Smile

Arrival

Smile (zum Musikclip aufs Foto klicken)

Wenn man sich zu schnell und unbedacht in den eigenen vier Wänden bewegt, kann es durchaus sein, dass man schnurstracks vor eben eins dieser vier Mauerwerke läuft. Dieses passiert wahrscheinlich dann, wenn man eigentlich lieber in der großen, weiten Welt herumgondeln würde, anstatt den urlaubsreifen Zwangsstubenhocker zu geben. Der aktuelle Gedanke ist ganz einfach: „Ich will raus hier!“ Dann steht man auf einem Flughafen und drückt sich die Nase platt an der Glastür mit der Aufschrift: „Abflug“. Nur zu gerne würde man dies als kategorischen Imperativ begreifen und schon denkt man sich klammheimlich das nötige Ausrufezeichen hinzu. Und nichts wie weg mit dem nächsten Flieger, egal wohin, nur weg. Neid kommt auf bei mir beim Anblick all derer, die im Besitz einer gültigen Bordkarte sind und fröhlich lächelnd die Kontrolltür passieren. Nein, das tut zu weh. Den Schmerz spüre ich und das sind genau jetzt  meine Empfindungen. Aber es gibt ja noch eine Alternative. So begebe ich mich in den Bereich mit der Aufschrift: „Ankunft“. Hieraus einen Imperativ zu lesen, ist ohne weiteres schon gar nicht erst möglich. Nicht einmal durch Hinzufügen eines Ausrufezeichens. Und die meisten Menschen, die ihr Gepäck durch diese Türe schieben, haben ihren Urlaub nun hinter sich und müssen zurück in ihre eigenen vier Wände. Das macht die Situation gleichwohl sympathischer. Und die milchigen Schiebetüren öffnen sich und drei Kids stürzen auf ihre Britisch sprechende Oma los. „Welcome home, grandma!“ Eine vermutliche Geschäftsfrau mit ebenso strengem Blick wie strenger Frisur zieht ihren peinlichst auf das Jackett abgestimmten schwarz- weiß karierten Trolley hinter sich her. Eine Gruppe von Jugendlichen lässt sich von einem anderen Jugendlichen und dessen grauhaarigen Begleiter in Empfang nehmen. Deutsches Pigeon English meets Cockney. Babelgebabbel. Auch ohne Turm. Dann zu guter Letzt, nach einer schieren Endlosigkeit, in der mehr oder weniger bizarre Gestalten durch die Tür treten, scheint die Pforte schneller aufzufliegen als sonst und mich trifft dein Blick und zaubert mir dieses eine, ganz bestimmte, Freudenlächeln ins Gesicht und das Herz schlägt wieder einmal in erhöhter Taktzahl und im Nu schmelzen die Reste von drei Wochen und 6000 Kilometern zu einem Moment für die Ewigkeit auf null.

Airport

Airport

Airport (zum Musikclip aufs Foto klicken)

Es ist Juli, der Vierzehnte. In Frankreich ein symbolträchtiger Nationalfeiertag, der an den Sturm auf die Bastille im Jahre 1789 erinnert. In Nordrhein- Westfalen fangen heute die Sommerferien  an und genau dieses Bundesland bekommt heute in Düsseldorf eine neue Regierung, die mit einer Stimme unter der absoluten Mehrheit antritt. Ein Kraft- Akt der besonderen Art. Das Parkhaus am Landeshauptstadt eigenen Flugplatz ist reichlich mit PKW gefüllt. Und das, wo die Stellplätze nicht gerade als wohlfeil zu bezeichnen sind. Typischer Fall von Monopolismus. In der Abflugsabfertigungshalle herrscht reges Treiben. Lautsprecherdurchsagen in verschiedenen Sprachen. Noch mehr verschiedene Idiome unter den hunderten Menschen, die hier umherlaufen. Ein Mineralwasser und ein Bitter Lemon mit Blick auf die Geschäftigkeit eines internationalen Airports. Versorgungsfahrzeuge: Tankwagen, Gepäckzüge, Stapler, Männer in Sicherheitswesten, ein Jet, der startet, ein anderer, der landet. Etwas Zeit bleibt noch. Gedanken an gestern, an das Konzert, die Stille auf der Fahrt zurück, als mir allmählich bewusst wurde, dass dieser jetzt im Moment aktuelle Zeitpunkt unweigerlich näher rückt. Meine Scherze klingen dumpf und aus der Verlegenheit geboren. Wir haben es ja gewusst, sind darauf eingestellt und wissen es immer noch. Hände berühren sich. Fingerspiele. Die Worte kullern immer schwerer über meine Lippen. Noch einmal die Promenade der Geschäfte und Speiselokale auf und ab. Hand in Hand. Arm in Arm. Die Uhr tickt. Time is marching. 12:40 Uhr. Das Handgepäck ist leicht. Worte machen es auch nicht schwerer. Denke ich. Eine kleine Schlange vor dem Security Check. Du drehst dich mehrmals um. Winken. Es wird einiges an Zeit vergehen, bis ich wieder hier oder ein paar hundert Meter versetzt stehe. Bis dahin fliegen meine Gedanken mit. Auf den anderen Kontinent.