Carbonara

Spaghetti

„Io voglio viaggiare in Italia in paese dei limoni“, so beginnt der alte Song von Spliff. Und als ich am letzten Donnerstag zur Arbeit fuhr und das Radio einschaltete, startete er gerade. Carbonara. Manchmal bekommen Songs, so alt sie auch sein mögen, einen äußerst aktuellen Bezug. Denn es gibt freundschaftliche Angebote, die kann man nicht ablehnen, zumal wenn sie aus Italien kommen. Also werde ich ein solches Gemachtes  annehmen und in die Lüfte steigen und die Alpen überfliegen. Auf ins Land, in dem, wenn auch jetzt noch nicht, denke ich mal, die Zitronen blühen. Es ist auch an der Zeit, mein letzter Besuch dort liegt nunmehr 30 Jahre zurück. Ich bin gespannt auf die Adria, auf Umbrien. Das Alles Anfang Februar, wo die Eifel ein im Schnee versunkenes Wintermärchen darstellt. Der Flug ist gebucht, der grobe Zeitrahmen ist bekannt, jetzt gilt es das alles noch zu verfeinern und auszutüfteln. Aber auch dann wird auch noch genug übrig bleiben für Spontanes. Hotels, Pensionen. Dann ein, zwei Konzerte, die es in sich haben werden. Räume voller Blues mit Topbesetzung. Eine Freude. Eine Wahre. Zu Besuch bei Freunden. Unterwegs mit Freunden. The ties that bind. Die gefestigten Bänder, aber auch Zarte, Neue. Das Leben ist spannend wie schon lange nicht mehr. Also auf nach Süden, in den Stiefel, wo Spaghetti und Pizza ganz anders schmecken und der Wein Vino heißt. Und in dem ist Wahrheit oder veritas oder verità. Salute..

PS
Ein Doppelkick auf das Foto und ihr hört den Soundtrack…

Komm zur Ru(h)r

Rur

Die Rur bei Monschau (tief im Westen)

Seit Neuestem gehören diese endwattierten Ohrreinigungsstäbchen zur stetigen und auf der Mittelkonsole immer griffbereiten Grundausstattung in meinem PKW. Auf dem Weg zu meiner Arbeitsstelle und auf dem Weg von ihr zurück versuche ich meist, mich über das jeweils aktuelle Tagesgeschehen auf dem Laufenden zu halten. Da ich in NRW lebe, ist der für mich prädestinierte Radiosender WDR2. Der Informationsgehalt ist hier wirklich auf bestem Niveau. Hier wird kritisch hinterfragt und ebenso kommentiert. Das allerdings, was zwischen den journalistischen gut aufbereiteten Blöcken liegt, leider nicht. Zumindest nicht immer. Und manchmal kräuseln sich bei mir schier die Nackenhaare und die Fußnägel im einmütigen Duett ob der dargebotenen grausig- gruseligen, mainstreamigen Musikauswahl. Wie muss da ein Musikredakteur wohl drauf sein. Das Ganze hat sicher Methode und er muss wohl alles in der gewünschten fahlen, gut verdaulichen Programmfarbe streichen. Ganz schlimm der Hispanopop. Aufgedunsene Luftblasen aus dem letzten Mallorca- Urlaub? Ganz schlimm auch diese piepsigen Top Twenty Mädels, denen von ihren Produzenten suggeriert wird, die hätten eine wahnsinnig tolle Stimme. Und sie sängen jetzt R&B. Letztendlich glauben die das und halten sich für die Größten. Nun denn, sollen sie. Irgendwie schaffe ich es mittlerweile, in den durchschnittlich drei ein halb Minuten die Ohren weitgehend unverletzt zu halten, in dem ich sie auf Durchzug stelle. Aber bei einem pathetisch- bombastischen Ohrpfropfen will mir das einfach nicht gelingen: Hierbei handelt es sich um die oft und gerne gespielte Ruhrpotthymne von Herbert Grönemeyer. Das Ruhrgebiet ist Kulturhauptstadt Europas. Herzlichen Glückwunsch. Aber der Titel  «Komm zur Ruhr» kommt so klebrig daher, dass sie sich schmerzhaft zwischen meinen beiden Hörantennen festsetzt. Bombast hoch dreizehn und das über fast sechs Komma fünf Minuten. Auf den Text will ich gar nicht erst groß eingehen. Aber sorry, was da musikalisch transportiert wird, ist schlimm, nein, schlimmer als schlimm. Ein ganzes Orchester nebst Chor, eine Drummachine, Herberts Band und Herberts Stimme schmalzen meine gut ausgebildeten Lauscher zu. Und dann kommen sie zum Einsatz, diese endwattierten Ohrreinigungsstäbchen. Als Räumkommando. Zwar nicht „vom Schaum erschlagen“, so doch vom Schmalz gequält. „Schnörkellos“ ist bei diesem Song rein gar nichts. Herbert, oh Herbert ich möchte dir zurufen: „Komm zur Ruh“. Und dazu „Komm zur Rur“, denn die fließt tatsächlich tief im Westen, wo Bochum nun mal nicht wirklich liegt. Das sagt dir einer, der genau das weiß, well er genau dort lebt und arbeitet…an der Rur.
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PS
Ein Doppelkick auf das Foto und ihr könnt euch selbst ein Ohr- und Augenbild machen von Herberts epochalem Meisterwerk machen.

