Sunday Morning

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Es ist das erste Mal dieses Jahr, dass die Sonne mich weckt. Und das am frühen Sonntagmorgen. Durch mein Fenster scheint sie wie sie nur Mitte Mai scheinen kann mir mitten ins Gesicht. Ich wage es nicht, mein Geicht im Kopfkissen zu vergraben. Wenn auch noch reichlich verschlafen, genieße ich den Moment. In unseren Breiten hat sie sich  rar gemacht in letzter Zeit. Die Sonne. Draußen herrschen morgendlich frische Temperaturen um die 4 Grad Celsius. Die Eisheiligen eben. Leichter Bodenfrost war letzte Nacht sicher nicht auszuschließen. Darüber hinaus ist noch Mutter- und Wahltag in unserem Bundesland NRW. Seit ein paar Wochen passiere ich die Wahlplakate der Alles-Anders-und-damit-besser-machen-Wollenden. Die Umsetzung dieser Programmatik wird wohl ebenso zweidimensional und öde verlaufen, wie es die Werbeposter darstellen. Diese Gesichter! Grinsen uns an neben einem mehr oder doch eher weniger aussagekräftigen Slogan.  Vor jeder Wahl frage ich mich, ob man das für derartige Werbekampagnen investierte Geld – Steuergeld wohl gemerkt – nicht besser anlegen könnte. Wer bitte wählt eine Person oder Partei nach der auf Pappkarton aufgezogenen Visage oder Parole? Wie da von Plakatwänden und Laternepfählen auf uns herabgegrinst wird, lässt mich grausen. Natürlich bin ich kein Wahlverweigerer, ich werde wählen gehen, wenn die Kirchgänger das Wahllokal wieder verlassen haben. Soviel Zeit kann sein. Noch vor 18 Uhr werde ich brav meine beiden Kreuze gemacht haben. Das ist irgendwie wie Lottospielen. Da macht man auch seine Kreuze, ein paar mehr zwar, gibt den Zettel ab und hofft, dass man jetzt endlich das Richtige gemacht hat und die rosigen Zeiten quasi direkt vor der Tür stehen. Und wie oft heißt es dann wieder Pustekuchen, war wohl nichts? Die Sonne hat sich gerade auch wieder hinter die grauen Wolken verzogen. Gedanken huschen durch mein Hirn. Worte, die ich in den letzten Tagen und Nächten gelesen, geschrieben, gehört oder gesagt habe, blitzen wieder auf. Meine Augen sind gerichtet auf die kleinen Dinge im Alltag, die genau diesen erträglicher machen, meine Ohren hören einer Stimme zu, die so unbekannt vertraut ist. Und ich wundere mich mal wieder über nichts und alles und freue mich des aktuellen Lebens. Und was Wahl- und Lottoschein mir bescheren…. Ach lassen wir das…

Perfect Day

Perfect Day (zur Musik aufs Bild klicken)

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Es gibt Plätze, die gut tun und der Weg dorthin ist immer lohnenswert. Sogar wiederholt lohnenswert. Es ist ein Tag gemacht für mehr als bloßen Alltag. Und es ist ein perfekter Tag und ich bin froh, ihn mit dir zu verbringen. Zumindest zu einem Viertel. Dazu ist es noch der Sommeranfang. Ein Gläschen Weißwein an dem See, den ich „Lake Charles“ taufe . Einen Happen von der Quiche vom Vortag. Die Sonne lässt sich und uns Zeit. Vögel zwitschern, Frösche quaken, im Bauch gluckert dieses Glücksgefühl. Die Seeoberfläche glättet sich zusehends. Ab und zu springt ein Fisch in kleinem Bogen für Sekundenbruchteile kurz aus dem Wasser. Ich lasse einen Kieselstein über das Wasser hüpfen. Vier-, fünfmal setzt er auf, bevor ihn die Schwerkraft nach unten zieht. Wenn wir sprechen, sprechen wir leise, passend zur Feierlichkeit dieses unvergleichlichen Moments. Viele unausgesprochene Fragen, sie beantworten sich wie von alleine. Blicke treffen sich. Ich tauche ab ins Gedankenlose, bin nur noch Gefühl und spüre deinen Kopf auf meiner rechten Schulter. Ja, es ist ein perfekter Tag, weil er so leicht ist und stimmig, friedlich und leise. Weil du da bist und ich da bin. Nach und nach rötet sich der Himmel über den Uferbäumen auf der gegenüberliegenden Seite. Die Sonne wandelt sich in einen gelblich- roten Ball, der sich auf dem See spiegelt. Das Leben pulst an diesem Montagabend im Juni 2010 durch meine Adern wie schon lange nicht. Es ist Mittsommernacht. Und kein Traum. Perfekt.