Long Time Gone

Long Time Gone

Long Time Gone

Lange habe ich nicht mehr geschrieben so wie ich es jetzt wieder tue. Worte sind genug da, es mangelt auch nicht an Ideen. Auszeiten. Auf Lauschfahrt durch einige Wochen Leben. Der eigene Puls als Echolot. Ruhe erreichen, Ruhe bewahren. Die meisten Ernten sind eingefahren. Über den Sommer mag niemand mehr reden. Der Herbst hingegen teilt sein Gold mit uns und der Himmel sein Blau. Es ist warm, angenehm warm. Und das im November, die Uhren ticken bereits winterlich, das Jahr läuft aus. Im Grunde ist es an der Zeit, wieder in ruhigere Gewässer zu kommen und damit an neue Ufer. Dazu bedarf es einer Standortbestimmung und letztendlich auch einer Zielvorgabe. Vielleicht genügt auch einfaches Sich- Treiben- Lassen. Abwarten und Tee trinken. Oder doch lieber einen guten Wein? Die Gewichtung der Dinge rückt in den Mittelpunkt. Es ist wie bei einer Waage: Das Schwere zieht unvermeidlich nach unten, das Leichte gewinnt die Höhe. So werde ich hin und her gerissen zwischen meinen Parallelwelten, zwischen dem harten Boden der Alltäglichkeit und den freien Flügen des Besonderen. Bei diesen möchte man die Flügel weit spreizen und ausgiebig schlagen und einfach davon schweben, den spürbaren und freundlich gestimmten Aufwind nutzen. Aus der Distanz und aus der Perspektive von oben das Ganze betrachten und über die winziger werdenden belastenden Dinge laut lachen. Und die dunkelste Stunde ist ja bekanntlich die vor dem Sonnenaufgang. Und so vergeht die Zeit, vieles ist schon so lange her, dass man sich kaum daran erinnert. Doch immer wieder gibt es Menschen, Dinge oder Situationen, die Türen nochmals öffnen zu den unter all dem Erlebten und ins scheinbare Vergessen Gerutschte. Das Laub raschelt unter meinen Füßen. Das einzige Geräusch neben dem meines Atems. Die Luft ist rein, das Licht ist sanft. Eigentlich wollte ich in die Stadt fahren, aber der Wald war zu verlockend. Eigentlich wollte ich nur ein paar Schritte tun, mir etwas Bewegung verschaffen und kurz durchschnaufen, doch der schmale Pfad macht mich neugierig auf das, was sich hinter der nächsten Biegung verbirgt. Pilze säumen meinen Weg, von denen ich noch nicht einmal die Namen weiß. Ich muss in mich hineinlächeln. So stapfe ich weiter und mit jedem Schritt fühle ich mich näher an der Freiheit, die ich meine.

Bretagne 2011

 

Bretagne 2011

Bretagne 2011

Zur Diashow einfach auf das Foto klicken. Viel Spaß dabei.

Die Bilder habe ich während meines Bretagne- Urlaubs im August 2011 aufgenommen.

Connected

Connected (zur Musik auf das Foto klicken)

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Es ist ein schönes Gefühl, wenn man plötzlich bemerkt, alles richtig gemacht zu haben. Eine schallende Ohrfeige an alle Zweifler. Der Glaube versetzt Berge oder über eben diese. Und wenn es dann noch die Alpen sind auf dem Weg in das Land, in dem die Zitronen blühen, ist das an sich schon eine feine Sache. Und dann vergisst man den kalten Start und erfreut sich an der warmen Landung, sitzt in diesem Café, lacht und fragt sich, warum man eigentlich noch einen Rückflug gebucht hat. Es ist doch gut so, wie es ist. Warum es denn gleich schon wieder ändern? Die innere Uhr bewusst zum Bremsen bringen. Die üblichen 60 bpm auf die Hälfte reduzieren und schon verdoppelt sich der Lebensgenuss. Der Puls wird geschmeidig und lässt sich auch nicht von diesem hervorragenden italienischen Espresso aus der Ruhe bringen. Händeschütteln, Fragen, Lachen, Antworten. Sprachgewirr. Es sind sowieso nicht die Worte, die zum Verstehen führen. Es ist ein gemeinsamer Geist, der uns zusammenführt, das Wissen um ein gemeinsames Tun und Interesse. Es ist kein Traum, man braucht mich nicht zu kneifen. Im vollen Bewusstsein sauge ich diese Momente des Glücks ein, um jeden ihrer Winkel genüsslich auszukosten. Gesten, Blicke, die Verbindungen herstellen. Und am Tag nach dem grandiosen lauten Glück folgt der Abend des weitaus stilleren Wohlbefindens. Irgendwo in der Mitte vom großen bergigen Nichts tut sich eine Oase auf, die allerlei Leckereien bereit hält. Dazu Weingläser, die sich fast wie von selbst füllen. Immer noch sind es über 25 Grad Celsius. Die Nacht senkt sich auf uns, der Vollmond gesellt sich dazu und es zeigt sich ein fantastischer Blick auf die Lichter der Tiefebene. Eine innere Ruhe erfüllt mich. Nicht denken möchte ich an die Hektik, die mir woanders sicher schon wieder auflauert. Es gelingt mir. Denn das Hier und das Jetzt geben mir die nötige Kraft. Und das Lächeln und die Worte zum Abschied lassen mich wissen, dass ich verbunden bin mit Menschen, von denen ich mir wünsche, sie noch oft zu treffen. Leben, so liebe ich dich!

