Bretagne 2011

 

Bretagne 2011

Bretagne 2011

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Die Bilder habe ich während meines Bretagne- Urlaubs im August 2011 aufgenommen.

3. Bretonisches Tagebuch – Erquy, 17.08.2011

 

Hôtel de MorinDa ich ja Urlaub habe, habe ich mir heute einen fahrtechnisch gesehenen Ruhetag verordnet. Einfach nur abhängen, etwas schreiben, etwas lesen, etwas essen, etwas trinken, also leben wie Gott in Frankreich und ihn dabei gleichzeitig einen guten Mann sein lassen.

Morgen geht’s dann weiter nach La Chèze, wo ich zum dritten Mal in Folge dem Festival „Blues au Château“ beiwohnen werde.

Die Vorfreude ist groß, die auf die Musiker, aber vor allem die auf die lieben Freunde, die ich dort zu treffen gedenke.

Das mit dem Internet funzt, ich habe freundlicherweise eben den Zugangscode bekommen. So werde ich heute diese Texte auch in den Blog stellen können.

Nee, nee! Bloß keinen Stress!  Stressabbau ist ja die aktuelle Devise. Also halte ich mich auch daran.

12Uhr ist ja schon durch. Zeit für einen kleinen Pastis.

Sehr gute Idee.

Zum Frühstück gab es Kaffee, frisches Baguette, ein Weichkäse „Coeur de Lion“, der im Lande seiner Produktion, doch immer noch anders, also besser schmeckt als im Importland Deutschland. Wirklich und ehrlich.

Das ist ähnlich wie mit dem Olivenöl. Und ich traue mich, frech zu behaupten, dass hierzulande einige für den Export vorgesehene Produkte eigens für den Zielmarkt geschmacklich „eingestellt“ werden.

Was soll’s, derzeit sitze ich ja an der Quelle und genieße einfach die Originale. Voilà. Und den „Löwenherz“- Weichkäse begleitet bei jedem Happen ein genüssliches „Hmmmmmm!!!“

Irgendein hungriger Nachbar hat den Holzkohlegrill gezündet. Es riecht nach Brandbeschleuniger, pardon Grillanzünder, und es qualmt – hüstel, hüstel – fürchterlich.

Zum Wetter habe ich ja heute noch gar nichts gesagt: Die Mittagssonne sticht an den paar Wölkchen vorbei direkt auf die Bretagne. So kann und soll es auch ruhig bleiben. Frohlocken ist somit angesagt.

Nenne es Tatendrang, Entdeckergeist oder nur einfach schlechtes Gewissen. Eigentlich wollte ich ja nur hier direkt neben dem Campingplatz, der sich „Bellevue“ nennt, ein paar Strohrollen fotografieren (mehr gibt die „Schöne Aussicht“ nämlich nicht her) und meinen Abfall in den im Eingangsbereich befindlichen Behältern fachgerecht entsorgen (in Frankreich ist es mittlerweile üblich, den Müll zu trennen, hört, hört!!).

Den ganzen Mittwochnachmittag habe ich hier den „Paresseux“, den Faulen gegeben und einfach mal nichts getan. Sogar das Denken ist mir für seltene Momente völlig abhanden gekommen.

So schnappe ich mir die Fototasche und den prall gefüllten Müllbeutel und schluffe gen Ausgang. Da gibt es Tonnen für Papier, Plastikflaschen, Glasflaschen, Aludosen und gleich eine größere Anzahl für den Rest.

Meine Glasflaschen treffen dumpf den Boden der entsprechenden Tonne. Sicherlich war eben erst Leerung. Ich habe nur noch von dem , was man getrost unter Restmüll einsortieren kann. So öffne ich die erste dafür vorgesehene Tonne: Bis oben hin voll. Mit Restmüll, Papier, Plastikflaschen, Glasflaschen, Aludosen. Ebenso die zweite. Grinsend finde ich in der dritten endlich Platz für mein Wegzuwerfendes.

Dann gehe ich ein paar Schritte die Straße hinab, knipse die Strohballen. Ha, toll: Gegenlicht. Etwa 500 Meter weiter ein typischer Bauernhof aus Bruchstein. Ich gehe weiter. Und weiter. Irgendwann ein Schild mit der Aufschrift „Plage de St. Pabu“. Der Pfeil weist nach rechts. Ich folge. Passiere das Hôtel Morin, das aussieht wie ein früheres Kloster, ein traumhaftes altes Bruchsteingbäude.

