Italy, July 2012 – Slideshow

Pool

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Alle diese Fotos habe ich mit meinem Mobiltelefon aufgenommen. Viel Spaß!

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All these photos were taken by my mobile phone. Enjoy!

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Summertime

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Nun, die Zeit verrinnt, doch sie ist gefüllt mit Neuem, Umwerfendem, Nie- Gedachten. So die Einsicht, dass oft die Fantasie nicht ausreicht und die Realität einfach schneller und klarer ist. Nie Geträumtes wird auf einmal wahr und ist immer noch nicht zu begreifen. Die Sonne scheint in jeden Winkel meiner Seele, doch so werden dann eben auch die Schatten sichtbar. Alles hat seinen Preis. Jede Medaille, so hoch sie einen dekorieren mag, hat ihre zwei Seiten. Aber man kann ja einfach die beliebtere Seite nach außen tragen. Und so ist das Leben dann wieder schön und einfach und fühlt sich natürlich an. Für Glück gibt es keine Vorschrift bezüglich von Angaben des Verfallsdatums. Nirgendwo prangt ein Etikett: „Mindestens haltbar bis…“ So könnte man sich einfacher auf den erneuten Verlust einstellen. Aber muss es überhaupt verfallen? Ja, ich weiß, Glück setzt sich aus einzelnen Momenten zusammen, wie eine Linie  aus einer Unzahl von einzelnen Punkten gebildet wird. Und trotzdem ist Glück nichts Lineares. Es unterliegt einer nicht zu berechnenden Kurve. Und das ist auch gut so. Ich möchte wie jetzt einfach in den italienischen Tag hineinleben. Offen sein für das, was sich hier und jetzt bietet. Es ist Stoff genug, um eine Menge wunderbarer Erinnerungen zu schaffen für die Zeit, die noch bleibt. Später dann. Wo auch immer. Mit wem auch immer. So wie jetzt mit dem Blick zurück. 33 Jahre alte Parallelen wachen auf. In dieser Erinnerung lebt immer noch ein unvergleichlicher, heißer Sommer voller Träume und Lebensgier. Und hier und jetzt ist der Sommer wieder so heiß und Träume gibt es reichlich und die Lebensgier ist ungesättigt. Ja, ich nehme mir diesen Tag und die nächsten beiden an diesem Ort. Dann wird es wieder anders und auch das wird seinen Reiz haben. Es lebe die Leichtigkeit dieser Sommertage im Mezzogiorno für das Nun. Und für das Dann wird sie immer einen Platz in meinem Herzen haben.

Connected

Connected (zur Musik auf das Foto klicken)

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Es ist ein schönes Gefühl, wenn man plötzlich bemerkt, alles richtig gemacht zu haben. Eine schallende Ohrfeige an alle Zweifler. Der Glaube versetzt Berge oder über eben diese. Und wenn es dann noch die Alpen sind auf dem Weg in das Land, in dem die Zitronen blühen, ist das an sich schon eine feine Sache. Und dann vergisst man den kalten Start und erfreut sich an der warmen Landung, sitzt in diesem Café, lacht und fragt sich, warum man eigentlich noch einen Rückflug gebucht hat. Es ist doch gut so, wie es ist. Warum es denn gleich schon wieder ändern? Die innere Uhr bewusst zum Bremsen bringen. Die üblichen 60 bpm auf die Hälfte reduzieren und schon verdoppelt sich der Lebensgenuss. Der Puls wird geschmeidig und lässt sich auch nicht von diesem hervorragenden italienischen Espresso aus der Ruhe bringen. Händeschütteln, Fragen, Lachen, Antworten. Sprachgewirr. Es sind sowieso nicht die Worte, die zum Verstehen führen. Es ist ein gemeinsamer Geist, der uns zusammenführt, das Wissen um ein gemeinsames Tun und Interesse. Es ist kein Traum, man braucht mich nicht zu kneifen. Im vollen Bewusstsein sauge ich diese Momente des Glücks ein, um jeden ihrer Winkel genüsslich auszukosten. Gesten, Blicke, die Verbindungen herstellen. Und am Tag nach dem grandiosen lauten Glück folgt der Abend des weitaus stilleren Wohlbefindens. Irgendwo in der Mitte vom großen bergigen Nichts tut sich eine Oase auf, die allerlei Leckereien bereit hält. Dazu Weingläser, die sich fast wie von selbst füllen. Immer noch sind es über 25 Grad Celsius. Die Nacht senkt sich auf uns, der Vollmond gesellt sich dazu und es zeigt sich ein fantastischer Blick auf die Lichter der Tiefebene. Eine innere Ruhe erfüllt mich. Nicht denken möchte ich an die Hektik, die mir woanders sicher schon wieder auflauert. Es gelingt mir. Denn das Hier und das Jetzt geben mir die nötige Kraft. Und das Lächeln und die Worte zum Abschied lassen mich wissen, dass ich verbunden bin mit Menschen, von denen ich mir wünsche, sie noch oft zu treffen. Leben, so liebe ich dich!