3. Bretonisches Tagebuch – La Chèze – Le Conquet, 22.08.2011

Les Blancs Sablons

Les Blancs Sablons

Ich bin am Ende. Völlig am Ende. Finistère. Am Ende der Welt. Unweit von meiner aktuellen Bleibe ist die Pointe de St. Mathieu, eine der westlichsten Felsnasen des bretonischen Festlands. Weiter draußen im Meer liegen noch ein paar Inseln, Molène und Ouessant zum Beispiel.

Der Regen prasselt auf das Dach. Vor einer halben Stunde konnte ich den Untergang der Sonne sehen, die sich heute sehr bedeckt gehalten hat, nachdem sie sich am Wochenende ausgiebig ausgetobt und mir eine gewisse Röte ins Gesicht getrieben hat.

Das Festival in La Chèze ist mittlerweile seit 24 Stunden zu Ende. Es war einfach gut, nein, mehrfach gut. Einzelheiten werde ich hier immer wieder einfließen lassen. Oh, es ist schon ein mächtiger Sprung vom Trubel der letzten vier Tage hin zur Einsamkeit am Ende der Welt. Gerade überlege ich, was mich jetzt besser begleitet beim Schreiben: Ein Calvados oder ein eiskalter Muscadet.

Letztendlich gewinnt der Calvados. Draußen ist es nicht mehr lustig. Ein gewaltiger Temperatursturz ist zu verzeichnen. Die italienische Nachbarin läuft schon den ganzen Abend im Anorak herum, die Kapuze fest unter dem Kinn verschnürt. Ok, das scheint mir jetzt um einiges übertrieben, aber wer sicher andere Temperaturen gewöhnt ist, für den ist das hier gewiss jetzt der Schocker. Nun regnet’s erst einmal.

Soll es!

In meinem Schneckenhaus bin ich trocken. Zu futtern gab es heute Abend Bratkartoffeln, diese mit der roten Schale, die ich dann auch gleich dran gelassen habe. Dazu Spiegelei auf rohem Schinken.

Yumm.

Ein kleiner musikalischer Rückblick auf letzten Freitag in La Chèze:

Der Nachmittag startetmit einem weiteren Konzert von Alex de Vree und Thomas Troussier.

Dieses Mal betreten sie die Bühne auf den „Iles“, den Inseln im kleinen Flüsschen, das durch La Chèze fließt. Es ist der richtige Einstieg in einen langen Musik geprägten Tag, der noch einige Überraschungen bereit hält.

Aber davon weiß ich jetzt noch nichts, als ich den Klängen der Beiden lausche, hier und da ein Foto schieße, ein kurzes Gespräch führe.

Der Zweite auf dem heutigen Programmzettel ist Tom Attah, ein aus Großbritannien stammender Bluesmusiker. Sein Auftritt ist ein weiteres Highlight dieses Festivals.

Tom’s Art zu singen, hat schon etwas Einzigartiges. Vom tiefsten Tief seiner Bauchstimme wechselt er in die höchsten Höhen seiner Kopfstimme. Sein Gitarrenspiel sucht seines Gleichen.

Wenn er Titel von Robert Johnson spielt, wie beispielsweise „Corssroads“ oder „Terraplane Blues“, erlebt man etwas wie die Reinkarnation dieses Urvaters des Blues.

Tom Attah geht völlig in dieser Musik auf. Und er spielt ihn, um den Leuten zu erklären, was Blues ist und woher er stammt, die (Zitat) „immer noch meinen, dass Eric Clapton in den Sechzigern den Blues erfunden habe“.

Damit hat er die Lacher auf seiner Seite. Klar. Tom spielt ein tolles, vielseitiges Set.

Zum Abschluss des Nachmittags gibt es noch eine Akustik- Jam Session mit Alex und Thomas.