Mit jedem Schritt weiter geht es auch weiter hinab zum Strand, den ich dann nach etwa zwanzig Minuten erreiche.

Kurz vorher gibt es noch den toll gelegenen Campingplatz St. Pabu, den ich mir sofort für etwaige spätere Aufenthalte hier vormerke. Denn, wenn er auch nicht so heißt, bietet der sicher eine „Bellevue“ und die direkt auf den Strand und das in Ebbe befindliche Meer.

Einmal wenigstens die Füße ins Wasser halten, das muss sein. Dann noch ein paar Fotos. And the only way is up. Ja, unten ist man bekanntlich ganz schnell, aber aufwärts ist immer problematischer. Ich weiß jetzt nicht mehr, was mich am meisten aufrecht gehalten hat: Der Gedanke an die anschließend kräftige und heiße Dusche oder der Gedanke an das eiskalte Bier aus dem saucoolen Frigo.

Egal. Beides habe ich inzwischen genossen. Jetzt werde ich mich der Internetzone nähern und das alles hier posten.

Futtern muss ich auch noch was…

3. Bretonisches Tagebuch – Erquy, 16.08.2011

Erquy Plage

Manches ist fest verankert und geht nicht mehr weg. Bleibt, auch wenn sich drumherum alles ändert.

 Ich und on the road.

Durch die letzten Wochen habe ich mich förmlich gekämpft. Jetzt bin ich da, wo ich sein wollte. Unterwegs in bekannten Gefilden. Les plages de ma jeunesse. Vor genau 41 Jahren war ich zum ersten Mal hier, dann wieder 1971.

 Ich suche nach Namen, Gesichtern, Geschichten, Gefühlen von damals. So richtig will mir das nicht gelingen. Einen kurzen Augenblick erliege ich der Versuchung, zu errechnen, wie viele Fluten und Ebben über diesen Strand in der Zwischenzeit hinweggegangen sind. „Lass es, du hast Urlaub!!“ Eine schallend lachende, innere Stimme ruft mich zur Unvernunft auf. Recht hat sie.

So folge ich ihr wie im Sand den Fußspuren einer Schuhgröße von etwa 42. Der Himmel ist leicht bewölkt und die Sonne findet nicht immer einen Weg durch die Verschleierung hindurch.

Die letzte Nacht habe ich auf einem Campingplatz in der Nähe von Cap Frehel zugebracht. Eine schöne Anlage in Terrassen angelegt. Leider fehlte mir zum absoluten  Glück ein Adapter für die Stromzufuhr. Für 7,50 € hat sich dieser Notstand dank eines Pro Brico Markt inzwischen erledigt.

Um 13:30 Uhr bin ich zunächst happy, den vorletzten Stellplatz auf einem extra für Wohnmobile ausgewiesenen Areal direkt am Strand von Erquy zu ergattern.

Als ich jedoch vom Bummel durch die sandige Notalgie auf den gänzlich aus grauem Asphalt bestehenden Platz zurück in mein fahrbares Domizil zurückkehre und diese leichte Depression, hier jetzt die Nacht verbringen zu sollen, selbst nach zwei Vanillejoghurt gar nicht aufhören will, stecke ich kurzerhand den Zündschlüssel ins dafür vorgesehene Schloss, glühe den Dieselmotor vor, starte mein treues Gefährt und rolle von dannen, ein paar Kilometer Fahrt und ich steuere den nächsten Campingplatz an säuberlich parzelliert (der ADAC Campingführer dürfte seine Freude hieran haben) mit Stromanschluss und ganz heißen Duschen.

Internetzugang gibt’s wohl auch, das werde ich in Bälde gleich testen.

Die Hacksteaks warten gut gekühlt im Frigo, genauso wie eine Flasche Muscadet.

Mein Laptop fungiert zusätzlich noch als Jukebox. Kurzum: Jetzt geht’s mir allerbest.

Bretonisches Tagebuch Teil 2: Dinard, Côte d’Émeraude

 In loser Reihenfolge werde ich den Bericht zu meiner Reise in die Bretagne im August 2009 fortführen. Heute also Teil 2: Dinard, Côte d’Émeraude
Strand von Dinard

Strand von Dinard

Mittwoch, 19.08.2009

Heute geht es weiter nach La Chèze  zum dortigen Bluesfestival, dem Hauptgrund meiner Reise in die Bretagne. Ich habe wenig bis keine Ahnung, was mich dort erwartet, aber die Vorfreude sendet positive Signale.

