Le Sud

Provence

Thomas lächelte die Kellnerin an, als sie ihm den Café au lait brachte. Sie schien in ihren Gedanken verloren, das Lächeln erreichte sie wohl nicht. Thomas war seit gestern Mittag in der Stadt. Sein Herz machte einen Freudensprung, als er auf den Bahnsteig trat. Vor ziemlich genau vierzig Jahren war er zum ersten Mal hier gewesen. Damals mit seinem dunkelgrünen Renault 4 und eine ganze Menge Leben im Gepäck. Thomas zog seinen Trolley über den holprigen Belag. Das Geräusch der Rädchen nervte bereits nach 15 Metern. Er brauchte keinen Stadtplan, um zum Hotel zu gelangen. Alles war noch so vertraut. So machte er einen kleinen Schlenker zur Rotonde und nahm den Weg über den Cours Mirabeau. Für einen Moment schienen Zeit und Herz gleichzeitig still zu stehen. Auf den ersten Blick hatte sich nichts Merkliches verändert. Die alten Häuser, die alten Platanen. Die Cafés, die Restaurants. Die Geschäfte, die Banken. Die Hektik auf der Straße, das Fußgängergetümmel. Bunte Filmclips der Erinnerung zogen vor seine Augen.

Und jetzt saß er in einem Korbsessel mit grünen Polsterkissen. Der Frühling machte sich schon mächtig breit, der Duft von Aufbruch, von Neuem, von Unahnbaren. Er überprüfte sein Smartphone nach neuen Nachrichten. Nichts. Erleichtert nahm er einen Schluck Kaffee zu sich und schaute sich um. Sonnenbrillenwetter.

Noch eine viertel Stunde. Es war mal wieder eine dieser verrückte Ideen, auf die er sich da eingelassen hatte. Er kramte ein Foto aus der Jackentasche. Das Foto hatte etwas gelitten. Er prägte sich das Gesicht auf dem Bild noch mal ein. Als ob er das vergessen könnte! Die Kellnerin stand drei Tische weiter und unterhielt sich lachend mit einem jungen Mann.

Thomas blickte suchend um sich herum und verspürte ein ganz leichtes Kribbeln im Bauch. Er spürte wie eine Hand sich von hinten auf seine Schulter legte. „Hallo, ich bin Susanne. Thomas?“ Thomas zuckte leicht, aber äußerst erfreut zusammen. Susanne strahlte ihn an. „Toll, dass es geklappt hat.“

Ein Blind Date, für das beide zirka 1000 km gereist waren, nur um dem Frühling ein Stück näher zu sein.

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