Open Road

Open Road

Open Road (zur Musik aufs Foto klicken)

 Bewegen. Der Drang nach Bewegung. Nur bloß heraus hier. Weg. Fort. Anderswo ist es immer schöner. Es war eng geworden um mich herum. Dann kamen die Fluchtgedanken zu einem Ausbruch aus dem matt goldenen Käfig, der unmerklich geschrumpft war. Oder war ich insgeheim weiter gewachsen? Vielleicht sogar über mich hinaus? Waren die ersten Schritte in meine neue Welt anfangs auch noch etwas tollpatschig, so habe ich mittlerweile wieder ganz gut laufen gelernt. Dann verspürte ich, dass die Kreise um meinen geografischen Mittelpunkt immer größer wurden 50 Kilometer, 100 Kilometer, heute sind 200 Kilometer und mehr auch keine Seltenheit mehr. Das zweite Flüggewerden. Mit den Erfahrungen, die die Zeit mit sich gebracht hat. Proud to be loud again. Gelenkt und geführt von meinem inneren GPS. Stauwarnung hin, Stauwarnung her. Meine kaltschnäuzige Ignoranz diesen Warnungen und den vom Navi ausgesprochenen Umleitungsempfehlungen gegenüber ist mittlerweile chronisch geworden. Meine Reaktionen auf den Stillstand jedoch sind nicht berechenbar. Entweder trommele ich nervös im Takt der Dudelmusik zwischen den Verkehrsnachrichten auf dem Lenkrad herum und verwünsche mich, diese Strecke gewählt zu haben und nicht die empfohlene Alternative, dann drohen ganze Panikattacken, dass ich nun sicher zu spät komme oder es überfällt mich eine beinahe an Wahnwitz grenzende beinahe mediterrane Ruhe und Gelassenheit, dass ich beginne, an mir selbst zu zweifeln. Dann hadere ich noch nicht einmal mit meinem Schicksal, klar, natürlich wieder einmal auf der Spur zu stehen, auf der alles noch schleppender voran zu gehen scheint als bei den anderen. Bisweilen kommt so etwas wie Genuss auf und ich schaue voyeurhaft durch die Fenster meiner Mitstaugeschädigten, sehe in deren Augen den Stress, den sie gerade erleiden, schüttle den inneren Kopf und ahne, wie blöd ich aussehen muss, wenn ich genervt mit den Fingern aufs Lenkrad trommele. Das seltsame bei diesen Staus ist, dass sie sich dann plötzlich in Nichts auflösen: Keine Baustelle, kein Unfall, kein Platzregen. Einfach nichts. Dann frage ich mich, wer die Güte hatte, uns alle hier einfach für eine Viertelstunde aus der Zeit zu nehmen und unsere Alltagstauglichkeit zu testen. Seitdem begegne ich Staus auf der Autobahn aber auch denen auf dem Schnellweg des Lebens weitaus ruhiger, denn ich weiß, sie werden wieder zur offenen Straße und ich werde doch am Ziel ankommen. Und das – wie auch jetzt – zur richtigen Zeit.

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Start Me Up

Start Me Up

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 Im Moment muss sie leiden. Schrecklich leiden. Sie steht völlig unter Hochdruck. Tag und Nacht. Aber sie murrt nicht. Klappert nicht einmal. Ihr scheint nichts zu viel zu werden. Und wenn letztendlich etwas schief oder falsch läuft ist es nicht ihre Schuld, sondern meine. Dann habe ich mal wieder vertippt, was in der Fülle der ellenlangen Buchstabenaneinanderreihungen schon einmal locker vorkommen kann. Nein, meine PC- Tastatur lässt mich nicht im Stich. Worte, hunderte, tausende hilft sie mir zu bilden, die Finger rasen über die Tasten, weil der Kopf es so will. Geschriebene Kommunikation über hunderte von Kilometern. Manchmal halten die Finger den prasselnden Kommandos der Hirnwindungen nicht stand. Dann stolpern sie und bilden völlig unsinnige, neue Wörter, deren Bedeutung man allenfalls nur noch erahnen kann. Korrekturen werden nötig, die dann, da zu spät veranlasst, nicht immer dem Dialogkontext zuzuordnen sind. Geschriebener Text. Schön und gut. Es fehlen die Stimmen, die das Gemeinte modulieren, phrasieren, ihm Wärme und Leben einhauchen. Und auf den anderen der Blick, der mehr erkennen kann, als zwischen jeder geschriebenen Zeile zu lesen ist. Uns bleiben nur die Worte, geschrieben in einer dritten Sprache, was das Hirn noch mehr fordert. Eine Herausforderung mehr neben all den anderen, die sich gerade manifestieren. Take the challenge! Gedanken fliegen hin und her. Planspiele. Verrückte Ideen, die jedoch durchaus auch das Zeug zur Umsetzung in realistische Bahnen haben. Bits und Bytes glühen durch die Leitungen. Digitalisierte Gefühlsäußerungen. Erklärungen. Fragen. Antworten. Und der ewige Ruf nach dem Mehr. Der Vollendung. Ein Mosaikstückchen legt sich neben das andere. Tag für Tag. Stunde um Stunde. Das aktuelle Bild schillert in reichhaltigem Bunt. Trotz der Unvollständigkeit sind nachhaltige Konturen bereits erkennbar. Zitate, Songs, Bilder. Lachen und Lachen und Lachen. So frei von der Seele, wie schon lange nicht mehr. Das lange Sitzen ermüdet. Der Morgen graut. Die Sonne bahnt sich einen vorsichtigen Weg in den neuen Junitag. Meine Tastatur verlangt nach einer Pause. Kopf und Seele sollen sich endlich um meine Träume kümmern. Ich überlasse ihnen vertrauensvoll die Regie und sinke glücklich lächelnd und kaum noch denkend auf mein Bett.