Da ich mich erst für den späten Nachmittag angekündigt habe, kann ich mir Zeit lassen und werde deshalb noch etwas an der nördlichen Küste verweilen. Den Campingplatz in Cancale verlasse ich so gegen 9 Uhr, das Minizelt war schnell abgebaut und verstaut.

Jetzt geht es entlang der Küste Richtung St. Malo. Immer wieder geht mein Blick aufs Meer, hier und da halte ich an, um einige Fotos zu machen.

Côte d'Émeraude

Côte d'Émeraude

Ich beschließe, nicht nach St. Malo hineinzufahren und entscheide mich für einen Kurztrip nach Dinard. Erinnerungen werden wach als ich am Gezeitenkraftwerk an der Mündung der Rance ankomme: 1970 war ich das erste Mal in der Bretagne, in St. Brieuc, der Partnerstadt meiner Heimatstadt Alsdorf. Ein Tagesausflug bescherte uns eine Bootsfahrt auf eben diesem Fluss von Dinan bis hierher. Ich beginne zu rechnen. Ist das wirklich schon 39 Jahre her? Manche Gesichter tauchen im Geiste auf, Namen fallen mir ein. Ich weiß noch ganz genau, dass wir als Proviant hart gekochte Eier dabei hatten, die gar nicht appetitlich rochen. Daran sie zu essen, war nicht zu denken. So haben wir sie als Wurfgeschosse umfunktioniert, auf vorbei treibende Holzstücke gezielt und dies zu treffen versucht. Ehrlich, so etwas fanden wir damals lustig…

Rance- Das Gezeitenkraftwerk

Rance- Das Gezeitenkraftwerk

Bevor ich Einzug halte in den alten Badeort, der übrigens sehr von Briten bevorzuget wird und den man Nizza des Nordens nennt, mache ich noch einen Stopp in einer Niederlassung einer amerikanischen Systemgastronomiekette. Es ist eins der Häuser mit dem großen, gelben M, das schon von weitem nicht zu übersehen ist.

Der Grund meines Stoppens ist nicht der eher fragliche kulinarische Aspekt, sondern der, dass es in diesen Etablissements in ganz Frankreich wohl freie Hotspots gibt, WiFi oder Wlan, ermöglichen ein Anzapfen des Internets. Hier ist das Ganze zudem kostenlos. Also nehme ich mein elektronisches Notizbuch, setze mich an einen Tisch und bin gespannt, ob und wie das Ganze funktioniert.

Es ist ganz einfach, das Notebook findet ohne Umschweife das Netz, man wählt sich auf die hauseigene Seite des großen M’s ein, bestätigt die Nutzungsbedingungen und schon geht es los.

Ich bin neugierig auf meine Emails. Es warten über 20 auf mich. Die meisten wandern gleich in den elektronischen Mülleimer, über zwei, drei freue ich mich sehr, was mich gleich zu antworten motiviert. Dann schnell noch ein paar Blicke auf meine Lieblingsseiten im WWW und schon meldet das System Akkuschwäche.

Dieser kurze und beruhigende Abstecher in heimatliche Gefilde, der Kontakt mit den lieben Menschen daheim, das tut gut für den Moment. Immerhin habe ich außer mit der etwas mürrischen Dame an der Rezeption des Campingplatzes von Cancale, bei der ich meine Rechnung für den Aufenthalt zahlte, noch mit niemanden gesprochen an diesem Tag.

Ich fühle mich sauwohl. Das Nomadenleben macht mir wieder so richtig Spaß. Die Sonne scheint, der Himmel ist sowas von blau, jetzt gilt es nur noch einen Parkplatz in der Stadt zu ergattern. Nach einigem Kurven findet sich auch eine Parklücke mitten in der City.

Da ich während der Suche schon eine unfreiwillige Stadtrundfahrt gemacht habe, fällt mir die Orientierung jetzt leicht. Ich begebe mich hinunter zum Strand.