On A Night Like This

Dom zu Köln

On A Night Like This

On A Night Like This

Das Herz der Großstadt schlägt laut. Ihr Puls treibt an. Die Nacht wird scheinbar nie ganz dunkel hier. Türen öffnen sich und schließen sich wieder hinter einem. Rauch gelangt in die Augen. Worte erreichen mein Trommelfell. Meine Stimmbänder formulieren Neue. Eine Hand berührt meine. Lachen im Hintergrund, Lachen im Vordergrund. Die Zeit fliegt und bleibt irgendwie stehen. Von Müdigkeit keine Spur mehr, kein Gähnen, kein Denken ans Aufhören. Hier ein Glas, dort eine Tasse. Und wieder hinausgekehrt ins Freie. Ins Frische. In den kalten Januarmorgen. Wohin jetzt? Ein neuer Platz zum Verkriechen und Wärmen lässt sich immer wieder finden. Irgendwann, ganz viel später, öffnen die ersten Bäckereien, die ersten Geschäfte und machen den 24 Stunden-rund-um-dieUhr-geöffnet-Läden wieder Konkurrenz. Une nuit blanche. So sagt man in Frankreich. Eine durchgemachte Nacht hier in Deutschland. Mal wieder so eine und wie schon lange nicht mehr und wie überhaupt noch nie. Beispielslos. Ja. Der Globus hat sich wieder weiter gedreht und eine Nacht wie diese beginnt sich einzugraben, einzugraben ins Gedächtnis, aus dem sie nie mehr hinaus soll. Tiefer und tiefer. Der Tag graut. Den Kopf und das Herz voll mit Glücksmomenten beginnt die Fahrt durch den erwachenden Samstag. Die Straßen beleben sich allmählich. Menschen sind auf dem Weg zur Arbeit. Ich bin froh, jetzt nicht mit ihnen tauschen zu müssen. Nach einer Nacht wie dieser sieht diese Welt wieder ein wenig anders aus. Freundlicher, friedlicher, liebevoller, verständlicher. Das Dasein ist wieder spürbar und gut im ruhigen Fluss. Neue und bunte Mosaiksteinchen auf dem Weg durchs Leben. Manche Tür ist noch geschlossen, manche Tür ist noch nicht bekannt. Aber es öffnen sich immer wieder welche. Tout est à l’aise. So leicht und einfach. Wie von ganz alleine.  Die Schlüssel dazu haben wir in der Hand.

Bob Dylan liefert den Soundtrack, der Doppelklick aufs Foto liefert die Version von Buckwheat Zydeco.

On a night like this
I am so glad you came around
Hold on to me so tight
And heat up some coffee grounds
We got much to talk about
And much to reminisce
It sure is right
On a night like this.