Sogar Steve Nimmo steigt mit ein. Hier gibt es dann noch eine Interpretation zum Dahinschmelzen von „Summertime“, Tom Attha intoniert Gershwin’s Song auf seine ihm gegebene Art und Weise. Goose bumps again.

Der Abend in der „Salle de Fêtes“ beginnt mit einem Wachrütteler und Abtanzkonzert der niederländischen Band „CC Jerome’s Jetsetters“. It’s Rockabilly- Time.

Und ab geht sie. Die buchstäbliche Post. Gleich vom ersten Akkord weiß man, wohin das bestens eingespielte Trio abzielt: Auf Bauch und Beine.

Keinerlei Zeit für Sentimentalitäten. Die Show entspricht ganz und gar nicht dem, was man erwarten könnte, wenn man ihre letzte CD gehört hat, auf der sie den Pianisten Gene Taylor begleitet haben. Wer die Musik der Stray Cats mag, ist hier bestens bedient, wenngleich es sich keinesfalls um einen Abklatsch des Trios um Brian Setzer handelt. CC Jerome & The Jettsetters spielen ihr eigenes Ding und das gut und eindringlich.

Der Applaus ist gewiss und die Zugabe ebenfalls.

Umbaupause. Gespräche.

24 Pesos…

Was soll man zu dieser Band sagen? In einem Podcast von Paul Jones (Blues Band) wöchentlicher Bluessendung auf BBC 2 habe ich sie zum ersten Mal gehört. Und war überrascht. Es ist so gar nicht, was der Purist von einer Bluescombo erwartet. Nein, um ehrlich zu sein, ich habe gar keine Erwartung an diese Band, die in Kennerkreisen so viel Aufsehen erreicht.

24 Pesos eben. Sie sind anders. Sie spielen anders. Sie interpretieren anders. Ihre Titel sind anders. Alles ist anders. Genau das bedeutet, dass sie ihren eigenen Weg eingeschlagen haben und diesen auch konsequent weiter verfolgen.

Ein Konzert der 24 Pesos ist wie eine Reise ins Ungewisse, du weißt nie, was dich hinter der nächsten Ecke erwartet. Und von diesen Ecken gibt es viele und ebenso viele Kanten, hier ist nichts geschliffen oder glatt poliert.

24 Pesos ist allemal ein Konzerterlebnis wert, die CD den Kauf ebenso und man darf jetzt schon gespannt sein auf ihr neues Werk, das gerade in der Mache ist.

Mehr zu 24 Pesos hier: http://www.bluesfocus.net/

Es ist gegen 2 Uhr in der Nacht, als ich ziemlich ausgeknockt in mein Wohnmobil krieche. Mit dem Gefühl, einen tollen Tag erlebt zu haben; schlafe ich ein.

Heute ist schon Mittwoch, der 24.08.2011. Nachdem ich nun zwei Tage auf dem Conquet zugebracht habe, geht es gleich weiter; eventuell ein wenig Küste hinauf nach Norden, aber dann wieder südwärts auf die Halbinsel von Crozon, die mir seit meinem letzten Trip hierher noch in bester Erinnerung ist.

Ein bisschen schwer fällt mir der Abschied hier schon, denn der Strand ist wirklich eine Entdeckung. Schön gelegen in einer Bucht mit Blick auf die vorgelagerten Inseln. Gestern Abend habe ich ein Sonnenuntergangshooting vorgenen. Die Bilder muss ich aber noch begutachten. Gegen acht Uhr heute Morgen schien noch die Sonne, jetzt ist schon wieder alles zugezogen. Aber auch das kann sich noch ändern.

Der Campingplatz hat zwei Sterne und auch nicht mehr verdient. Die Sanitäranlagen werden so gut wie nicht gepflegt. Dafür ist der Preis von 19,90 € für eine Person mit WoMo und Stromanschluss allerdings zu deftig.

So, jetzt wieder die Stromleine einholen, alle Schränke verriegeln, damit das Schiff wieder schaukeln kann und nichts verschütt geht.

3. Bretonisches Tagebuch – Erquy – Val- André – St. Brieuc – Loudéac – La Chèze, 18.08.2011

Va-André

Von Erquy bin ich die paar Kilometer an der Küste entlang nach Val- André gerollt. Auch hier war ich damals des öfteren.

Val- André hat sich mittlerweile zu einem modernen Badeort gemausert. Auf der langen Strandpromenade flanieren eine Menge Menschen. Die zwei Verkaufsstände mit alten Drucken, alten Postkarten und alten LPs sind immer wieder umringt von Neugierigen. Normalerweise gibt es wohl mehrere dieser Stände, wie ich aus einem Gespräch erfahre.

