2. Bretonisches Tagebuch Teil 3 – 17.08.2010 bis 18.08.2010 St. Quay de Portrieux

Bucht bei Paimpol

Bucht bei Paimpol

St. Brieuc hat auf die Schnelle keinen freien Parkplatz für mich und da mir im Moment überhaupt nicht nach Stadtgetümmel ist, begebe ich mich gleich wieder weiter nach Norden Richtung Binic und St. Quay de Portrieux.

In Binic werde ich zunächst einmal in einen ausgiebigen Stau gebunden, Geduld ist gefragt, denn die Ortsteingangsampel lässt nur jeweils ein paar wenige Fahrzeuge passieren.

In St. Quay ist die touristische Hölle los, achtsames Fahren ist gefragt, da weniger achtsame Fußgängermassen bisweilen ohne sich umzuschauen auf die Straße treten.

Ein Belgier hält bei grüner Ampel mitten auf dem Zebrastreifen an, um Madame nebst Pummeltochter in Hotel- oder Boutiquenähe aus dem Wagen zu lassen. Ein wenig Abschiedsgewinke, dann geht’s auch schon weiter, zumindest für ihn und bei Rot, was die Grün habenden mit einem unharmonischen Hupkonzert quittieren.

Ein Grinsen kann ich mir nicht ersparen.

Das Schild mit der Aufschrift „Camping Bellevue“ ist sehr niedrig angebracht, ich entdecke es relativ spät im Kreisverkehr, also drehe ich eine Ehrenrunde und nehme die entsprechende Ausfahrt.

Die Straße zieht sich noch etwas hin, dann geht es im 90 Gradwinkel in die Einfahrt zum Gelände.

Der Mensch an der Rezeption lässt auf sich warten, warum das so ist, begreife ich, als er das junge Pärchen vor mir abgefertigt hat: Er schwingt sich aufs Fahrrad und zeigt ihm wie jedem Neuankömmling seinen Stellplatz.

Service auf der einen Wartezeit auf der anderen Seite.

Mein Platz liegt auf der terrassenförmig angelegten und dem Meer zugeneigten Seite. Von hier hat man einen wunderbaren Ausblick auf die Felsnasen und Buchten Richtung Norden. Hier kann man’s aushalten.

Camping Bellevue

Als Abendmahl bereite ich mir in der Pfanne die Crevettes zu mit ordentlich Knoblauch und in Olivenöl, dazu gibt es einen herrlich mundenden und dank meiner Kühlbox wohl temperierten Gris und Weißbrot.

Der Wind weht mit leichter Wucht, so ist das Kochen auf der Gasflamme ein Kunststück. Ich baue mir aus dem Tisch, den ich schräg auf eine der beiden Bänke kippe, einen Windschutz. Den Gaskocher stelle ich dahinter auf die andere Bank. Somit ist der Wind weitestgehend ausgetrickst.

Gegen 3 Uhr bin ich wach, krabbele aus dem Zelt und finde mich unter einer riesigen Sternenkuppel wieder, kein Wölkchen am Himmel, atemberaubendes Panorama.

Da ich putzmunter bin, schreibe ich meinen Blogeintrag. Tagsüber zu schreiben, ist im Freien schwierig, da ich au dem Laptopmonitor kaum etwas erkennen kann. So sitze ich wie auch jetzt in meinem „Caroffice“ und tippsele munter vor mich hin.

Die Tastatur spinnt hin und wieder mal, da werden Textpassagen urplötzlich wie von selbst markiert und verschwinden gänzlich oder der Cursor springt willkürlich an eine andere Stelle im Text und wenn man nicht aufpasst, schreibt man eben dort weiter.

An diesem Mittwoch, der das Datum 17. August 2010 trägt, mache ich einen Ausflug an alt vertraute Plätze, von denen ich nicht mehr allzu viel wiedererkenne. Alles auf frisch getrimmt, so viele Neubauten. Nicht meine Welt, jedenfalls nicht die von damals.

Strand in Perros- Guirec

Aber heute ist heute und ich bin froh, wieder in der Region zu sein. Sie ist recht abwechslungsreich.