Umbrisches Tagebuch – Teil 11 – 09.02.2010 – Von Porto Recanati nach Ancona

Sirolo - Ein Blick zurück - gewiss ohne Zorn

Sirolo - Ein Blick zurück - gewiss ohne Zorn

An diesem vorletzten Tag meiner Italien Stippvisite macht sich irgendwie in mir das Gefühl breit, dass dies wieder einmal der berühmt- berüchtigte Tag zu viel ist. Buchungstechnisch war dies nun einmal anders nicht üblich. So krieche ich förmlich die letzten 25 Kilometer bis Ancona zurück.

Ich nähere mich dem Örtchen Sirolo und dem Monte Conero, der über 500 Meter über das Meer ragt.

Nachdem ich das Einbahnstraßengewirr durchblickt habe, finde ich endlich den befahrbaren Zugang nach Sirolo. Vor der Kirche finde ich einen Parkplatz. Der Blick auf die unten liegenden kleinen Sandbuchten ist wunderschön. Fotos können dies nur schwerlich und ungenügend darstellen. Trotzdem klickt meine Kamera mehrmals, ich will nichts unversucht lassen, dieses Panorama auf die Speicherkarte zu bannen, um es mir so für später zu bewahren.

Sirolo - Gelateria

Sirolo - Gelateria

 Ein paar kleinere Geschäfte, eine Gelateria, ein paar Restaurants, Hotels, ein Campimgplatz. Atmosphärisch enge Gässchen. Ein netter, ruhiger Ort zum durchatmen und verschnaufen. Dazu so ganz anders als die modernen Betonwüsten, von denen ich im wahrsten Sinne mittlerweile genug (gesehen) habe. Alles liegt im Dornröschenschlaf und scheint auf den Weckruf der kommenden Urlaubssaison zu warten

 Bei meinem weiteren Weg biege nach rechts ab, um mich nach Portonovo zu begeben. Hier ist natürlich auch alles verlassen, an sich ein schönes, idyllisches Strandfleckchen, dem der fragwürdige Stempel der Zivilisation in Form von herunter gekommenen Strandbuden und weit verteiltem Müll aufgedrückt wurde. Zum weiteren Verweilen lädt mich dieser Ort dann auch nicht gerade ein.

Portonovo

Portonovo

 So bin ich etwa 20 Minuten später im dicksten Staßengewimmel von Ancona. Was man kennt, das kennt man, denke ich und parke wieder auf der Piazza Carlo e Nello Roselli gegenüber dem Bahnhof.

 Die Signora an der Rezeption des Hotels Gino erkennt mich wieder, gibt mir aber mit einem Lächeln zu verstehen, dass alles belegt sei. Dieses wiederum vermag ich nicht zu glauben, da das gesamte Haus ziemlich ausgestorben wirkt.Nun denn. So marschiere ich stracks ins nächste Hotel am Platze, wo ich ohne Umschweife sofort ein Zimmer bekomme. Das Hotel Fortuna liegt dem Bahnhof direkt vis-à-vis. Das Zimmer im dritten Stock ist ok. Die riesige Bahnhofsuhr, teilt mir mit, dass es 13.35 Uhr ist.