Help

Büro, Büro

Büro, Büro

Erste Hilfe
Und dann war da noch die Kollegin in der Außenstelle unserer Firma. Sie rief an und meinte, sie bräuchte unbedingt und ganz dringend Papier. Ich habe ihr dann zunächst einmal – hilfsbereit und kollegial wie ich nun mal bin – fünf Seiten gefaxt. Nein, sechs sogar. So fürs Erste. Dann habe ich ihr noch Vorder- und Rückseite eines Din A 4 Blattes eingescannt, linien- und karofrei und weiß wie Schnee, versteht sich, zumindest, wenn der gerade frisch gefallen ist,  und ihr als PDF- Datei per EMail zugesandt. Jetzt kann sie sich, wenn wieder Bedarf ist, immer welches ausdrucken. Was heute so alles möglich ist!!!  Technik sei Dank…

Snow

Snow - Mrs. Daisy bittet zu Tisch

Daisy. Oh Daisy. Du bringst mich durcheinander. Und alle anderen. Unwetterwarnungen für die gesamte Republik. Rote Warnzonen durchziehen die elektronischen Wetterzustandskarten. Daisy Hand in Hand mit Väterchen Frost, Blizzards, Schneeverwehungen und Straßenglätte. „Wenn Sie schon mit dem Auto unterwegs sein müssen, nehmen Sie reichlich Proviant mit, Decken oder besser noch Schlafsäcke.“ Im WDR wird allen Ernstes eine Grönlandexpertin befragt, wie man am besten der drohenden Kälte begegnet. Vielschichtige Kleidung empfiehlt die Dame. Nach dem Zwiebelprinzip. Mir tränen die Augen. Und mein Kopf schüttelt sich. Hallo? Im Angesicht der viel herbeizitierten globalen Erwärmung sollten wir uns doch über etwas Abkühlung und Jahreszeit gerechter Wetternormalisierung freuen. Stattdessen ist Deutschland im Ausnahmezustand. Von hier, dort und everywhere werden Hamsterkäufe gemeldet, was wollen diese Menschen nur mit all diesen possierlichen, kleinen Wesen? *) Kleintierhandlungen machen also jetzt schon das Geschäft des Jahres. Der Rasen im Garten zieht sich die Schneedecke über, ich mir die Bettdecke über den Kopf. Ich habe mir vorgenommen, das bevorstehende Chaos mit Ignoranz zu strafen. Let it snow, let it snow, let it snow. Außerdem trieft seit letzter Nacht meine Nase. Mein Niesen kommt jedes Mal einem präkarnevalistischen Tusch gleich. Dabei wollte ich doch heute nach Köln, und das nicht, um der Prinzenproklamation beizuwohnen. Doch das geht ja auch noch nächste Woche. Vielleicht ist dann auch Daisy schon Schnee von gestern und hat mein ansonsten guter Riecher sich auch wieder beruhigt und tut seinen regulären Dienst. Immerhin hat Daisy uns hier nicht zu einem Funkloch verkommen lassen. Die Außenwelt ist durchaus noch erreichbar. Ich habe sie erreicht und sie mich. Wieder ein langes, schönes Gespräch, bei dem Daisy nur eine kleine und winzige Rolle spielte. Aber davon vielleicht ein anderes Mal, an anderer Stelle, wenn wieder Gras gewachsen ist über Daisy und den Schnee. Mensch Leute, wir haben Winter, einfach nur Winter.

