When The Lady Smiles

Strand

Strand

Wenn die Chancen, etwas zu erreichen, größer sind als die Angst, gleich oder selbst erst irgendwann später, wieder alles zu verlieren, warum dann noch zögern, diese sich abzeichnenden Möglichkeiten beim Schopf zu packen und sich auf sie einzulassen? Ich lausche in die eiskalte Nacht hinein, um die Ohren an die fremde Geräuschkulisse zu gewöhnen. Ein Auto fährt vorbei. Kurze Zeit später ein Motorrad. Es war ein schöner Abend, der zweite in Folge. Die Musik. Die Menschen. Gespräche. Das Lachen. Das eine unschlagbare Lächeln. Diese drei Worte in einer anderen Sprache, die mein Ohr aufgesogen hat, um sie direkt ins Herz weiter zu leiten. Noch einmal nippe ich an dem Rotwein und hole eine zweite Decke aus dem Alkoven des Wohnmobils. Praktisch, wenn man keine 200 Meter hinter der Konzerthalle steht. Tür auf und man verklappt sich aus der turbulenten Welt hinaus ohne Umschweife in die frostige Einsamkeit der Nacht hinein. Ich hätte es anders haben können, diese Nacht. Doch in meinem Dickkopf ist alles längst so geplant, wie es jetzt auch ist. Ein paar Fußgänger kommen vorbei. Ihren Stimmen nach sind sie noch jung. Mein Blick fällt auf den Wecker. 1:58 Uhr. Die Müdigkeit besiegt allmählich meine Gedanken, die um das Gewesene, das Gesagte und Gehörte kreisen, um dieses einnehmende, offene Lächeln. All das nehme ich mit in meine Träume, die mich so an bisher nicht verwendetem Zusatzmaterial meines Lebens teilhaben lassen. Zu dem real Erlebten mischt sich so mancher geheime, unausgesprochene Wunsch mit der Fantasie des eventuell Möglichen. Ich sehe mich wieder vor Bühnen, aber auch über abgeerntete Stoppelfelder und durch lichte Pinienwälder spazieren, spüre den warmen Dünensand unter den Füßen, sehe in Augen, die in meine blicken. Diese Augen! Wende mich davon ab und werde wieder unhörbar eingefangen von diesem Lächeln. Dann sehe ich mich plötzlich wieder auf der Suche nach meinem ganz persönlichen Heiligen Gral. Ich spüre, dass ich auf dem richtigen Weg dorthin bin. War ich je auf dem falschen? Eine Hand streckt sich mir entgegen und eilig, beinahe hastig, ergreife ich sie. Sie ist warm und weich und ich weiß zu wem sie gehört. Ein leichter und  sanfter, und doch spürbarer Druck ihrerseits haucht mir ein selten erlebtes Glücksgefühl ein. Denn wenn die Lady lächelt, ist das wie ein Ruf, dem man nicht widerstehen kann und auch gar nicht widerstehen will. So wandele ich wie auf Wolken durch diesen Traum und lasse sie mich führen. Und aufwachen möchte ich nun erst wieder, wenn er Wirklichkeit geworden ist.