Ancona - Bahnhof

Ancona - Bahnhof

Zeit genug, ein wenig das Viertel zu erkunden. Entlang der Piazza gibt es ein Internetcafé, ein paar Imbissbuden, einen kleinen Lebensmittelladen, einige kleinere Restaurants. Weiter stadteinwärts stoße ich auf einen Supermarkt.

 Ein Besuch im Internetcafé, um mal so nach dem Rechten zu sehen. Nachdem, was mich ab morgen wieder – und das weiter nördlich – erwartet.

Ich beschließe in Rücksichtnahme auf die sich immer weiter leerende Reisekasse, mir mein Abendmahl individuell zusammenzustellen und auf einen Restaurantbesuch zu verzichten. So erstehe ich einige Scheiben Käse, Salami, zwei Tomaten, Weißbrot, ein Schälchen Antipasti mit Oliven und Peperoni, eine Flasche Wasser und eine Flasche Rotwein.

Mit meiner Beute in der Plastiktasche gehe ich zurück ins Hotel. Das Ganze hat gerade mal sechs Euro gekostet.

Auch ein solches Abendbrot macht satt und schmecken tut es obendrein.

Gegen elf sinke ich ermüdet in die Kissen, denke noch irgendwas und schlafe darüber ein.

Ancona - Hotel

Ancona - Hotel

Gegen sechs bin ich wieder putzmunter, nehme eine heiße Dusche und bereite mein Gepäck für den Rückflug vor.

Umbrisches Tagebuch – Teil 10 – 08.02.2010 – Von Roseto nach Porto Recanati

 

Adria

Adria

Montagmorgen in Roseto. Nach dem Frühstück begleiche ich meine Hotelrechnung. Der Internetladen macht erst um 10Uhr auf. Am Ortseingang habe ich gestern einen ziemlich großen Supermarkt gesehen. Wenn ich unterwegs im Ausland bin, schaue ich mir gerne die Konsumtempel des Landes an. Außerdem ist meine Lesebrille gestern zerbrochen, Ersatz ist gefragt.

 Die Obst- und Gemüseauslage ist wie in allen mediterranen Ländern üppig und bunt. Ich ziehe vorbei an der Wurst- und Fleischabteilung dann an der Meeresgetiertheke, um schließlich an Käsestand zu verharren und die verschiedenen Duftnoten durch meine Nase rieseln zu lassen.

 Das Angebot im Weinregal ist förmlich erschlagend. Meine Wahl fällt schließlich auf eine Flasche Bardolino, die sogleich in meinen Einkaufswagen wandert.

 Eine passende Lesebrille finde ich dann auch noch und irgendwie ruft mich der Wurststand magnetisch zurück, wo ich mir dann noch eine kleine Salami mit Walnüssen und Trüffel zulege. Zwei Panini und ein paar Tomaten müssen auch noch sein und die Vorfreude auf ein kleines Strandpicknick im Laufe des Tages nimmt ihren genüsslichen Lauf.

 Dann fahre ich zurück ins Stadtzentrum von Roseto. Im Internetcafé rufe ich meine Mails ab, zum Glück ist nichts allzu Dramatisches dabei, ein paar liebe Grüße aus der Heimat beantworte ich mit ein paar lieben Grüßen in die Heimat.

Danach gibt es eigentlich nichts mehr, was mich hier hält. Mir ist klar, dass es nicht einfach werden wird, die zirka 130 Kilometer bis Ancona über zwei Tage zu verteilen.

Adria

Adria

So gehe ich die Strecke gelassen gemütlich an. Halte hier und dort, mache ein paar Fotos, trinke Kaffee und lasse mir so richtig Zeit und somit es mir genau so richtig gut gehen. Fern ab jeglicher sonst implantierten Hektik. Ich spüre, dass dieser Rhythmus mir gut tut, ich kann die momentane Freiheit genießen.

Am Nachmittag verschwinden die Wolken zusehends und die Sonne scheint schüchtern, jedoch recht freundlich, durch die Reste.