*) Vielleicht kommen die alle ins Rädchen für das Notstromaggregat…

As The Years Go Passing By

As The Years Go Passing By

Da gehen sie dahin, die Jahre und jetzt ist es wieder einmal eins dahin geronnen in den großen Topf der Geschichte, aus dem es kein Entrinnen mehr gibt. 2009, das für mich anfangs mit einigen schmerzlichen Einsichten verbunden war, hat sich nach deren Akzeptieren zu einer in bunten Farben schillernden Wundertüte im besten Sinne gemausert. Und diesen Schwung immer noch nutzend ist es zu Ende gegangen. Für mich ganz friedlich und mit innerer Ruhe und Gelassenheit. 2010 ist mit leichtem Schneeriesel eingetroffen. Einfach so und über Nacht im hier eher laschen Feuerwerksgewitter. In Berlin haben rund eine Million Menschen in Sektlaune und mit Trara am Brandenburger Tor gefeiert. Frau Merkel hat ihre TV- Neujahrsrede gehalten: „Unser Land hat schon ganz andere Herausforderungen bewältigt”. Aha und soso. Na dann. Bewältigen wir die neuen Herausforderungen. So unbekannt sie auch sein mögen. Landesweit und ganz persönlich und privat. Prognosen zu wagen, dazu sehe ich mich im Moment nicht in der Lage. Warum auch. „Et kütt wie et kütt“, sagt der Rheinländer und hängt gerne noch ein „Et hätt noch emmer joot jejange“ dahinter. Und genauso ist es und soll es auch sein. Ich bin Rheinländer und so gehe ich mit diesem schicksalsergebenen Vertrauen in die Zukunft. Neue Begegnungen warten und sind schon im Kalender vorgemerkt. Es ist und es bleibt spannend. Dieses neue, junge, frische Jahr 2010 ist eine offene Straße. Mit all ihren Geraden, Kurven, Steigungen und Gefällen. Glatt asphaltiert und holprig durch Schlaglöcher. Sechsspurig ausgebaut oder zu einem staubigen Feldweg verkommen. Egal. Es ist mein Weg und ich fühle mich bereit und stark, ihn zu gehen. Und dabei ist es gut zu wissen, dass man nicht alleine ist auf diesem Weg. Gemeinsam können wir mehr erreichen. In Träumen leben. Neue Orte finden. Ziele verwirklichen. Vor 30 Jahren schrieb mir Paul aus Dublin, den ich im Urlaub in Frankreich kennen gelernt hatte, folgenden freundschaftlichen Wunsch auf, an den ich mich gerade und wieder gerne erinnere:  ”May the road rise to meet you. May the wind always be at your back. May the sun shine warm upon your face, the rains fall soft upon your fields and, until we meet again, may God hold you in the palm of his hand.”  Und so soll es sein, auch im Jahr 2010.

The Sounds Of Silence

The Sounds Of Silence

The Sounds Of Silence

Ohne Worte. Richtig. Das wäre schlecht für einen Blogeintrag. Aber ich kann ja schreiben und nichts dabei sagen, ich meine sprechen. In Schweigen schwelgen und schreiben. Schweigen ist bekanntlich Gold und still ist bekanntlich die Nacht vom Vierundzwanzigsten auf den Fünfundzwanzigsten. Im Dezember. Weihnachten 2009. Es ist geschafft. Der Verpackungsmüll türmt sich unter den schon leicht nadelnden Blaufichten und Nordmanntannen. Das westliche Abendland verdaut die Feiertagsbraten, schluckt Tabletten gegen das Sodbrennen, atmet endlich befreit von Weihnachtsmarktromantik auf und rüstet zur finalen Umtauschschlacht in den im Moment brach liegenden Konsumtempeln. Zwischen den heiligen Festtagen und dem unsausweichlichen Neujahr sind nur knappe drei Komma fünf geschäftsoffene Werktage. Da ist Eile geboten. Die längste Nacht des Jahres ist passé. Draußen hält sich der brüchige und harsche Schnee der vergangen Woche tapfer bei Graden um die Null. Ein paar ruhige Tage, für mich Abstand vom Stress der letzten Wochen, ja Monate. Zeit zum Gedankensortieren. Zeit zum Aufräumen. Zeit für Klarheiten. Zu manchen Dingen kann ich nichts sagen, will ich nichts sagen, muss ich nichts sagen. Da bleibe ich tatsächlich einmal ohne Worte. Ganz vorsätzlich. Es ist besser so. Und Kräfte sparend. Alles andere wäre verschwendete Energie. Und die ist kostbar. Ich werde sie anders einsetzen. In Zukunft. Ein Blick durchs Schlüsselloch. Was dahinter liegt, in diesem unbekannten Raum, lässt sich zurzeit nur erahnen. Aber es stimmt optimistisch. Das Jahr liegt in den letzten Zügen. Und ich bin dankbar für dieses Jahr 2009. Es hat mir viel gegeben. Eine Menge Leute habe ich kennen gelernt. Neue Freundschaften haben sich aufgebaut. Alte haben sich gefestigt, wie die letzten Tage vertrauensvoll gezeigt haben. Liebe Grüße ereilen mich aus der ganzen Welt. Dank euch allen, die ihr mir zugehört habt, mit denen ich lachen und singen durfte. Das Leben tut gut. So wie es jetzt ist. So kann es bleiben. Nur früher hell und später dunkel kann es wieder werden. Und wieder etwas wärmer. Aber das wird das nächste Jahr schon machen. Andere Wünsche? Ich flüstere dir zu den Klängen der Stille: „Die Sternschnuppe ist gerade dabei, sich zu entfalten.“ Und so ist der Rest jetzt …Schweigen…