Endlich erlebe ich einmal einen Strand bei Flut, der Sandstreifen ist aber immer noch breit genug für all die Badegäste, die sich bereits am Vormittag hier eingefunden haben. Ich mache einen Strandspaziergang, genieße die Meeresluft und freue mich des Lebens.

Die von der Frühsonne hell durchleuchtete morgendliche Dunsthaube, die über dem Ganzen liegt, hüllt alles in ein fast unwirkliches Licht.

Bis St. Brieuc brauche ich eine knappe halbe Stunde. Hier will ich noch einmal in einem der großen Konsumtempel die Lebensmittelvorräte auffrischen, bevor es dann über Loudéac nach La Chèze geht.

Ein wenig habe ich wieder mit der Beifahrertür meines Schneckenhauses zu kämpfen, sie will sich partout nicht abschließen lassen. Mit etwas gutem Zureden und ein paar Tropfen bestem französischen Olivenöl, gibt das Schloss dann endlich seinen absurden und lächerlichen Widerstand auf.

In Loudéac, das ich nach einer weiteren guten halben Stunde erreiche, mache ich noch einmal Stopp bei einer Filiale der US- amerikanischen Systemgastronomie, gönne mir einen großen Kaffee und eine halbe Stunde gratis Internetnutzung, um schnell meine Mails abzurufen und ein paar davon gleich zu beantworten, da ich aus Erfahrung weiß, dass ich in La Chèze so schnell keine Verbindung mit der schönen Bits und Bytes- Außenwelt aufnehmen kann.La Chèze, here I come!

Das ist mein Ausruf, als ich das Ortsschild passiere.Es ist wie Nachhause kommen. Ich bin jetzt das dritte Mal hier. Die Einfahrt auf den Platz unten am Weiher liegt aus meiner Fahrtrichtung gesehen in einem ziemlich spitzen Winkel. So steuere ich meinen Mini- LKW bis ans Ende des Ortes. Dor kann man prima wenden. Erfahrungswert!

So ganz sicher bin ich mir nicht, aber ich habe so eine Erinnerung, dass im letzten Jahr diverse Kabel über den Platz verliefen, an deren Ende dann ein Woh7nmobil hing.

Meine Erinnerung täuscht beileibe nicht, es gibt tatsächlich alles hier, was das Camping- Car- Freak- Herz höher schlagen lässt: Frischwasser, Entsorgemöglichkeit und sogar Strom.

Und sogar noch einen freien Platz.Meine beiden niederländischen Freunde Zjosque und Xander haben ihre Zelte bereits am Ufer des Weihers aufgeschlagen. Vor zwei Jahren haben wir uns hier kennengelernt und sind uns mittlerweile immer wieder auf Blueskonzerten bzw. Festivals begegnet.

Das Wiedersehen ist genauso herzlich wie das mit Philippe, Ronan, Stéphane, Michel, den Jungs von Texaroma, der „Hausband“ von „Blues au Château“ und einigen lieben Menschen mehr.

Angekommen.

Blues au Château 2011

Blues au Château 2011

Das Festival wird eröffnet von Alex de Vree, einem Niederländer, der in Nantes als Englischlehrer arbeitet. Er spielt akustische Gitarre und singt. In frankreich har Alex schon diverse Preise für seine Kunst abgeräumt. Begleitet wird er von Thomas Troussier, der spielt Harp. Thomas Troussier? In meinem Kopf arbeitet etwas. Der Name kommt mir bekannt vor. Ist das nicht…? Ich frage Philippe: „Sag mal in welcher Band hat Thomas früher gespielt?“ – „Bluetones…“ Voilà! Mit Thomas habe ich vor ein paar Jahren regen Mailaustuasch über MySpace gehabt und er hat mir sogar damals die aktuelle CD der Bluetones geschickt.

Und wieder fallen mir Sean Carney’s Worte: „It’s a small blues world…“ ein. Ja, diese Welt ist klein, irgendwann trifft man sich auf dem Bluestrail.

Die Beiden spielen ein tolles Konzert „old style“. Alex’ Stimme ist stark, sein Gitarrenspiel ebenfalls und Thomas’ Harp tut das Ihrige, um die inzwischen ca. 150 Zuschauer zu erfreuen.Das ganze Szenario spielt sich im alten Schlosshof ab, es gibt reichlich zu essen und zu trinken, „Galette Saucissse“, Bier, Wein, Cidre und auch Alkoholfreies… Die Atmosphäre ist wieder einmal kaum zu beschreiben. Wohlfühlzeit ist erneut angesagt.

Wir sind in Frankreich, nein, ja auch, aber vor allem sind wir in der Bretagne. Und auf Ronan’s T- Shirt steht auf dem Rücken: „On vit en Bretagne et on aime le Blues.“ (Wir leben in der Bretagne und wir lieben den Blues.)