Porto Recanati

Porto Recanati

Die Adria wird dennoch bestimmt nicht zu meiner Lieblingsküste. Die Bauschandtaten vergangener Jahrzehnte wissen genau das mir zu vermiesen. Hier wurde gebaut, frei nach dem Motto: „Wie bekommt man möglichst viele Menschen zugleich an einem einzigen Ort unter?“ Die Antwort sind die Touristensilos wie man sie schon von der spanischen und der der belgischen Küste her kennt. Und die bekommen allesamt von mir ein „Nein Danke, muss ich nicht haben, will ich nicht haben!!“

So laden mich all die Orte entlang der Küstenlinie nicht gerade zum längeren Verweilen ein. Eine rühmliche Ausnahme bildet Porto Recanati. Der Ort macht einen in sich gewachsenen Eindruck, einzig eine riesige Bettenburg verunziert, das Ende der für Autos gesperrten Strandpromenade.

Porto Recanati

Porto Recanati

 Bis Ancona sind es nur noch 25 Kilometer. So beschließe ich, mir hier oder in der Nähe eine Bleibe für die Nacht zu suchen.

Die Quote der offenen Hotels ist hier nicht allzu hoch, so werde ich erst 6 Kilometer weiter nördlich von Porto Recanati fündig.

Egal. Mit meinem Bardolino, den Panini, den Tomaten und der Salami und meinem Multifunktionsmesser mache ich mich auf zum Strand.

Gut, dass ich einen Pullover und die Jeansjacke angezogen habe, die Lufttemperatur hat inzwischen reichlich gelitten.

Porto Recanati

Porto Recanati

Mein Abendbrot genieße ich mit Meeresblick, weit und breit kein Mensch zu sehen. Die Dämmerung setzt ein, ein wenig durchgefroren bin ich mittlerweile auch, also gehe ich zurück in mein Hotelzimmer, das einen Fernseher bereit hält, auf dem man wiederum ARD und ZDF empfangen kann. Es gibt einen Krimi im ZDF, dessen Ende ich nicht mehr mitbekomme, da ich da längst schon im Tal der Träume verweile.

Solche Tage so gänzlich ohne Termine oder Verpflichtungen sind seltsamerweise ebenso ermüdend wie die mit. Oder ist es die über Monate gewachsene Erschöpfung, die sich jetzt schleichend einen Weg bahnt, da die Widerstände sanft erlahmen?

Mitten in der Nachtausgabe des „Heute Journals“ werde ich wach. Der Wetterbericht verheißt in Deutschland erneute Schneefälle und weitere Minustemperaturen.

Doch all dies ist noch weit weg, genauer gesagt 36 Stunden und um die 1500 Kilometer. Mit ausgeschaltetem TV- Gerät schläft sich’s auch gut. Morpheus nimmt mich wieder in seine längst wieder ausgebreiteten Arme und ich versinke in meinen Träumen, von deren Inhalt ich später nach dem Erwachen mal wieder nichts wissen werde.

Die morgendliche Dusche tut gut und bringt den Kreislauf wieder in Schwung. Das Frühstück ist üppig heute. Ein kleines Büffet wartet auf mich, ich scheine der einzige Gast zu sein.

Frische Panini, Croissants, Käse, Marmelade, Salami, Schinken, Joghurt und Müsli, Kaffee und Orangensaft. Hmm. So lasse ich mir eine „prima colazione“ durchaus gefallen.

In dem Moment, in dem ich gerade ein Croissant der Länge nach aufschneide, meldet sich lautstark mein Handy. Was mich überrascht.

Es ist meine liebe Kollegin D., die fragt, wann ich denn mal wieder zur Arbeit zu kommen gedenke. Man würde schon Sorgen machen und mich obendrein doch so sehr vermissen. Ich muss lachen und erzähle froh gelaunt, dass ich noch in Italien weile, gerade beim Frühstück bin und der Flieger mich am nächsten Tag erst wieder nach Norden trägt. „Hast du es gut, ich wäre jetzt auch lieber in Italien als hier an diesem blöden Schreibtisch.“

Dienstagmorgen

Dienstagmorgen

Es ist Dienstagmorgen. Ein kleiner Fischkutter stampft laut dieselnd aufs mit Dunst behangene Meer hinaus.