Paimpol, Perros- Guirec, Ploumanach, Tregastel liegen auf meiner Route. Hin und wieder halte ich an, um Fotos zu machen wider das Vergessen und für die Erinnerung.

Einen krzen Stopp mache ich noch in Runan. Die alte Kirche der Tempelritter ist ein zu schönes Fotomotiv.

Kirche in Runan

Gegen 18Uhr bin ich zurück auf dem Campingplatz. Meinem Hunger begegne ich mit Merguez und Spaghetti, eine etwas ungewöhnliche Kombination, aber durchaus sättigend.

Morgen ist der 19. August, dann fängt in La Chèze das Festival „Blues au Château“ an und ich werde dort sein, um alte Freunde zu treffen und neue Freundschaften zu schließen.

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The Water Is Wide

The Water Is Wide

The Water Is Wide (zum Musikclip aufs Foto klicken)

Die ewige und heute ausgesprochen sanfte Brandung, quirlige, weiße Schaumkronen, die sich ein letztes Mal brechen, bevor sie im Takt des Wellengangs an Land geworfen werden. In sich aufgelöst. Der Sand ist weich, jeder Fußabdruck wird vom salzigen Wasser gleich wieder glatt gespült. Ich sehe mich, wie ich gemächlich den fast menschenleeren Strand entlang spaziere. Ohne Ziel. Einfach nur so von hier nach dort. Einfach nur, um etwas zu tun. Das Warten allein genügt nicht mehr. Das drängende Bedürfnis ist da, es auszufüllen. Dieses Überbrücken von unerfüllter, sehnsüchtiger Zeit. Dir ein paar Schritte näher zu sein. Wie weit kann man sehen? Bis zum Horizont. Dahinter geht es ja bekanntlich weiter. Doch die Erdkrümmung verhindert den Blick darauf. Flut, Ebbe, Flut, Ebbe. Ich zähle die Gezeiten und bin unterwegs in der Zeit. Auf der Da-Muss-Ich-Durchreise. Mitten drin im schalltoten Dazwischen. Stagnierend und trotzdem in permanenter Bewegung und schon nicht mehr im gestrigen Da und auch noch nicht wieder im morgigen Dort. Der Wind, der von der anderen Seite des Ozeans kommt, ist leicht streichelnd, ja fühlbar beschwingt. Er flüstert mir leise, kaum hörbar zu „Komm, ich erwarte dich.“ Doch das Wasser ist weit und ich werde es nicht schaffen, hinüber zu schwimmen. So bleiben mir das unstete Wandeln und das ungeliebte, ungeduldige Warten in Ruhe und in Unruhe gleichermaßen. Die Sonne steht bereits tief und sie wird bald untergegangen sein, als orange- roter Feuerball. Völlig klischee- und postkartengerecht. Hinter meinem Horizont. Für dich wird sie dort weiter scheinen. Noch etwa sechs Stunden lang.

Bretonisches Tagebuch: Teil 1: Erste Urlaubstage – Normandie bis Cancale

Boote in FécampCancale 17.08.2009

Gelandet. Gott bin ich nicht, aber zumindest wieder in Frankreich, das heißt, nicht ganz, ich bin in der Bretagne. Es lebe der kleine Unterschied. Der Tacho zeigt 847 km Wegs. Alles ist glatt gelaufen. Kleinere Staus an den Péage- Stationen sind verzeihlich, immerhin haben wir in Frankreich noch Hauptferienzeit.

 Dementsprechend voll sind die Campingplätze, in St. Valréry en Caux musste ich dann auch gleich eben wegen „überfüllt“ passen. Sei’s drum ich habe tollen Ersatz gefunden, ein paar Kilometer weiter, auf den Klippen von St. Pierre….

 Die Kameratasche nebst Inhalt gepackt und bis zum Rand der Klippen. Tolle Aussicht auf das Meer. Meer, endlich wieder Meer! Der Geruch archaisch vertraut, erwünscht und herbeigesehnt.