Red, Red Wine

Red, Red Wine

Red, Red Wine

Auf weißen, eisfunkelnden Straßen hat mich die Nacht wieder hierher geführt, wo Ruhe ist um mich herum. Immer noch spüre ich diese eine Hand, dann auch diese zweite Hand, diesen Körper, dessen Arme mich umschlingen, der sich gegen meinen presst. Den Atem an meinem Ohr. Sind es Sekunden, Minuten? Egal, ich weiß es  nicht, ich will es auch nicht wissen oder gar messen in Zeit. Es war da, als es war, wie es war, und es war gut, und dieser Tanz war kein Tanz um den heißen Brei, eher einer auf dem Vulkan, ein Tanz für die Ewigkeit des Verinnerlichten in den tiefsten Tiefen, eine Einheit in Takt und Musik, in Blicken sich widerspiegelndem Verstehen. One magic moment in time. Du weißt, sie starren uns an, ich weiß es und ihre seltsam verzerrten Gesichter verschwimmen im Taumel jeder erneuten Drehung. Ich denke nicht, ich bin nur. Jetzt und im Hier. Bei mir und bei dir. Auf einer ganz anderen Ebene und näher als je zuvor. Zu reden macht keinen Sinn, man müsste schreien. Die Musik ist laut. Betäubend laut. Reden ist auch nicht mehr nötig. Ich lasse mich treiben und weigere mich, die Augen zu schließen. Jedes Atom dieser Augenblicke will ich unspaltbar aufsaugen, mir einbrennen ins Gedächtnis. So kann es sein, so wird es sein. Als ich am Morgen wach werde, halte ich die letzten Traumfetzen fest, sehe mich auf einem Kai stehen, ich winke einem weißen Schiff nach.  Glücklich und innerlich aufgewühlt, drehe ich mich auf die Seite und schließe lächelnd noch einmal die Augen. Vielleicht sollte ich diesen Traum noch schnell auf eine DVD brennen, ein schönes Weihnachtsgeschenk für jemanden, der es wert ist. Wirklich wert ist.

Something In The Air

Soemthing In The Air

Soemthing In The Air (Video Clip von Tom Petty & The Heartbreakers - Doppelklick aufs Foto)

Es liegt was in der Luft. Nicht nur der von Wetterberichten angekündigte Schnee. Auch nicht der Duft von Glühwein, gebrannten Mandeln und Pfefferkuchen fein auf den überlaufenen Weihnachtsmärkten. Es ist noch etwas anderes, das mich angenehm unruhig werden lässt. Dabei sind es nicht einmal Hoffnungen, die mit irgendetwas Bestimmten verbunden sind. Es ist diffus und in alle Richtungen verzweigt. Ich  kann es nicht beschreiben. Und das, obwohl mich meine Arbeit mich fest im Clinch hält. Den Wecker, der nur seinen Job tut, verfluche ich jeden Morgen gegen 6:15 Uhr. Im Dunkeln zur Arbeit, im Dunkeln wieder zurück. Die letzten Tage waren dazu meist grau verhangen. Mehr Licht! Einiges, was ich derzeit erlebe, macht mich wütend und es frustriert zugleich. Das ewige Anrennen gegen einen Apparat, der auf stur schaltet und sich hinter Paragraphen verschanzt. Dem Menschliches nur fremd scheint. Mehr Herz und weniger Rechthaberei! Für mich ein Ausdruck tiefer Hilflosigkeit und Überheblichkeit. Und mein Kopfschütteln will einfach kein Ende nehmen. In anderen Bereichen spüre ich Aufwind, Hände werden gereicht zum Gruß, Arme öffnen sich, herzlich, Wiedersehen gefeiert und erneut ins Auge gefasst, Wünsche ausgesprochen,  Gedanken ausgetauscht, Pläne geschmiedet. Post, Telefonate, Mails, SMS: Ich freue mich über jedes Wort. Die Kommunikation funktioniert. Meine kleine Welt rückt zusammen. Sprachen vermengen sich. Wunderbare babylonische Vielfalt. Musik umhüllt mich. Auf dieser Seite des Lebens ist es friedlich, ruhig, hektiklos, entspannt, freundschaftlich, kollegial, verständnisvoll, aufmunternd, richtungsweisend, verlässlich, aufbauend. Es ist Zeit, all denen zu danken, die mich in den letzten Monaten durch den Alltag begleitet haben und die mir gerade nah und vertraut sind, an und auf meiner Seite stehen. Ihr tut mir Gutes, und ich hoffe immer, dass ich ein Stück von dem zurück geben kann. We have got to get it together…now.