Umbrisches Tagebuch – Teil 9 – 07.02.2010 – Roseto degli Abruzzi

 

Strandburg einmal anders

Nach der Saison ist vor der Saison. Man muss eine der Bahnunterführungen nehmen, um direkt an den Strand der blau besungenen Adria zu gelangen. Die Bahnlinie trennt die Küstenstraße vom direkten Zugang. Und blau ist sie nun beileibe nicht, die Adria, eher grau und heftig wellig bewegt. Ok, wir haben gerade Anfang Februar, seltsam, dass man dem Süden, zu dem Italien nun mal zweifellos gehört, so gar keinen Winter zugesteht. Der Temperaturzeiger markiert 6 Grad Celsius, immerhin über Null.

Im Hotel- TV konnte ich im Wetterbericht sehen, dass der Norden des Landes im Schnee versinkt. Selbst die Toscana ist weiß bedeckt. Weiße Dächer in Florenz. Der Winter hat Europa immer noch fest im Griff.

Warum also murren oder hadern? Ein paar Spaziergänger mit oder ohne Hund und Jogger mit oder ohne Stirnband nutzen den Sonntagmorgen für ihre Aktivitäten.

Je mehr ich in mich hinein horche, umso mehr spüre ich, dass ich gar keine Lust habe, weit zu fahren. So beschließe ich in Roseto, das keine 10 Kilometer nördlich von Pineto liegt, Station zu machen. Dieser Ort gruppiert sich lang gezogen im Prinzip um die Via Nazionale. Es gibt ein paar Parallelstraßen rechts wie links.

Im Sommer wird hier wohl die touristische Hölle sein. Davon ist natürlich heute nicht viel zu bemerken. Ein Gruppe Kirchgänger verlässt das Gotteshaus Santa Filomena.

Blick vom Hotel

Nach einigem Suchen finde ich ein offenes Hotel direkt an der Strandpromenade. Der Übernachtungspreis liegt bei vorsaisonalen, erschwinglichen 30 Euro. Ich beziehe mein Zimmer im 2. Stock mit Balkon und direktem Meeresblick. In der Hauptsaison kostet dieses Zimmer das Doppelte, wie mich ein bedrucktes Din A Blatt an der Innenseite der Eingangstür belehrt.

 Eine unwiderstehliche in mir aufkeimende Müdigkeit lässt mich sanft aufs Bett kippen und nach wenigen Minuten bin ich im Reich der Träume.

So gegen zwei Uhr bin ich wieder wach, schultere die Kameratasche und mache mich auf einen kombinierten Strand- und Stadtbummel.

Roseto - Strand

Roseto - Strand

Ein mittelstarkes Windchen bläst vom Meer aufs Land. Die Luft ist frisch und tut gut. Sie schmeckt ganz leicht salzig. Ich atme durch, fühle mich wohl.

Die letzten Tage waren so prall gefüllt mit Erlebnissen und Begegnungen. So bin ich froh, jetzt endlich Gelegenheit zu haben, dies allmählich zu verdauen.

Vielleicht klingt das verrückt, aber ich genieße es, wieder allein zu sein und Abstand zu bekommen. ´Distanz ist wichtig, um gerade die schönen Dinge wertschätzen zu können. Im Trubel der zahlreichen gleichzeitig auf einen einwirkenden Ströme kann man das gar nicht wertschätzen. Jedenfalls kann ich das nicht. Jetzt ist die Zeit, alles zu sortieren und das „Merkwürdige“ zu fundamentieren.

Ab und zu bleibe ich stehen, wenn mir ein interessantes Motiv auffällt, um es dann mit der Kamera aufzufangen und fest zu halten.

Eine Menge Treibgut, Müll und Hundekothaufen haben sich angesammelt im Sand, in dem im Sommer sich tausende Sonnenhungrige auf ihren Badetüchern und Liegen aalen. Die Strandbuden sind verwittert und wirken verwahrlost. Die Farbe blättert ab. Werbeflächen sind ausgeblichen und kaum noch lesbar. Türen sind aus vom Rost angefressenen Schlössern gesprungen. Fensterscheiben zu Bruch gegangen. Strandmatten flattern  zerfleddert im Ostwind.