Der zweite Act am Eröffnungsabend wird gestaltet von Steve Nimmo, der einen Hälfte der Nimmo Brothers aus Schottland. Begleitung findet er durch Herbert (Bass) und Gwendal (Drums) von Texaroma.

Was nun folgt ist Elektroblues vom Feinsten. Steve Nimmo spielt eine fantastische E-Gitarre und ist darüber hinaus noch mit einer Wahnsinnsstimme gesegnet. Wir hören Titel aus Steve’s eigener Feder, aber auch Songs von anderen Autoren wie zum Beispiel Otis Rush.

Steve Nimmo & Texaroma

Steve Nimmo & Texaroma

Einen fulminanten Höhepunkt bekommt das Ganze, als ich dann noch Rémy, der Gitarrist von Texaroma mit auf die Bühne gesellt.  Dass Rémy ebenso ein gnadenlos guter Gitarrist ist, avon konnte ich mich bereits in den beiden Jahren zuvor überzeugen.

Ihr Titel „One Way Out“. Die Allman Brothers lassen für gefühlte 10 Minuten grüßen. Für den Titel „The House Is Rocking“ sprintet die aus Indianapolis stammende Sylvia Howard auf die Bühne.

Sie wird am Samstagabend ihr eigenes Set präsentieren. Eine quirlige, immer zu ein paar Scherzen aufgelegte junge Dame, die hier schon einmal eine kurze Kostprobe ihres gesanglichen Könnens abgeben kann.

Kurz vor Mitternacht ist der wunderbare Eröffnungsspuk der sechsten Ausgabe von „Blues au Château“ vorüber. Die Freude über den gelungenen Start ist enorm, so darf man auf die Fortsetzungen in den nächsten Tagen gespannt sein.

3. Bretonisches Tagebuch – Erquy, 17.08.2011

 

Hôtel de MorinDa ich ja Urlaub habe, habe ich mir heute einen fahrtechnisch gesehenen Ruhetag verordnet. Einfach nur abhängen, etwas schreiben, etwas lesen, etwas essen, etwas trinken, also leben wie Gott in Frankreich und ihn dabei gleichzeitig einen guten Mann sein lassen.

Morgen geht’s dann weiter nach La Chèze, wo ich zum dritten Mal in Folge dem Festival „Blues au Château“ beiwohnen werde.

Die Vorfreude ist groß, die auf die Musiker, aber vor allem die auf die lieben Freunde, die ich dort zu treffen gedenke.

Das mit dem Internet funzt, ich habe freundlicherweise eben den Zugangscode bekommen. So werde ich heute diese Texte auch in den Blog stellen können.

Nee, nee! Bloß keinen Stress!  Stressabbau ist ja die aktuelle Devise. Also halte ich mich auch daran.

12Uhr ist ja schon durch. Zeit für einen kleinen Pastis.

Sehr gute Idee.

Zum Frühstück gab es Kaffee, frisches Baguette, ein Weichkäse „Coeur de Lion“, der im Lande seiner Produktion, doch immer noch anders, also besser schmeckt als im Importland Deutschland. Wirklich und ehrlich.

Das ist ähnlich wie mit dem Olivenöl. Und ich traue mich, frech zu behaupten, dass hierzulande einige für den Export vorgesehene Produkte eigens für den Zielmarkt geschmacklich „eingestellt“ werden.

Was soll’s, derzeit sitze ich ja an der Quelle und genieße einfach die Originale. Voilà. Und den „Löwenherz“- Weichkäse begleitet bei jedem Happen ein genüssliches „Hmmmmmm!!!“

Irgendein hungriger Nachbar hat den Holzkohlegrill gezündet. Es riecht nach Brandbeschleuniger, pardon Grillanzünder, und es qualmt – hüstel, hüstel – fürchterlich.

Zum Wetter habe ich ja heute noch gar nichts gesagt: Die Mittagssonne sticht an den paar Wölkchen vorbei direkt auf die Bretagne. So kann und soll es auch ruhig bleiben. Frohlocken ist somit angesagt.

Nenne es Tatendrang, Entdeckergeist oder nur einfach schlechtes Gewissen. Eigentlich wollte ich ja nur hier direkt neben dem Campingplatz, der sich „Bellevue“ nennt, ein paar Strohrollen fotografieren (mehr gibt die „Schöne Aussicht“ nämlich nicht her) und meinen Abfall in den im Eingangsbereich befindlichen Behältern fachgerecht entsorgen (in Frankreich ist es mittlerweile üblich, den Müll zu trennen, hört, hört!!).