 Warum nicht den steilen Weg hinunter bis zum Strand? Weil der Weg hinauf mindestens genau so steil ist. Ach, was soll’s…

Hier ein Foto, da ein Foto. Drei junge Menschen, die sich in die Fluten stürzen. Warm wird das Wasser nun gerade auch nicht sein. Respekt!

 Der Weg hinauf verführt zur Schnappatmung, der ich dann munter fröne. Meine Waden werden härter, der morgige Muskelkater ist mir gewiss.

 Ermattet sinke ich auf die Matratze im Auto. Hier will ich sein, hier geht’s mir gut. Ich schließe die Augen, ein paar Gesichter huschen vorbei. Eins immer wieder und immer wieder ganz deutlich.

 Werde ich träumen? Wovon? Ein Traum wird doch gerade wahr. Einer. Ja der, mahne mich und der andere? Ich mahne mich weiter und zwar zur Geduld.

 Irgendwann, so kurz nach 22Uhr döse ich über meinen Träumen sanft ein. Irgendwann, so kurz nach vier Uhr dreißig werde ich wach. Durst. Ich suche nach der Wasserflasche. Der Sichelmond scheint mir durchs linke Fenster. Tausende Sterne funkeln. Ein paar kleinere Wolken ziehen vorbei.

 Mir geht’s gut.

 Irgendwann werde ich wieder wach und es ist schon hell. Der gesamte Himmel ist ein wolkiges Grau getaucht. Von aufgehender Sonne keine Spur. Hm.

 Die Uhr zeigt kurz nach sieben. Ich drehe mich noch einmal herum. Normalerweise wäre es Zeit zum Aufstehen. Der Kölner Nachbar ist auch schon munter. Drei-, viermal schließt er sein Auto auf, Türen knallen, er schließt wieder ab. Die Blinker tun das, was sie am besten können: Sie blinken und das jedes Mal.

 Irgendwann ist es acht Uhr. Ich denke an die, die gerade zur Arbeit rollen, krabbele aus dem Auto, strecke und recke mich vorschriftsmäßig und spüre meine Waden. Oha. Nichts mehr bin ich gewohnt. Vielleicht lässt sich ja in den nächsten Tagen daran etwas ändern.

 Ein Blick auf die Karte. Cancale wird das Tagesziel. Vor 13 Jahren entdeckt. Mit Blick auf den zwischen Normannen und Bretonen jeweils für sich reklamierten Mont St. Michel.

Pont d'Avale001_resize

Falaise d'Aval

 Hier sitze ich nun, ei einem Glas Cinsault, Rosé, fast Gris. Nach einigen Irrungen und Wirrungen rund um Caen, aber mit erfolgreichem Besuch eines Carrefour, der mir neben diesem äußerst schmackhaften Cinsault auch noch das dringend benötigte Campinggas, einen Camembert, Moutarde de Dijon, eine Baguette, ein paar Tomätchen, ein 10- Pack Kronenbourg bescherte.

 Zuvor habe ich noch in Étretat Halt gemacht, Fotos vom Falaise d’Aval , der Strandpromenade, den Standpromenierenden, den Beschäftigten des Strandcafés, die emsig Tische und Stühle aufstellen, die Softeismaschine auf Trab bringen.

Pont de Normandie

Pont de Normandie

 Toll auch wieder der Ritt über den Pont de Normandie, dieser atemberaubenden Brückenkonstruktion bei Le Havre, kurz bevor die Seine ihr wohl verdientes Ende im Meer findet. Die fünf Euro Wegezoll ist dies an Achterbahnfahren erinnernde Erlebnis allemal wert.

 Um meinem Muskelkater zu trotzen, bin ich eben einige 1000 Meter an der bretonischen Seilküste entlang balanciert. Habe Fotos gemacht.