Roseto - Strandidylle

Roseto - Strandidylle

Die Hörer meines MP3- Players drücke ich in die Ohren. Die Zufallswiedergabe ist eingestellt. Als erstes erwische ich Maurizios «I Like  It Like That». Ich muss schmunzeln. Es ist noch keine 24 Stunden her, dass ich den Titel live gehört habe. Dieser Song ist ein wenig „retro“ angehaucht. Er könnte aus den Fünfzigern stammen. Maurizio’s Gitarre klingt stellenweise sehr „italienisch“ nach Mandoline. Der Titel hat den unverhohlenen Charme einer Epoche, in der viele Deutsche sich erstmalig in ihren VW- Käfern mit dem Gepäck auf dem Dach wieder über die Alpen trauten, in den Süden, in die Sonne, nach Italien, eben an die Adria. Ich stelle mir eine Gelateria von damals vor, junge Leute, eine Jukebox und dann Ray’s Stimme, die warm und sanft ist und mit leichtem Knistern unterlegt und bei der Textzeile „Drowning in the river of love“  ganz tief nach unten geht.

Nach zwei, drei Kilometern Strandwanderung biege ich nach rechts und damit stadteinwärts. Die Hauptstraße ist wie ausgestorben. Auf der anderen Straßenseite schlufft ein alter Mann mit tief ins Gesicht gezogenem Hut das Trottoir entlang. Ich sehe eine Mutter mit Kinderwagen, ein paar gelangweilte Jugendliche, die ziel- und lustlos eine zerbeulte Coladose vor sich her kicken.

Roseto - Bahnhof

Roseto - Bahnhof

Die zahlreichen Geschäfte sind geschlossen. Selbst der Bahnhof wirkt ausgestorben. Klar an einem Sonntagnachmittag. Ein paar Cafés und eine Eisdiele sind geöffnet. Die Stimmung erinnert an eine verlassene etwas modernere Westernstadt. Es fehlen lediglich ein paar verdorrte Kakteen, die vom Wind getrieben über die Straße wehen.

In einer Seitenstraße mache ich ein Internetcafé aus, das ebenfalls geschlossen ist. Um seine Existenz, Lage und Öffnungszeiten zu wissen ist allerdings eine gute Sache, so beschließe ich, am folgenden Tag erneut herzukommen, um mit meinem anderen Leben wieder einmal Kontakt aufzunehmen.

Als ich ins Hotel zurückkomme, bemerke ich, dass im Restaurant einige Leute sitzen. Es ist also offen. Ich habe mächtig Hunger, so setze ich mich an einen freien Tisch. Auf die Frage, ob ich hier etwas zu essen bekommen kann, antwortet der Ober: „Ma si, Dottore!“, und legt mir die Speisekarte hin. Für 12 Euro kann ich ein komplettes Menü bekommen. Also her damit! Gemischter Salat. Weißbrot. Penne alla rabiata. Piccata alla Milanese. Dazu eine Halbliterkaraffe mit Wasser und eine mit Rotwein. Als Dessert noch Panna Cotta mit Johannisbeeren gefolgt von einem dieser tiefschwarzen Kaffees und einem Grappa („Kill the coffee and do it the old grappa way…“) und Herr Gardner ist zufrieden, hoch zufrieden.

Roseto - Notte

Roseto - Notte

Genau in diesem insgesamt „runden“ Gefühl begebe ich mich auf mein Zimmer. Das italienische Fernsehprogramm ist ganz übel durchsetzt mit fürchterlichen Shows, die allabendlich über die Bildschirme flackern. Nichts für mich, so höre ich noch etwas Musik und irgendwann bin ich dann im Reich der Träume.

Umbrisches Tagebuch – Teil 8 – 06.02.2010 – Von Gubbio nach Pineto

Mark DuFresne & Sugar Ray Norcia

Mark DuFresne & Sugar Ray Norcia

Es muss so gegen drei Uhr sein, als die Karawane dann endlich aus Gubbio aufbricht.