Pat McManus am 16.11.2009 im Spirit of 66, Verviers (B)

Pat McManus

Pat McManus

Auf dem Weg durchs Hohe Venn Richtung Verviers höre ich quasi als Einstimmung Pat’s CD «Live…and In Time». Mit jedem Kilometer und jedem weiteren Titel steigt meine Vorfreude auf dieses Konzert. 

Patrick Frances McManus ist nicht gerade das, was man einen Frischling auf den Bühnen dieser Welt bezeichnen kann. Er stammt aus einer sehr musikalischen Familie aus Derrylin, County Fermangh, Nordirland. Mit seinen Brüdern John und Tommy spielte er in den frühen Achtzigern in der Band «Mama’s Boys» (nicht zu verwechseln mit der Band gleichen Namens von Johnny Mastro aus den USA). Phil Lynott nahm sie mit auf die Abschiedstournee von Thin Lizzy. 

Heute ist er mit Gordon Sheridan am Bass und Paul Faloon an den Drums unterwegs. Wieder einmal ein klassisches Powertrio also. 

Und dass in diesem Trio Power steckt, spiegelt schon die oben erwähnte CD wieder, sieht man die Drei auf der Bühne, bekommt das Ganze weitere Dimensionen.
Ums vorweg zu sagen: Ein Konzert von Pat McManus ist nichts für Bluespuristen. Wer aber Bluesrock mag, wobei Pat hier auch mal gerne straffere Saiten spielt, die vereinzelt schon leicht hardrockig bis metallisch klingen, ist bei diesem irischen Wirbelwind bestens aufgehoben. 

Das musikalische Menü des heutigen Abends reicht somit von hart-, bluesrockigen, bluesigen bis hin zu besten irisch- folkigen Happen. Alles bestens garniert von entsprechenden Bass- und Schlagzeugfundamenten. Ein weites Spektrum wartet auf den geneigten Zuhörer. 

Pat McManus

Pat McManus

Spielfreude und technische Klasse kann man allen drei Akteuren bescheinigen. Die erste halbe Stunde greift ein Titel in den anderen, man hat eigentlich keine Chance, zu applaudieren. Dann erst meldet sich Pat das erste Mal zu Wort, um die etwa 60-70 Leute im Publikum zu begrüßen. 

Und da ist er, dieser irische Akzent, den ich so gerne höre. Und Irisches schimmert auch immer wieder durch die Titel. «Juggernaut» zum Beispiel steht in bester keltischer Tradition. Pat pflegt hier die Technik des Tappings, und das führt er so perfekt vor, dass einem beim puren Zusehen schon leicht schwindelig wird. Vom Sound her imitiert er hier die Uilleann Pipes, die irische Ausgabe des Dudelsacks. Ähnliches bei «Big Hair». Hören kann man im Prinzip eine zweite Gitarre, die eine Harmonielinie spielt. Das kennt man von Thin Lizzy, Allman Brothers oder auch Lynyrd Skynyrd. Um nur einige zu nennen. Möglich wird das durch ein kleines Effektpedal aus dem Hause Boss, dem Super Shifter. Wirklich beeindruckend. Das spart den zweiten Gitarristen und all die Folgekosten hierfür. :-)  

Bei «Runaway Dreams», einem alten Titel der Mama’s Boys greift Pat mitten im Titel zur E- Geige und spielt hier die Fortsetzung seines Solo. Und wie! Pat grinst hinter seinem Geigenbogen hervor, ich stehe staunend einen Meter entfernt, rechtzeitig fällt mir noch ein, ein, zwei Fotos zu schießen. 