Den ganzen Mittwochnachmittag habe ich hier den „Paresseux“, den Faulen gegeben und einfach mal nichts getan. Sogar das Denken ist mir für seltene Momente völlig abhanden gekommen.

So schnappe ich mir die Fototasche und den prall gefüllten Müllbeutel und schluffe gen Ausgang. Da gibt es Tonnen für Papier, Plastikflaschen, Glasflaschen, Aludosen und gleich eine größere Anzahl für den Rest.

Meine Glasflaschen treffen dumpf den Boden der entsprechenden Tonne. Sicherlich war eben erst Leerung. Ich habe nur noch von dem , was man getrost unter Restmüll einsortieren kann. So öffne ich die erste dafür vorgesehene Tonne: Bis oben hin voll. Mit Restmüll, Papier, Plastikflaschen, Glasflaschen, Aludosen. Ebenso die zweite. Grinsend finde ich in der dritten endlich Platz für mein Wegzuwerfendes.

Dann gehe ich ein paar Schritte die Straße hinab, knipse die Strohballen. Ha, toll: Gegenlicht. Etwa 500 Meter weiter ein typischer Bauernhof aus Bruchstein. Ich gehe weiter. Und weiter. Irgendwann ein Schild mit der Aufschrift „Plage de St. Pabu“. Der Pfeil weist nach rechts. Ich folge. Passiere das Hôtel Morin, das aussieht wie ein früheres Kloster, ein traumhaftes altes Bruchsteingbäude.

Mit jedem Schritt weiter geht es auch weiter hinab zum Strand, den ich dann nach etwa zwanzig Minuten erreiche.

Kurz vorher gibt es noch den toll gelegenen Campingplatz St. Pabu, den ich mir sofort für etwaige spätere Aufenthalte hier vormerke. Denn, wenn er auch nicht so heißt, bietet der sicher eine „Bellevue“ und die direkt auf den Strand und das in Ebbe befindliche Meer.

Einmal wenigstens die Füße ins Wasser halten, das muss sein. Dann noch ein paar Fotos. And the only way is up. Ja, unten ist man bekanntlich ganz schnell, aber aufwärts ist immer problematischer. Ich weiß jetzt nicht mehr, was mich am meisten aufrecht gehalten hat: Der Gedanke an die anschließend kräftige und heiße Dusche oder der Gedanke an das eiskalte Bier aus dem saucoolen Frigo.

Egal. Beides habe ich inzwischen genossen. Jetzt werde ich mich der Internetzone nähern und das alles hier posten.

Futtern muss ich auch noch was…

3. Bretonisches Tagebuch – Erquy, 16.08.2011

Erquy Plage

Manches ist fest verankert und geht nicht mehr weg. Bleibt, auch wenn sich drumherum alles ändert.

 Ich und on the road.

Durch die letzten Wochen habe ich mich förmlich gekämpft. Jetzt bin ich da, wo ich sein wollte. Unterwegs in bekannten Gefilden. Les plages de ma jeunesse. Vor genau 41 Jahren war ich zum ersten Mal hier, dann wieder 1971.

 Ich suche nach Namen, Gesichtern, Geschichten, Gefühlen von damals. So richtig will mir das nicht gelingen. Einen kurzen Augenblick erliege ich der Versuchung, zu errechnen, wie viele Fluten und Ebben über diesen Strand in der Zwischenzeit hinweggegangen sind. „Lass es, du hast Urlaub!!“ Eine schallend lachende, innere Stimme ruft mich zur Unvernunft auf. Recht hat sie.

So folge ich ihr wie im Sand den Fußspuren einer Schuhgröße von etwa 42. Der Himmel ist leicht bewölkt und die Sonne findet nicht immer einen Weg durch die Verschleierung hindurch.

Die letzte Nacht habe ich auf einem Campingplatz in der Nähe von Cap Frehel zugebracht. Eine schöne Anlage in Terrassen angelegt. Leider fehlte mir zum absoluten  Glück ein Adapter für die Stromzufuhr. Für 7,50 € hat sich dieser Notstand dank eines Pro Brico Markt inzwischen erledigt.

Um 13:30 Uhr bin ich zunächst happy, den vorletzten Stellplatz auf einem extra für Wohnmobile ausgewiesenen Areal direkt am Strand von Erquy zu ergattern.

Als ich jedoch vom Bummel durch die sandige Notalgie auf den gänzlich aus grauem Asphalt bestehenden Platz zurück in mein fahrbares Domizil zurückkehre und diese leichte Depression, hier jetzt die Nacht verbringen zu sollen, selbst nach zwei Vanillejoghurt gar nicht aufhören will, stecke ich kurzerhand den Zündschlüssel ins dafür vorgesehene Schloss, glühe den Dieselmotor vor, starte mein treues Gefährt und rolle von dannen, ein paar Kilometer Fahrt und ich steuere den nächsten Campingplatz an säuberlich parzelliert (der ADAC Campingführer dürfte seine Freude hieran haben) mit Stromanschluss und ganz heißen Duschen.