Kurze Regenschauer begleiten uns. Wir fahren dieselbe Strecke durch die Apennin- Ausläufer zurück, die mich in diesen schönen Ort geführt hat. Jetzt wird mir Maurizios Anspielung auf die Geschwindigkeit klar: Er heizt ganz schön durch die bergige Landschaft, aber mein kleiner Miet- Panda hält tapfer mit. Kurz vor Ancona geht es dann südwärts auf die Autobahn A14, die sich an der Adria entlang schlängelt.

Unterwegs nach Pineto

Unterwegs nach Pineto

Unterwegs ist ein Treffpunkt an einer Raststätte ausgemacht. Kaffee, Süßgebäck. Gio kauft noch eine 3-fach CD von Duke Ellington für 7,95 € für einen seiner Schüler, der wissen wollte, was Swing ist. „Hier hat er alles, was er für den Anfang wissen muss.“, pflichtet Ray ihm bei, als er auf die Titelliste geschaut hat.

 Als wir in Pineto ankommen, ist es bereits dunkel. Eine kleine Irrfahrt durch den Ort, dann haben wir es gefunden, das Teatro Polifunzionale.

Plakat Pineto

Plakat Pineto

Erwartet werden wir schon von Vincenzo, dem Initiator der Konzertreihe «Green Hills In Blues – Winter Editiom 2010».

 Irgendwer muss ihn über meine Anwesenheit informiert haben, er kommt freudestrahlend auf mich zu und sagt in Deutsch zu mir: „Guten Abend Tony, ich freue mich, dich kennen zu lernen.“ Ich bin ein wenig verdutzt, aber Vincenzo erklärt mir, dass er in den 60-ger Jahren in Süddeutschland gelebt hat und dort als Musiker getingelt ist.

Wir räumen Instrumente, Zubehör und Verstärker in den Saalbau. Dazu müssen wir in den ersten Stock. Es gibt einen Aufzug. In diesem ergibt sich folgende Situation: Mark, Alberto und ich, alle drei nicht gerade Leichtgewichte, dazu noch die Orgel, ein Flightcase und Ray. Ray drückt den Knopf zur ersten Etage.

 Der Lift ruckelt ein wenig beim Anfahren und macht seltsame Geräusche. Ray schaut uns an und zieht die Augenbrauen hoch: „Wieviele Kilo schafft der?“ Alle müssen laut lachen. Nur der Aufzug nicht. Der ächzt und zieht uns brav in die Höhe.

 Aufbau, kurzer Soundcheck, Ray spielt «Feeling Blue» an, Alberto hat sich entschlossen nur die Bassbegleitung zu spielen. Und so aufs Wesentliche minimiert, passt es, es klingt einfach toll.

 Es ist noch Zeit, so fahren wir zum Einchecken ins Hotel. Dort wartet auch schon das Abendessen. Verschiedene Speisen stehen zur Auswahl: Spinat, Prinzessbohnen im Speckmantel, Salate, Fleischklöpse in Tomatensoße, Spaghetti a la Carbonara, Weißbrot, dazu Wein in Karaffen und Wasser.

 Und wieder plärrt von irgendwoher im Hintergrund der Fernseher. Aber dem messen wir keine Bedeutung bei. Unsere Unterhaltungen liegen im Lautstärkepegel leicht darüber und werden wie immer hier und da durch Lachsalven durchbrochen.

 Mark fährt mit mir und in meinem Panda durch die abendlichen Straßen zurück zum Theater. Der Saal ist bedauerlicherweise nicht einmal zur Hälfte gefüllt.

Lorenzo Piccioni

Lorenzo Piccioni

 Als Opener fungiert Lorenzo Piccioni, ein junger Gitarrist, der auf seiner Akustikgitarre Blues und Artverwandtes präsentiert.

