugierig auf meine Emails. Es warten über 20 auf mich. Die meisten wandern gleich in den elektronischen Mülleimer, über zwei, drei freue ich mich sehr, was mich gleich zu antworten motiviert. Dann schnell noch ein paar Blicke auf meine Lieblingsseiten im WWW und schon meldet das System Akkuschwäche.

Dieser kurze und beruhigende Abstecher in heimatliche Gefilde, der Kontakt mit den lieben Menschen daheim, das tut gut für den Moment. Immerhin habe ich außer mit der etwas mürrischen Dame an der Rezeption des Campingplatzes von Cancale, bei der ich meine Rechnung für den Aufenthalt zahlte, noch mit niemanden gesprochen an diesem Tag.

Ich fühle mich sauwohl. Das Nomadenleben macht mir wieder so richtig Spaß. Die Sonne scheint, der Himmel ist sowas von blau, jetzt gilt es nur noch einen Parkplatz in der Stadt zu ergattern. Nach einigem Kurven findet sich auch eine Parklücke mitten in der City.

Da ich während der Suche schon eine unfreiwillige Stadtrundfahrt gemacht habe, fällt mir die Orientierung jetzt leicht. Ich begebe mich hinunter zum Strand.

Strand von Dinard

Strand von Dinard

Wir haben immer noch Ferien in Frankreich, Dinard ist voller Menschen. So auch der Strand. Ich stehe an der Promenade und tauche ein in die lebende Kulisse zu Eric Rohmers Film «Conte de l’été» aus dem Jahr 1996. Auf Deutsch trägt er den Titel «Sommer». Der Film ist aus seinem Vierjahreszeitenzyklus und erzählt die Geschichte eines Sommers, in dem der Student Gaspard Entscheidungen in puncto Leben und Liebe treffen muss. Drei äußerst unterschiedliche Frauen, die er in Dinard trifft, machen ihm diese Entscheidung nicht gerade leicht. Ein Film voller interessanter Dialoge, schönen Bildern und mit sympathischen Darstellern.

Gaspard et Margot

Conte d' été von Eric Rohmer (Gaspard & Margot)

Die Idee schießt mir in den Kopf, das Café zu suchen, in dem Margot, eine der Hauptfiguren im Film als Ferienaushilfe arbeitet. Während ich so die Uferpromenade entlang schlendere, kommt mir der Song «Santiano» in den Sinn. Ich fange an, ihn vor mich her zu summen. Er spielt in dem Rohmer Film eine Rolle, aber auch in meinem Leben, hier in der Bretagne habe ich ihn damals zum ersten Mal gehörtdamals eben vor 39 Jahren, und die Version des französischen Sängers Hugues Aufray, der mittlerweile auch schon 70 Jahre zählt (töstlich!!), war da  ein Hit und reifte zum Wurm in meinen Ohren. Es gibt Situationen, die man auf ewig mit bestimmten Musiken verbindet, dies ist so eine, die unweigerlich mit dem Jahr 1970 verbunden ist. Zumindest für mich. Später als ich anfing, selbst Musik zu machen mit bretonischen, irischen und deutschen Folksongs, war dieses Lied auch im Repertoire.

Die Leuchtfeuer von Saint Malo, der Stadt Dinard gegenüber auf der anderen Seite der Rance- Mündung,  finden in diesem Seemannslied Erwähnung und eben auch eine Frau mit Namen Margot.

Ich beginne in Erinnerungen zu schwelgen, die durchsetzt werden mit Szenen aus dem Film von Eric Rohmer. Hätte ich mir doch nur den Film kurz vor der Abreise noch einmal angesehen, ich tue mich schwer, irgendeinen Platz auch nur annähernd wieder zu erkennen. Schließlich stehe ich vor einer Art Trockendock, auf dem zwei reparaturbedürftige Schiffe liegen. Ich mache ein, zwei Fotos, gehe weiter bis zur Kaimauer. Die Worte „Warum auch nicht?“ im Kopf fotografiere ich eine Häuserfront an der Place Jules Boutin.

Das Filmcafé

Das Filmcafé (oben rechts)

Erst zu Hause, weil mich die Neugier nicht ruhen ließ, und ich mir den Film dann doch noch einmal zu Gemüte geführt hatte, stellte ich dann jubelnd fest, dass dieses Café, genau das Filmcafé just auf diesem Foto mit der Häuserfront zu sehen ist. Nur ist es „im richtigen Leben“ gar kein Café, sondern wohl eher eine Wohnung.

Bedingt durch das milde Klima des Golfstroms gedeihen hier in Dinard Palmen. Das gibt dem Ganzen ein mediterranes Flair. Nizza eben. Unter einer dieser Palmen nehme ich auf einer Bank Platz, schaue versonnen auf die Bucht, die Tour Solidor, einen Turm, der Bestandteil der Festungsanlage um St. Malo ist, sehe eine Gruppe von Menschen, die geduldig auf die Ankunft der Fähre wartet. Hier stieg auch im Film Gaspard aus und später wieder ein.

Tour Solidor in St. Malo

Tour Solidor in St. Malo

Es ist Mittagszeit, während am Hauptstrand Hochbetrieb herrscht frönt die Geschäftswelt der Stadt der Siesta. Die meisten Läden sind geschlossen.

Das nächste Ziel, das ich anvisiere, ist Erquy. Der Strand hier ist mir noch aus frühen Jugendtagen vertraut, Nostalgie ist angesagt. Diese vergeht aber alsbald im Stau kurz vor dem Badeort und spätestens bei der der vergeblichen Parkplatzsuche und den Massen Sonnenschirm, Kühlboxen und Klappstühlen bewaffneter Menschen, die sich karawanenartig Richtung Strand bewegen, ändere ich meinen Plan und beschließe, der Küste vorerst den Rücken zu kehren und nach direkt La Chèze zu fahren. „Dann bin ich eben etwas früher da…“, denke ich und stelle das Navi auf seinen neuen Zielort ein.