Internetzugang gibt’s wohl auch, das werde ich in Bälde gleich testen.

Die Hacksteaks warten gut gekühlt im Frigo, genauso wie eine Flasche Muscadet.

Mein Laptop fungiert zusätzlich noch als Jukebox. Kurzum: Jetzt geht’s mir allerbest.

3. Bretonisches Tagebuch – Anreise 12-15. August 2011

Bon appetit :-)

3. Bretonisches Tagebuch – Anreise

„Lasst uns eine Wagenburg bauen!“ … So allmählich beginne ich die Vorteile eines Wohnmobiltouristen in ihrer Gänze zu erkennen.

Kein lästiges allabendliches Suchen nach einer geeigneten Unterkunft, sei es Pension, Hotel oder Campingplatz. Wo ich bin, kann ich bleiben. So simpel ist das. Die Betonung liegt auf „kann“. Ich habe die freie Auswahl.

Die erste regengepeitschte Nacht habe ich auf dem Marktplatz eines netten Örtchens zwischen Tôtes und Yvetot in der Haute Normandie zugebracht, die zweite bis soeben auf einem Wohnmobilparkplatz mit etwa 40-50 Gleichgesinnten an der Baie du Mont . Michel ein paar Kilometer vor Cancale, meinem eigentlichen Ziel.

Ein sonntäglicher Stau und eine gewisse Fahrmüdigkeit haben mich gestern schnell überzeugt, hier Station zu machen.

Und wenn ich mich hier so umschaue, stehen hier mobile Werte in Höhe von einigen hunderttausend Euro herum. Mein doch eher bescheidenes Gefährt fällt somit etwas aus der Reihe, was mich schmunzeln lässt.

Eine typische Ver- und Entsorgungsstation für Wohnmobilistas, eigentlich wie ein Campingplatz, nur ohne Toilettenhäuschen und Zelte.

Feststellen konnte ich gestern, dass die meisten Supermärkte sogar sonntags geöffnet haben. So konnte ich mich mit dem „Nötigsten“, sprich Mineralwasser, Käse, und einer Flasche „Graves“ versorgen.

Ein Vollkornbaguette gebacken auf nach eigenen Angaben auf traditionelle Weise und zudem der schmackhaftesten Art allerdings habe ich in einer äußerstes Vertrauen erweckenden Boulangerie erstanden.

Genaue Pläne, wie es nun weiter geht, habe ich gerade nicht. Nach all der Kilometerfresserei bin ich froh, dass jetzt erst mal, wenn überhaupt, nur kleinere Strecken warten.

Außerdem tut mir der linke Arm weh. Das kommt vom ewigen Grüßen der auf der Fahrt entgegenkommenden Wohnmobilkollegen. Denn es ist wohl (schöne) Sitte, sich kurz zuzuwinken.

Das habe ich gestern gelernt. Mautträchtige Autobahnen habe ich gemieden. Schneller als 110 Stundenkilometer macht mein Schlachtschiff so wie so nicht und die kann ich auch auf den meisten Landstraßen fahren, bis mich dann ein „Rond Point“, ein Kreisverkehr wieder aus dem Geschwindigkeitsrausch nimmt.

Nach 11 Stunden Schlaf, fühle ich mich heute Morgen frisch nach der Vollmondnacht, die auch als solche erkennbar war, denn je weiter ich auf die Bretagne zukam, haben sich die Wolken verzogen.

Heute Morgen scheint die Sonne, einige bauschige Wolken tupfen den blauen Himmel. Bilderbuchwetter.

Jetzt besorge ich mir erst einmal ein Baguette, koche Kaffee und frühstücke. Draußen!

Going Mobile

 

Going Mobile (zur Musik aufs Foto klicken)
Going Mobile (zur Musik aufs Foto klicken)