 Zurück auf dem Campingplatz, wo in der gegenüber liegenden Nachbarschaft das Patriarchat freudige Urständ feiert: Er: „Zwei Dinge, die ich jetzt unbedingt benötige: Das französische Wörterbuch und ein Glas von dem Rotwein!“

 Und sie bringt ihm brav beides und er doziert im Weiteren über den Unterschied zwischen „sale“ (schmutzig) und „salé“ (gesalzen), zwei Wörter, die sie bei ihrem nächsten Einkauf besser nicht vergessen haben sollte.

Sonnenaufgang

 Cancale. 18.08.2009 Um 7:14 war ich pünktlich zum Sonnenaufgang über der Normandie wach. Der rote Ballon hob sich relativ schnell und zog eine Spieglespur in der Bucht von Mont St. Michel.

 Ich war heute im Ort und habe den einzigen dortigen Internetverbindungspunkt gefunden. Dem Office de Tourisme und dessen netten Angestellten  sei Dank. Das Café heißt „Carpe Diem“, was in französischer Aussprache erst einmal verstanden sein will. Nach einer beherzten Nachfrage habe ich verstanden und nicht nur den Tag ergriffen, sondern auch die Datenleitung. 27 Emails lauerten auf mich, keine eigentlich wichtig. Nun denn.

 Dann bin ich noch zum Port de Briac, der weniger ein Hafen als vielmehr eine kleine schnuckelige Badebucht ist. Wie häufig hier im Nordteil der Bretagne findet man von den Gezeiten abgeschroffte Felsen, dazwischen grauen, rauen Sand und eher weniger die gülden gefärbten Strände, dazu müsste man sich in den Süden bewegen. Das Wasser ist klar, ein paar Motor- und Segelboote haben in der Bucht festgemacht, Kinder, Frauen, Männer auf großen Badetüchern frönen dem Sonnenbad. Andere planschen in seichter Ufernähe.

 Gegen drei bin ich zurück auf dem Campingplatz, fühle mich irgendwie hundemüde, breite die Picknickdecke aus, zwischen Zelt und Auto, lege mich darauf und bin sogleich im Pays des Rêves, im Land der Träume.

 Es ist angenehm warm, zirka 24 Grad Celsius. Eine sanfte Brise weht vom Meer herüber. Der Magen meldet sich mit der Wehklage: Hunger. Ok. Ok. Ich mach ja schon.

 Die Cipollata brutzeln munter in der Pfanne, ich suche den Senf. Irgendwo wird, ja muss er doch sein. Ich finde ihn dort, wo ich ihn nicht vermutet hatte: In der Kiste mit denn Nahrungsmitteln.

 Der Wein des Abends ist ein „Chemin des Olivettes“, er ist eher schwarz denn rot und stammt aus dem Languedoc. Ich habe ihn gestern im Carrefour erstanden, dem alten Trick folgend: Schaue, welchen Wein die ansässige Bevölkerung kauft, vertraue und kaufe desgleichen. Gesagt, getan und Treffer. Treffer in der Mitte des guten, aber bezahlbaren Weingeschmacks.

Immerhin habe ich es geschafft, die Picknickdecke zu zähmen und wieder sach- und fachgerecht aufzurollen, das, was letzthin noch ein Problem schien, ist somit keins mehr.

 Morgen geht es dann nach La Chèze, dem eigentlichen Ziel und Grund der ganzen Reise. Das Festival beginnt dort am frühen Abend.

 Vorher habe ich noch eine kleine Reise zu den Plätzen, den Wohlbekannten, meiner Jugend geplant: St. Malo, Dinant, Dinard, Cap Fréhel, Erquy, St. Brieuc. Alles werde ich wohl nicht schaffen. On verra. Mal sehen.

 21:39. Allmählich dunkelt es ein. Die diversen Kochgerüche verflüchtigen sich mit der immer noch recht milden Sommerbrise und machen dem Meergeruch wieder Platz.

 Ich bin nicht Gott, aber wieder in Frankreich. Auch er würde sich hier wohl kaum besser fühlen. Alles ist gut. Doch Wünsche hat man, habe ich immer. Beim nächsten Mal dann vielleicht.

Bretagne

Bretagne 1996

Bretonische Küste 1996

Bretagne

Bretagne 1996

Bretomische Küste 1996