Pat McManus

Pat McManus

Als Ire hat er selbstverständlich eine besondere Affinität zum unerreichten Gitarrengott der grünen Insel: Rory Gallagher. «I Take What I Want» ist das erste Zeichen in die Richtung. Innerhalb von zwei Wochen höre ich diesen Titel zum dritten Mal live: Julian Sas und Larry Miller hatten ihn ebenfalls auf der Setlist. So groß die Lücke auch sein mag, Rory hinterlässt, umso deutlicher sicht- bzw. hörbar sind seine Spuren. Klar, die meisten Sechssaitenhelden aktueller Prägung verneigen sich immer noch vor Jimi Hendrix, aber immer mehr machen ihre Verehrung für Rory Gallagher deutlich. Gut so, weiter so, mehr davon. 

So richtig deutlich wird das in Pat’s Song «Return Of The G-Man». Textlich sind hier einige Anspielungen auf Gallagher Titel verarbeitet. Dazu beste irische, akustische Gitarrenarbeit im berühmten DADGAD- Tuning. Direkt im Anschluss «Out On The Western Plain», Huddie Leadbetter, aka Leadbelly, hat ihn geschrieben, Rory hat ihn 1975 auf seinem Album «Against The Grain» eingespielt. Pat hatte sich immer gewundert, wie Rory das auf der Gitarre spielt, bis dieser ihm das Geheimnis diseer speziellen Gitarrenstimmung verriet. „So habe ich es dann auch gelernt und kann es euch heute vorspielen.“ Was er dann auch tut. Wäre die Stimme nicht ein wenig anders, man könnte meinen… 

Natürlich weiß der gute Pat auch, wie man einen Blues spielt. «Low Down Dirty Blues» vom neuen Album «2pm» beispielsweise. Oder «Garbage Man» auch wieder à la Rory. Egal, in welches Stilgefilde Mr. McManus sich begibt, er hat das richtige und sichere Händchen dafür. 

Pat McManus

Paul Faloon & Pat McManus

Zugaben gibt es natürlich auch. Und die haben es nochmals in sich: „Manchmal spielen wir den Song, manchmal nicht. Und heute spielen wir ihn. «Black Rose» von Thin Lizzy.“ Wer den Song kennt: Hier perlen diverse irische Melodien durch die Saiten der roten Paul Reed Smith. Auch hier wieder authentische Harmonieläufe. Verblüffend dieser Sound. Thin Lizzy‘ s back in town…. Pat’s Stimme kommt der von Phil Lynott sehr nah. 

Leute, ich gebe es zu: Ich bin fertig mit der Welt. Das hatte ich hier und heute nicht erwartet. 

Aber wenn du denkst, eine Steigerung ist nicht mehr möglich, dann solltest du nicht zu einem Pat McManus Konzert gehen. 

Der wirklich krönende Abschluss resultiert aus einer eher traurigen und tragischen Tatsache: Am 16. November 1994 verstarb Pat’s Bruder Tommy. Also auf den Tag genau vor 15 Jahren. Anlass genug «Free Bird» anzustimmen. 

Es gibt die volle Breitseite. Irgendwie schafft es Pat, alleine das zu spielen, wozu Lynyrd Skynyrd drei Gitarristen brauchen. Jedenfalls kommt es mir so vor. Egal, ob beim Slide- oder Standardspiel. Ich bin hin und auch weg. 

Nach dem Gig stehen wir noch länger zusammen, Pat erzählt von Irland, den Rory Memorials, auf denen er spielt, Drummer Paul und Bassmann Gordon gesellen sich dazu. Alle drei strahlen über jeweils beide Backen. Sie sind hoch zufrieden und begeistert von der Atmosphäre heute Abend im Spirit of 66. 

Und die war außerordentlich gut. Und das an einem Montag! 

“Thanks a million…”, so verabschiedet sioch Pat von mir. Und ich denke, dass ich diese Worte schon einmal gehört habe… 

Fazit: Wer ein Konzert der ganz besonderen Art erleben will, ist bei Pat McManus, der übrigens ein sehr guter Freund von Barry McCabe ist, bestens aufgehoben. Uneingeschränkt empfehlenswert, wenn man nicht gerade zur Blues- Polizei gehört. 

Text und Fotos: © Tony Mentzel 

PS
In meinem Briefkasten lag heute Post aus Nordirland, über die ich mich sehr gefreut habe: 

Pat McManus

Pat McManus - Live...and In Time