Vincenzo

Es ist schön und tut gut, immer wieder auf Menschen zu treffen, die sich jeder auf seine Weise dem Blues verschrieben haben. Vincenzo kündigt das Maurizio Pugno Trio mit einem Enthusiasmus an, dem sich wohl keiner der Zuhörer entziehen kann. Mir geht dies genauso, obwohl ich nicht jedes Wort im Detail verstehe, bekomme ich doch mit, was mit welchem Elan er sich hier vor Ort einsetzt, um Spektakel wie dieses in diese Gegend zu bringen. Der Blues sei ihm wichtig und Veranstaltungen wie diese ebenfalls und sein Stolz sei groß, einige der besten italienischen Protagonisten dieser Musikrichtung hier präsentieren zu können. Dass zusätzlich noch zwei Blueskoryphäen der US- amerikanischen Szene mit auftreten, erfülle ihn mit einer riesigen Portion Freude. Toll sei auch, dass eigens aus Deutschland jemand angereist sei, um das Ganze zu dokumentieren, jemand von einem Bluesradio, dem es genauso wie Vincenzo selbst darum ginge, dem Blues eine Plattform zu bieten. Ich höre dies und bin wohl zu sehr mit dem Verstehen seiner Worte beschäftigt als mit ihrem Inhalt. So stehe ich plötzlich im Schweinwerferkegel und gleichzeitig auch etwas neben mir, höre Applaus, bin ebenso überrascht wie gerührt und verneige mich winkend vor dem werten Publikum.

 Genug der Worte. Nun wird es allmählich Zeit für die Musik: Maurizio, Gio und Alberto eröffnen instrumental, Mark kommt dazu winkt wieder mit seinem Aluflachmann, täuscht einen tiefen Schluck daraus vor greift sich das Mikro und los geht’s.

Alberto Marsico

Alberto Marsico

 Im Prinzip ist es die gleiche Show wie am Vorabend, im Sound ein wenig abgespeckt zwar, da der Bläsersatz und Bass fehlen. Letzteren kompensiert Alfredo quasi „mit Links“. Die Setlist wurde in wenigen Punkten geändert. „Feeling Blue“ beispielsweise kommt mit minimaler Instrumentierung so richtig groovy vin der Bühne.

 Kurzum dem Publikum gefällt’s. Dementsprechend laut ist auch der Beifall.

Gio Rossi

Gio Rossi

 Gio Rossi bietet während seines Schlagzeugsolos wieder einmal eine gelungene clowneske Einlage, die dieses Mal ganz anders ist als am Vorabend.

 „Niemals denselben Gag zweimal, das Publikum merkt das zwar nicht, ich mache das aber auch für die Band.”, erzählt er mir später. Ja, die Band hatte ihren Spaß und das Publikum ebenfalls.

 Einige CDs können nach dem Konzert verkauft werden, ich verteile noch einige JJBR- Karten an Leute, die mich interessiert darauf ansprechen.

 Dann kommt schon der erste große Abschied. Vincenzo hat einen Fahrer organisiert, der Mark nach Rom zum Airport bringen wird. So bleibt Maurizio noch etwas Ruhe und Zeit, um  Ray dann um sechs Uhr in der Früh ebenfalls nach Rom zu bringen.

 Auf dem Parkplatz verabschieden wir Mark. Wir fahren zurück ins Hotel. Ein Grappa als Absacker noch, dann der nächste Abschied: Maurizio und Ray sagen „Ciao und Goodbye“. Gio, Alberto und ich verabreden uns für 10 Uhr zum Frühstück.

 Dann verschwinden alle ermattet auf ihren Zimmern.

 Beim Frühstück erzählt Alberto, dass die meisten Hotels hier in der Gegend nur deswegen geöffnet sind, weil noch viele der Erdbebenopfer aus den Abruzzen seit April 2009 hier immer noch in Hotels untergebracht sind.

 Dann wird es auch Zeit für die Beiden aufzubrechen. Ein weiterer herzlicher Abschied folgt.

 Mir bleibt auch nur, das Gepäck aus dem Zimmer zu holen und zu zahlen.

 Von nun an bin ich wieder alleine unterwegs. Es ist Sonntagmorgen in Pineto. Die Stadt ist wie ausgestorben. Es nieselt leicht. Am Mittwoch geht mein Flieger. Also noch genügend Zeit, etwas von dem Land, in dem (irgendwann später) die Zitronen blühen, kennen zu lernen.

Strand bei Pineto

Strand bei Pineto

 Ausgefeilte Pläne habe ich nicht. Ich werde einfach die Adria- Küste gen Norden hinauf tingeln. Bis ich dann wieder in Ancona bin. Am Mittwoch. Spätestens.