Strand von Dinard

Strand von Dinard

Wir haben immer noch Ferien in Frankreich, Dinard ist voller Menschen. So auch der Strand. Ich stehe an der Promenade und tauche ein in die lebende Kulisse zu Eric Rohmers Film «Conte de l’été» aus dem Jahr 1996. Auf Deutsch trägt er den Titel «Sommer». Der Film ist aus seinem Vierjahreszeitenzyklus und erzählt die Geschichte eines Sommers, in dem der Student Gaspard Entscheidungen in puncto Leben und Liebe treffen muss. Drei äußerst unterschiedliche Frauen, die er in Dinard trifft, machen ihm diese Entscheidung nicht gerade leicht. Ein Film voller interessanter Dialoge, schönen Bildern und mit sympathischen Darstellern.

Gaspard et Margot

Conte d' été von Eric Rohmer (Gaspard & Margot)

Die Idee schießt mir in den Kopf, das Café zu suchen, in dem Margot, eine der Hauptfiguren im Film als Ferienaushilfe arbeitet. Während ich so die Uferpromenade entlang schlendere, kommt mir der Song «Santiano» in den Sinn. Ich fange an, ihn vor mich her zu summen. Er spielt in dem Rohmer Film eine Rolle, aber auch in meinem Leben, hier in der Bretagne habe ich ihn damals zum ersten Mal gehörtdamals eben vor 39 Jahren, und die Version des französischen Sängers Hugues Aufray, der mittlerweile auch schon 70 Jahre zählt (töstlich!!), war da  ein Hit und reifte zum Wurm in meinen Ohren. Es gibt Situationen, die man auf ewig mit bestimmten Musiken verbindet, dies ist so eine, die unweigerlich mit dem Jahr 1970 verbunden ist. Zumindest für mich. Später als ich anfing, selbst Musik zu machen mit bretonischen, irischen und deutschen Folksongs, war dieses Lied auch im Repertoire.

Die Leuchtfeuer von Saint Malo, der Stadt Dinard gegenüber auf der anderen Seite der Rance- Mündung,  finden in diesem Seemannslied Erwähnung und eben auch eine Frau mit Namen Margot.

Ich beginne in Erinnerungen zu schwelgen, die durchsetzt werden mit Szenen aus dem Film von Eric Rohmer. Hätte ich mir doch nur den Film kurz vor der Abreise noch einmal angesehen, ich tue mich schwer, irgendeinen Platz auch nur annähernd wieder zu erkennen. Schließlich stehe ich vor einer Art Trockendock, auf dem zwei reparaturbedürftige Schiffe liegen. Ich mache ein, zwei Fotos, gehe weiter bis zur Kaimauer. Die Worte „Warum auch nicht?“ im Kopf fotografiere ich eine Häuserfront an der Place Jules Boutin.

Das Filmcafé

Das Filmcafé (oben rechts)

Erst zu Hause, weil mich die Neugier nicht ruhen ließ, und ich mir den Film dann doch noch einmal zu Gemüte geführt hatte, stellte ich dann jubelnd fest, dass dieses Café, genau das Filmcafé just auf diesem Foto mit der Häuserfront zu sehen ist. Nur ist es „im richtigen Leben“ gar kein Café, sondern wohl eher eine Wohnung.

Bedingt durch das milde Klima des Golfstroms gedeihen hier in Dinard Palmen. Das gibt dem Ganzen ein mediterranes Flair. Nizza eben. Unter einer dieser Palmen nehme ich auf einer Bank Platz, schaue versonnen auf die Bucht, die Tour Solidor, einen Turm, der Bestandteil der Festungsanlage um St. Malo ist, sehe eine Gruppe von Menschen, die geduldig auf die Ankunft der Fähre wartet. Hier stieg auch im Film Gaspard aus und später wieder ein.

Tour Solidor in St. Malo

Tour Solidor in St. Malo

Es ist Mittagszeit, während am Hauptstrand Hochbetrieb herrscht frönt die Geschäftswelt der Stadt der Siesta. Die meisten Läden sind geschlossen.

Das nächste Ziel, das ich anvisiere, ist Erquy. Der Strand hier ist mir noch aus frühen Jugendtagen vertraut, Nostalgie ist angesagt. Diese vergeht aber alsbald im Stau kurz vor dem Badeort und spätestens bei der der vergeblichen Parkplatzsuche und den Massen Sonnenschirm, Kühlboxen und Klappstühlen bewaffneter Menschen, die sich karawanenartig Richtung Strand bewegen, ändere ich meinen Plan und beschließe, der Küste vorerst den Rücken zu kehren und nach direkt La Chèze zu fahren. „Dann bin ich eben etwas früher da…“, denke ich und stelle das Navi auf seinen neuen Zielort ein.