Die Börsenwerte und die Temperaturen sind im Keller, das Sommermärchen der Sommermädchen war ein Flop, die Regenvögel haben Hochsaison und der August fährt als wechselhafter April verkleidet dahin. Anscheinend haben die Beiden ja für dieses Jahr nur ihre wesentlichen Charaktere getauscht. Für Börsenwertrutschbahn und Sommermädchenpleite lassen sich ja noch Verantwortliche ausmachen. Versucht man das mit dem Wetter, fällt einem zu guter Letzt nur Petrus ein. Doch um diesen Herrn wird jetzt keine Personaldebatte vom maroden Lattenzaun gebrochen. Der kommt weiter ungeschoren davon, es sei denn, er hat sich mittlerweile bewusst eine Glatze schneiden lassen, wobei  die „Glatze schneiden, sicher eine schmerzhafte Geschichte ist, fehlt ihr per definitionem allein schon die Haarpracht. Beinahe ängstlich schaue ich bisweilen hinauf zum Himmel, an dem ich stündlich die erste Versammlung der Zugvögel erwarte, die ihr Ticket für den Süden sicher schon im Schnabel tragen. Nein, es macht nicht wirklich viel Spaß in dieser Jahreszeit. Gebratene Tauben mit Zielflugrichtung auf die reichlich gedeckte Tafel des Herren erwarte ich nun auch nicht gerade, aber so eine kleine Wachtel wäre vielleicht gar nicht schlecht. Nun denn, bevor ich nun völlig in vorherbstliche Depression abdrifte, wird allmählich  mir gewahr, dass schon ich in ein paar Tagen mir das westeuropäische Straßennetz nutzbar mache, um mich für einige Zeit dem täglichen Trott zu entziehen. So sei es denn: Mein erster Urlaub im frisch erstandenen Schneckenhaus steht bevor. So wird der Highway dann zum „Snail Trail“, Entschleunigung vom ersten Meter der Reise an, keine Hetzerei, die Ruhe wird mich in den Fahrersessel drücken, der Dieselmotor wird gemütlich tuckern. Es wird anders sein als je zuvor. Ja richtig: Ein kleines Abenteuer. Ein Wunsch, ein Traum geht in Erfüllung. Ein Reiseziel steht fest, der Rest zur freien Disposition. Ich werde es gemächlich angehen lassen. Kein Termin-, kein Zeitdruck. Ein paar lieb gewonnene Freunde wieder treffen, vielleicht einige andere dazu gewinnen. Aufs Meer schauen, die salzige Luft genießen. Musik machen und Musik hören. Essen und trinken. Schreiben und lesen. Denken und vergessen. Heute hier, morgen da. „I’m an air- conditioned gypsy, going mobile.” Und tschüss, ich bin dann erst mal weg. Aber ihr werdet von mir lesen.

It’s My Life

 

It's My Life

It's My Life (zur Musik aufs Foto klicken)

Ich lebe. Ich bin. Und manchmal denke ich sogar. An das, was ist, an das, was sein kann. Auch an das geglaubt Unmögliche. Es ist mein Leben und jeder Tag, jede Nacht reiht sich auf die Daseinsschnur wie Perlen und keine gleicht dabei der anderen. Das grelle Funkeln der Sonne, die schwarze Tiefe der Dunkelheit, der trübe Hauch des Nebels, das befreiende Lachen, das gleichermaßen befreiende Weinen, gemütliche Spaziergänge am Abend, die zahllosen Konzertbesuche, inspirierende Gespräche mit Freunden, die rasante Fahrt auf der Autobahn, genüssliches Essen, der gewachsene Mut, die Zukunft zu akzeptieren, die milde Weisheit der Vergangenheit gegenüber, die helfenden Hände, die sich mir entgegenstrecken, Herzen, die sich öffnen, das sichere Wissen um die Endlichkeit, der stärkende Wille zur Veränderung, unausgegorene Pläne für das Morgen, die pulsierende Lust am Neuen, immer wieder diese Musik, die weiter trägt, entfacht oder beruhigt. Lebenselixiere. Die alltägliche Medizin für Seele und Verstand. Dieser Sommer versinkt im Moment im Regen und im Grau und erleichtert so das morgendliche Aufstehen auch nicht gerade. Es ist mein Leben. Öffentlich wie privat. Und da möchte ich die Oberhand behalten und das tun, was ich tun möchte. Reinreden in mein Leben lasse ich mir schon lange nicht mehr. Tu das, tu dies nicht, du solltest aber mal wieder…. Nein! Da sage ich „Nein!“ Was ich tue, tue ich mit Bedacht und Ruhe. Es ist meine Verantwortung für mich selbst. Gehetzt bin ich genug. Die Geister, die ich rief. Habe ich sie wirklich gerufen? So laut, so deutlich, dass sie jetzt anfangen, in meinem Leben herumzukaspern? Sie zeigen jetzt ihre wahre Fratze und ich weiß nicht, ob ich mich mit Grausen abwenden soll oder nur einfach lachen über deren zur Schau getragene eigene Unzulänglichkeit. Im Geiste packe ich bereits meine Koffer, um zu reisen. Dahin, wo Freunde auf mich warten. Hier und dort. Das Auto ist bereits betankt für das eine Abenteuer und der Flug gebucht für das andere. Noch ein wenig Geduld und es kann losgehen. It’s my life and I do what I want…